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Stromrevolution im Bestand

Arbeiten mit dem, was da ist

Frank Talmon l‘Armée, Vorstand, SEMODU AG
Frank Talmon l‘Armée

Der Gebäudesektor gehört zu den größten Treibhausgasemittern in Deutschland. Um die Klimaziele zu erreichen, sind hier dringend Änderungen nötig, beispielsweise müssen alte Öl- und Gasheizungen gegen moderne Formen der Wärmeerzeugung ausgetauscht werden – Stichwort: Elektrorevolution.

Kaum ein Thema dominiert derzeit Medien und Gesellschaft so stark wie der Klimawandel. Da kommen die Pläne von Tesla im richtigen Moment. Der Bau der Gigafabrik lässt darauf hoffen, dass damit auch in Deutschland die Elektrorevolution befeuert wird. Obwohl auch die Bundesregierung den Elektroausbau mit Kaufprämien, Steuererleichterungen und dem Versprechen von flächendeckenden Ladestationen fördert, ist die Revolution bisher nicht wirklich in Schwung gekommen und auch der Fokus des Klimapakets liegt vor allem auf dem CO2 Ausstoß. Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas sollen höher besteuert werden, regenerative Energien gefördert und Bahnfahren für Pendler vergünstigt werden.
Weitere Punkte des Klimapakets sind die „Austauschprämie“ für Ölheizungen und das Verbot diese ab 2026 in Gebäude einzubauen, in welchen eine klimafreundlichere Wärmeerzeugung möglich ist. Zusätzlich ist eine steuerliche Förderung für energiesparende Gebäudesanierung geplant.

Das Problem der Gebäudesanierung ist jedoch, dass die Kosten dieser sehr hoch sind und meist auf die Mieter umgelegt werden. Damit steigen die Mieten in einem bereits prekären Immobilienmarkt weiter an, womit Mieter kaum noch bezahlbare Wohnungen in ihrer bisherigen Umgebung finden oder gar vollständig daraus verdrängt werden. Außerdem ist die Toleranz der Bevölkerung noch höhere Mieten zu akzeptieren kaum vorhanden, wo bereits Mittel zur Begrenzung der Mieten umgesetzt werden und Rufe nach Enteignung laut werden.

Da der Gebäudesektor, neben der Energiewirtschaft, der Industrie und dem Verkehr zu den vier größten Treibhausgasemittern gehört, ist hier dennoch dringend Handlungsbedarf nötig. Die Förderung für klimafreundlichere Wärmeerzeugung ist daher eine sinnvolle Alternative. Immerhin kritisierte erst kürzlich der EU-Rechnungshof, dass Deutschland beim Heizen und Kühlen mit erneuerbaren Energien zurückliegt.

Eine Lösung liegt daher in der Methode „Power-to-Heat“ – Wärme aus Stromüberschuss. Deutschland produziert momentan einen Stromüberschuss in Milliardenhöhe, der ins Ausland exportiert wird, da die jährlichen Kraftwerkreserven enorm sind. Neben des maximalen Peaks des möglichen Stromverbrauchs beinhalten sie zusätzlich noch einen Puffer. Die meiste Zeit sind deshalb also gar nicht alle ökologischen Ressourcen am Netz. Beispielsweise werden Windkrafträder an besonders stürmischen Tagen vom Netz genommen, um dieses nicht zu überlasten.

Warum also nicht nutzen, was ohnehin schon da ist und sowieso veraltete Ölheizungen gegen Wärmespeicher austauschen. Die technisch einfache Lösung sind hoch gedämmte Wassertanks. Diese können lange Wärme speichern und lassen sich in jedem Heizungskeller leicht einbauen. Technisch aufwendiger umzusetzen ist der Batteriespeicher. Wenn die Elektrorevolution und die flächendeckende Elektromobilität aber wirklich ganzheitlich umgesetzt werden sollen, wird dieser in vielen Häusern ohnehin notwendig werden. Mit Strom könnte dann nicht nur geheizt, sondern auch das Auto aufgeladen und im Sommer natürlich gekühlt werden. Das ist auch deshalb praktisch, da es durch den Klimawandel immer wärmer wird. Mit Batteriespeichern in vielen Häusern braucht es außerdem weniger Ladestationen und da die Netzauslastung im Tagesverlauf gleichmäßiger ist, wird der aufwendige Ausbau der Stromtrassen zum großen Teil obsolet.

Die Elektrorevolution beim Auto geht also mit der am Haus einher. Mit Strom zu heizen, bietet den Vorteil Ressourcen zu nutzen, die bereits im Überfluss vorhanden sind, hat das Potenzial die Elektrorevolution voranzubringen und die Klimaziele zu unterstützen. Um diesen Wandel erfolgreich umzusetzen ist die Immobilienwirtschaft gefragt, Hand in Hand mit Energiewirtschaft- und Mobilitätsdienstleistern Lösungen umzusetzen.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von SEMODU AG
Erstveröffentlichung: SEMODU AG

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