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Design & Build

Komplexe Bauprojekte erfordern neue Herangehensweisen

Martin Wendsche, Managing Director Central & Eastern Europe, ISG
Martin Wendsche

Bauvorhaben in Deutschland werden heutzutage oftmals exakt so umgesetzt, wie schon vor Jahrzehnten. Alle Gewerke werden einzeln an Unternehmen vergeben und entsprechend nacheinander geplant und umgesetzt. Die handelnden Akteure sind also zu unterschiedlichen Zeitpunkten in das Projekt eingebunden.

Nach wie vor ist die Vorgehensweise bei komplexen Bauprojekten in Deutschland klassisch geprägt. Die Gewerke werden jeweils zu dem für sie relevanten Zeitpunkt in das Projekt eingebunden. Also nacheinander und nicht von Anfang an miteinander. Verzögerungen und Kostenexplosionen sind keine Seltenheit. Der Berliner Flughafen und die Elbphilharmonie sind nur die prominentesten Beispiele. In einer modernen vernetzten Welt ist dieser Ansatz – vorsichtig formuliert - überholt. Der Blick über den Tellerrand lohnt sich. In Ländern wie England, den USA oder den Niederlanden ist man schon einen großen Schritt weiter. Die Lösung: Man setzt auf das Prinzip des partnerschaftlichen Bauens - Design & Build. Von Anfang an arbeitet ein Team aus Planungs- und Bauingenieuren zusammen. In den USA werden bereits 40 Prozent aller Bauprojekte im Wohnsegment über Design & Build abgewickelt.

Eine Abgrenzung der einzelnen Gewerke während der Planungs- bzw. Bauphase findet dort nicht statt. Partnerschaften und Allianzen bei der Projektumsetzung sind gelebte Normalität. Dies manifestiert sich beispielsweise in gemeinsamen Versicherungspolicen und Mehrparteienverträgen. Persönliche Befindlichkeiten und mentale Hürden bestimmen nicht das Handeln wie bei uns in Deutschland. Regelmäßig stattfindende moderierte Meetings helfen frühzeitig, Planungsfehler zu identifizieren und zu beheben. Transparente Verträge und Kalkulationen schaffen ein Vertrauensverhältnis unter den Projektteilnehmern.

Transparenz ist der Schlüssel zum Erfolg
Die Vorteile des partnerschaftlichen Bauens sind offenkundig. Neben der Kosteneffizienz ist vor allem die Risikominimierung ein großer Schritt nach vorne. Beim partnerschaftlichen Bauen erhält ein Auftraggeber sämtliche Leistungen von der Planung bis zur Übergabe von einem einzigen Generalauftragnehmer. Auf diese Weise werden alle Kompetenzen frühestmöglich in das Projekt eingebunden. Dies führt sowohl zu Vertragssicherheit als auch einer vollständigen Kontrolle der Finanzen und des Zeitplans.
Durch die Zusammenlegung von Ausführungsplanung und Werk- und Montageplanung sowie durch den Wegfall von Ausschreibungen werden Kosten gespart. Auf der anderen Seite ist es sicherlich genau diese Transparenz, die in Deutschland nicht gelernt ist und nicht zu unserer Unternehmenskultur gehört. Nicht jeder Unternehmer legt gerne seine Karten offen auf den Tisch. Auch bei vielen Architekten sind nach wie vor Vorbehalte auszumachen.

Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Baustein und ein Treiber des partnerschaftlichen Bauens. Bau- und Planungsverfahren wie das Building Information Model (BIM) werden auch in Deutschland langsam Realität und tragen ihren Anteil dazu bei, dass alle unterschiedlichen Kompetenzen und Gewerke Ideen einbringen können und an digitalen Baumodellen testen können. Veränderungen an den Baumaßnahmen können so bereits in der Planungsphase am Computer simuliert werden. Die Software führt die notwendige Plausibilitätsprüfung durch und erspart auf diese Weise böse Überraschungen auf der Baustelle.

Durch BIM herrscht jederzeit für alle Stakeholder Transparenz über die Planungs- und Baumaßnahmen. Eine Richtlinie der EU fordert die verbindliche Einführung von BIM seit dem Jahre 2016. Auf nationaler Ebene handelt die Bundesregierung im Rahmen des Projektes „Förderinitiative Mittelstand 4.0“. Als Teil dieser Initiative soll das „Mittelstand-Kompetenzzentrum Planen und Bauen“ die mittelständisch geprägte Bauwirtschaft und das Handwerk bei der Einführung von BIM unterstützen. So die Theorie, denn den Sprung auf die Baustellen hat die digitale „Bauwerksdatenmodellierung“ bislang nur schleppend vollzogen. Die Situation in den angelsächsischen Ländern und Skandinavien stellt sich komplett anders dar. Hier ist BIM als Planungs- und Baustandard längst etabliert. Deutschland hängt bei diesem wichtigen Digitalisierungsthema nach wie vor hinterher.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von ISG Deutschland
Erstveröffentlichung: The Property Post, November 2019

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