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Investments verbessern

So kann die Digitalisierung dabei helfen

Dr. Thomas Schneider, Chief Investment Officer und Mitgründer, BrickVest IM Ltd
Dr. Thomas Schneider

Wenn derzeit – wie bei nahezu jeder immobilienwirtschaftlichen Veranstaltung – ausführlich über Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft diskutiert wird, stehen dabei meist die Digitalisierung von Managementprozessen und die dadurch möglichen Zeit- und Kostenersparnisse für Unternehmen im Fokus. Ein weiterer Aspekt wird dabei bislang kaum diskutiert, verdient aber mindestens ebenso viel Beachtung: die Kostenersparnisse für Investoren – und der mögliche Gewinn an Transparenz und Vertrauen.
Besonders deutlich sichtbar ist dies im Crowdinvesting-Segment, dessen Entstehung praktisch untrennbar mit der Digitalisierung verbunden ist. Viel zu oft wird der Schwerpunkt dabei jedoch noch darauf gelegt, die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung lediglich zur praktischen Abwicklung der Investments zu nutzen. Dabei bietet die Digitalisierung gerade in diesem Segment eine wertvolle Chance, das Vertrauen von Investoren zu gewinnen und ein in Misskredit geratenes Anlageprodukt – Sachwertinvestments für private Anleger – nachhaltig zu rehabilitieren.

Über viele Jahrzehnte hinweg war der geschlossene Fonds das Investmentvehikel der Wahl, wenn es darum ging, privaten Anlegern die Beteiligung an Immobilien- und anderen Sachwertinvestments zu ermöglichen, die sie wegen der hohen Investitionsvolumina allein nicht hätten realisieren können. Doch das an und für sich sinnvolle Anlageprodukt erlitt schwere Imageschäden, weil zahlreiche Investments sich deutlich schlechter entwickelten als erwartet. Die jahrelange Fokussierung auf mögliche Steuerersparnisse bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Wirtschaftlichkeit des Investments war nur einer der Gründe dafür. Mindestens ebenso problematisch waren intransparente Strukturen, hohe Weichkosten und eine nicht risikoadäquate Verzinsung des investierten Eigenkapitals, – Konditionen also, die professionelle Investoren niemals akzeptieren würden.

Wenn eine Studie der Universität Bamberg kürzlich zu dem Ergebnis kam, dass die Vermögensanlagen-Informationsblätter (VIB) im Bereich des Crowdinvesting potenziellen Investoren keine gute Informationsbasis böten und Risiken nicht klar darstellten, dann wird deutlich, wie wichtig eine zeitnahe Weichenstellung für dieses Segment sein wird. Dienen digitale Plattformen lediglich als moderner Vertriebskanal, ohne die Qualität und die Transparenz der angebotenen Produkte zu erhöhen, dann droht dem Crowdinvesting in der Tat ein ähnliches Schicksal wie dem geschlossenen Fonds. Werden die Chancen und technischen Möglichkeiten der Digitalisierung hingegen genutzt, Produkte mit einem hohen Maß an Transparenz, geringen Kosten und einer risikoadäquaten Eigenkapitalverzinsung anzubieten und sich insofern stark an den professionellen Investmentmarkt anzunähern, dann könnte dies dem an und für sich sinnvollen Sachwertinvestments in Immobilien zu einer neuen Renaissance verhelfen.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von BrickVest IM
Erstveröffentlichung: The Property Post

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