11.03.2020

Wachstum und viele Baustellen

Drei Panels auf dem 2. Kölner Immobilienkongress

Vinzent Hagen, Studentischer Teamassistent, RUECKERCONSULT GmbH
Vinzent Hagen

Mehr Wohnraum! Niedrigere Preise! Erbpacht! Ökobilanz! Auf dem 2. Kölner Immobilienkongress wurden die Streitthemen rund ums Wohnen heiß diskutiert. Die Rheinmetropole verzeichnet mehr Wachstum als erwartet. Und das birgt verschiedene Herausforderungen.

  • 2. Kölner Immobilienkongress
  • Veranstalter: W&R Immocom
  • Datum: 11. Februar 2020
  • Teilnehmerzahl: 203
  • Veranstaltungsort: KOMED im Mediapark 6, 506701 Köln

Das Angebot in Köln sei qualitativ gut, war der Tenor des Panels „Wohnen“ auf dem 2. Kölner Immobilienkongress. Wie in allen florierenden Großstädten Deutschlands sind die Preise für Miete und Eigentum in der Domstadt und deren Umland gestiegen. Im Vergleich rangiert Köln mit einer Mietsteigerung von 45,3 Prozent (2007-2019) noch deutlich unter etwa Berlin (83%), München (65%) oder Stuttgart (62%). Ein Grund dafür könnten innovative Neubauprojekte darstellen: Als gelungenes Beispiel der Stadtentwicklung stellte Andreas Röhrig das von moderne stadt vorangetriebene Clouth-Areal im Kölner Stadtteil Nippes vor. Auf einer Baugrundfläche von rund 150.000 Quadratmetern entstanden und entstehen dort 1.240 Wohnungen. Das Clouth-Quartier belegte 2018 den zweiten Rang des Polis Award für soziale Quartiersentwicklung.

Auch andere Faktoren sprechen für die Rheinmetropole, deren Wachstum die Prognosen übersteigt: Als Messe- und Dienstleistungsstandort habe Köln eine große Zukunft, begünstigt durch gute Infrastruktur und das internationale Einzugsgebiet der Beneluxstaaten. Freilich, erklärt Gerald Böse (Koelnmesse), könnten diese Vorzüge stärker ausgenutzt und finanziert werden. OS-MAB-Vorstand Holger Kirchhof äußerte feierlich ein ganz klares Bekenntnis zu Köln im Auftaktpanel des Kongresses. Doch wundert man sich bei all diesem Enthusiasmus – wo ist eigentlich der Haken?

Was neu gebaut wird, reicht schlicht nicht aus. Matthias Wirtz (KSK-Immobilien) berichtete im Panel „Wohnen Umland“, dass der Bedarf an Wohneinheiten mindestens doppelt so hoch liegt wie das Angebot. Durch diesen Engpass kommt es zu kuriosen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt: Möchte man ein Eigenheim in Köln oder im Umland erwerben, ist seit dem vierten Quartal 2018 Neubau günstiger als Bestand. Und seitdem prägt sich dieser Trend immer stärker aus. „Viel Bewegung am Rhein“ – so auch der Titel des Auftaktpanels – wurde in und um Köln beobachtet: Ein großer Zuzug aus dem Ausland sei zu verzeichnen sowie Bewegungen aus der Stadt ins Umland. Letztere erfolgen eher notgedrungen, weil adäquater Wohnraum in der Stadt fehle. Und damit sind wir bei einer Grundproblematik angelangt: Flächen sind hart umkämpft, knapp und dementsprechend teuer. Familien wünschten sich zwar Drei- bis Vierzimmerwohnungen, könnten sich die Angebote jedoch häufig nicht leisten. Unterschiedliche Interessensgruppen ringen um die Aufteilung von Wohn-, Grün- und öffentlichen Flächen. Schnell bilden sich Bürgerinitiativen, um Bauvorhaben entgegenzuwirken und die Politik knickt ein. Zusätzlich sind Genehmigungsverfahren deutlich komplizierter und langwieriger geworden, was die Reaktionsmöglichkeiten auf die aktuelle Nachfrage stark einschränkt. Kathrin Möller (GAG Immobilien) schilderte: Unter denen, die nach angemessenem Wohnraum suchen, ihn aber nicht finden oder sich nicht leisten können, mache sich Verzweiflung breit.

Moderator Dr. Ulrich Nagel (RUECKERCONSULT) fragte zum Abschluss des Panels „Wohnen“ nach dem konkreten Handlungsbedarf in Köln. Die Antworten fielen unterschiedlich aus: Gefordert wurde der verstärkte Einsatz von Erbpacht-Modellen oder auch die Absenkung der Grundstückspreise. Auch die Ökobilanz sei nicht außer Acht zu lassen, merkte Möller an – die Stadt wolle schließlich bis 2050 klimaneutral werden. Viele Baustellen, so scheint es, an denen gearbeitet werden muss.
Das Thema Wohnen ist ein emotionales Thema, waren sich die Podiumsteilnehmer schließlich einig. Auf keinen Fall dürfe daher die Kommunikation zwischen Kommunen und mit den Bürgern vernachlässigt werden. Den trotz aller Problematiken vorherrschenden, positiven Grundton brachte Andreas Röhrig auf den Punkt: „Ich habe lieber Wachstumsschmerzen als Schrumpfungskopfweh.“

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von RUECKERCONSULT
Erstveröffentlichung: The Property Post, März 2020

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