The Property Post Institutional | Nr 04 - November 2025
The Property Post Institutional NR 04 - NOVEMBER 2025 25 24 gewählten Konzepte unter dem Medianwert von 3.000 Euro/m² Wohnfläche und damit deutlich unter dem üblichen Marktniveau. Die Spannbreite reicht von unter 2.400 bis knapp 4.400 Euro/m² – je nach Bauweise, Materialwahl und technischer Aus- stattung. Holzbau, Stahlbeton und Hybridformen sind vertreten. Die für fünf Jahre geltenden Prei- se bieten angesichts der volatilen Baukostenlage dringend benötigte Kalkulationssicherheit. Eine Anpassung ist nur auf Basis transparenter Bau- preisindizes vorgesehen. Unter Annahme mittlerer Kosten, auch für das Grundstück, sind Zielmieten von etwa 14 Euro/m² kalkulierbar. Das liegt noch deutlich oberhalb der avisierten 10 bis 12 Euro/m² für normale Einkommensgruppen, aber bereits deutlich unterhalb der aktuell normalerweise not- wendigen 18 bis 24 Euro/m². Trotz schwieriger Rahmenbedingungen wie stei- gender Baukosten, Zinsen und Materialpreise hat sich das serielle und modulare Bauen als praktikab- ler Ansatz etabliert. Hemmnisse bestehen jedoch weiterhin. Generell stellt die Verfügbarkeit geeig- neter und bebaubarer Grundstücke ein zentrales Problem insbesondere in den urbanen Zentren, dort wo der Bedarf am größten ist, dar. Darüber hinaus lassen sich die verfügbaren Grundstücke nicht selten durch sehr alte oder fehlende Planvor- gaben nur suboptimal bebauen. Hinzu kommt das Vergaberecht, das öffentliche Auftraggeber auch beim Rückgriff auf Rahmenverträge zu umfängli- chen Wettbewerbsverfahren verpflichtet. Zentraler Kritikpunkt ist der sogenannte Miniwettbewerb, der öffentliche Auftraggeber verpflichtet, alle infra- ge kommenden Rahmenvertragspartner einzube- ziehen und nicht nur die Favoriten. Am Ende kann nur ein Anbieter bauen! Hier besteht dringender Handlungsbedarf, um unnötige Bürokratie sowohl auf Anbieter als auch auf Nachfragerseite abzu- bauen. Für eine stärkere Marktdurchdringung wären An- passungen im Vergaberecht erforderlich. Eine Vereinfachung der Verfahren über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren könnte öffentlichen Wohnungsunternehmen und Kommunen die Um- setzung erheblich erleichtern. Auch die funktiona- le Ausschreibung sollte rechtlich als gleichgestell- te Alternative zur klassischen Losvergabe gestärkt werden, um die Vorteile integrierter Planung, Fer- tigung und Errichtung optimal nutzen zu können. Die aktuelle Bundesregierung, aber auch die Län- der befassen sich mit einer Reihe der bestehenden „Bau-Schmerzen“. Die Umsetzung und schlussend- lich die Wirkung der Maßnahmen dauern jedoch. Immerhin hat sich die Stimmung im Wohnungs- bau im Juni merklich aufgehellt. Das zeigt der vom ifo-Institut ermittelte Geschäftsklimaindex. Die Auftragslage sei zwar weiter unbefriedigend, die Unternehmen litten unter Stornierungen. Aber der Anteil der Firmen mit Auftragsmangel sank von 51 auf 47,9 Prozent. Die Quote lag anderthalb Jahre fast durchgängig über 50 Prozent. Den Markt maßgeblich geprägt Insgesamt gilt das serielle Bauen heute als wich- tige Ergänzung zum klassischen Bau. Angesichts von Fachkräftemangel, steigenden Kosten und wachsenden Nachhaltigkeitsanforderungen bie- tet es erhebliches Potenzial. Durch standardisierte Ansätze lassen sich nicht nur Bauzeiten verkürzen und Kosten stabilisieren, sondern auch ökologi- sche Vorteile erzielen – etwa durch recyclingfähige Konstruktionen. Die GdW-Rahmenvereinbarungen haben diesen Markt maßgeblich geprägt und weiterentwickelt. Sie haben den Einstieg erleichtert, Standards ge- setzt und Innovationen gefördert. Die rasante Ent- wicklung im Bereich Digitalisierung/künstlicher In- telligenz/Robotik wird nicht vor der Baustelle „Halt machen“, sondern zumTreiber – auch dort schneller als wir denken. Damit wir hier vorankommen, be- darf es allerdings klarer politischer Unterstützung und passender gesetzlicher Rahmenbedingungen. Fabian Viehrig Wohnraum ist gesucht und wird gebraucht. Und das bleibt auch so. Einer Prognose des Bundes- instituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung aus 2025 zufolge gibt es in Deutschland bis 2030 ei- nen Bedarf von rund 320.000 neuen Wohnungen pro Jahr. Die Zahl der Haushalte wird aufgrund der Alterung der Bevölkerung und vermehrter Single- Haushalte bis 2030 um 1,3 Prozent auf 42,6 Millio- nen wachsen. Besonders groß ist der Bedarf in den sieben größ- ten Städten – Berlin, München, Hamburg, Frankfurt am Main, Stuttgart, Köln und Düsseldorf. Hier liegt der Bedarf zusammen bei jährlich 60.000 neuen Wohnungen. Natürlich gibt es auch eine Reihe von schrumpfenden Regionen. Das serielle und modulare Bauen kann bei der Lö- sung des Wohnungsbedarfs einen wesentlichen Beitrag leisten. Mehr als jede zehnte neu gebaute Wohnung wurde nach Zahlen des Bundesbaumi- nisteriums im vergangenen Jahr mit Fertigbautei- len errichtet. Der Anteil am Wohnungsneubau er- höhte sich von acht auf 11,5 Prozent. Der GdW erwartet, dass künftig bis zu 25 Prozent des Wohnungsbaus über serielles und damit in- dustrielles Bauen laufen könnte. Die erste GdW- Rahmenvereinbarung, gültig von 2018 bis Ende 2023, erfüllte die Erwartungen: Knapp 50 Bau- vorhaben mit rund 5.000 Wohneinheiten wurden umgesetzt. Das entspricht etwa fünf Prozent der Bauleistung der GdW-Mitglieder. Angesichts der Tatsache, dass die Rahmenvereinbarung Neuland war und die Unternehmen den Umgang damit erst erlernen mussten, ist dies ein beachtliches Ergebnis. Mit der im Jahr 2023 gestarteten GdW-Rahmen- vereinbarung 2.0 setzt sich der Erfolg fort. Deutlich schneller als in der ersten Rahmenvereinbarung wurden trotz schwierigem Marktumfeld bereits im ersten Jahr viele Aufträge platziert. So waren rund 5.000 Wohneinheiten vertraglich gesichert oder kurz vor Abschluss. Die Nachfrage hat bis heute nicht nachgelassen. Neben den Mitgliedsunter- nehmen des GdW interessieren sich zunehmend auch Nichtmitglieder für die Angebote. Damit ent- faltet die Vereinbarung Strahlkraft über die Ver- bandsunternehmen hinaus. Neben den Systeman- geboten aus der Rahmenvereinbarung verzeichnet der GdW zudem die Umsetzung weiterer interes- santer Bauvorhaben durch Mitgliedsunternehmen, die sich ebenso dem seriellen und modularen Bau- en zuordnen lassen. Die zweite Rahmenvereinbarung umfasst 20 Her- steller und 25 unterschiedliche bauliche Lösungen, die bundesweit verfügbar sind. Die Bandbreite reicht von Holz- und Hybridbauweisen über Stahl bis hin zu Beton. Aus Angebotsperspektive zeigt sich damit ein breites Spektrum, das keine wesent- lichen Lücken mehr offenlässt. Kostensicherheit in bewegten Zeiten Die Kosten (KG 300/400 teilw. KG 700 in Euro/m² Wohnfläche brutto!) liegen bei der Hälfte der aus- Fabian Viehrig Leiter Bauen und Technik GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. Serielles Bauen gewinnt an Bedeutung
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