The Property Post - Das Online-Meinungsportal für die deutsche Immobilienwirtschaft
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Wohnungsbau macht Schule

Schulprojekt zum Thema Wohnraum in Berlin

Ferdinand Meißner, Schüler des Walther-Rathenau-Gymnasiums Berlin,
Dr. Ulrich Nagel, Kommunikationsberater / Redakteur The Property Post, RUECKERCONSULT GmbH
Ferdinand Meißner

Die Schaffung neuen Wohnraums in den Ballungszentren ist ein Kernthema in der politischen und gesellschaftlichen Debatte in Deutschland. Ein Epizentrum der Diskussionen stellt Berlin dar: Keine andere Stadt hat sich in den letzten Jahren so rasant entwickelt und verändert wie die Bundeshauptstadt. Ist das Thema nur für einige interessierte Minderheiten von Interesse oder beschäftigt es wirklich alle? „The Property Post“ trug das Thema in die Schule: Lesen Sie hier den gemeinsamen Beitrag von „Property Post“ und Abiturienten des Leistungskurses Geschichte des Berliner Walter-Rathenau-Gymnasiums.

Mitte April 2018 gingen rund 15.000 Menschen in Berlin auf die Straße, um gegen hohe Mieten zu protestieren. Die Wohnungspreise der Hauptstadt, ob zur Miete oder als Eigentum, schließen mit einer außerordentlichen Geschwindigkeit zu den anderen deutschen Großstädten auf. Gleichzeitig erfreut sich Berlin eines kontinuierlichen Zuzugs: Für die jährlich rund 40.000 neuen Bürger adäquaten Wohnraum zu schaffen, ist eine der Hauptaufgaben der Berliner Landespolitik. Wie sehen Berliner Jugendliche dieses Thema? Merken sie ebenso bereits den Wandel in ihrer Heimatstadt? Und mit welchen Ideen reagieren sie darauf? Das zweiwöchige Projekt zum Thema „Wohnungskrise in Berlin“ von „The Property Post“ und dem Berliner Walter-Rathenau-Gymnasium nahm sich dieser Frage in drei Schritten an.

Erstens: Wer sind die relevanten beteiligten Gruppen bei der Schaffung neuen Wohnraums? Und wer vertritt sie? Unter dem Schlagwort „Lobbyismus“ hielten die Schüler fest: Der moderne Lobbyismus findet vor allem über Verbände und Initiativen statt. Während die Konversation zwischen Politikern und Lobbyisten eine deutlich spezifischere und fundierte Entscheidungsfindung in dem Parlament und den Verwaltungen herbeiführt, wird über die bereits angesprochenen Verbände und Gewerkschaften eine breite Repräsentanz der zahlreichen Bevölkerungsgruppen erzielt. Politiker sind erst nach Anhörung von Analyseergebnissen der Lobbyisten dazu befähigt, Entscheidungen zu treffen, die ohne den wirkenden Lobbyismus durch die zahlreichen Aufgaben des Staates schier unmöglich zu treffen wären. Gegensätzlich zu eben Genanntem, können zahlreiche Lobbys einen enormen Druck auf die Politik ausüben und somit einzig und allein auf diese Lobby abgestimmte Gesetzesentscheide erzwingen. Hier liegt eine große Gefahr für das demokratische Grundprinzip der Bundesrepublik Deutschlands. Die Forderung daher: Treffen und Besprechungen zwischen Politik und Lobby sollen ähnlich wie in den USA einer strengen Protokollierung und Listenführung unterliegen.

In einem zweiten Schritt fand ein Interview mit dem Projektleiter von „Immergrün“, einer Kampagne des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zur Bewahrung unbebauter Flächen in Berlin, statt. Nach Analyse von Berichten zum Berliner Wohnimmobilienmarkt stellte sich für die Schüler die Frage: Wie kann man angesichts eines enormen Zuzugs benötigte Flächen für neue Wohnungen generell für Neubau sperren? Der BUND argumentiert gleichwohl mit einer vom Senat selbst erstellten Übersicht zu schützenswerten Grünflächen. Privateigentum lässt der Umweltverband darüber hinaus unangetastet. Vier Aussagen blieben in der Diskussion haften: 1.) Die eigentlichen Entscheidungsträger in der Verwaltung sind – im Gegensatz zur Politik – schwer zugänglich, 2.) die aktuellen Berliner Regierungsfraktionen bitten Verbände wie BUND um die Formulierung neuer Gesetze und Verordnungen, 3.) das Land Berlin sollte mehr Grundstücke kaufen, um den Naturschutz auf Stadtgebiet auszuweiten, 4.) Berlin hat aufgrund des bestehenden Trinkwasserreservoirs eine natürliche Wachstumsgrenze von vier Millionen Einwohnern.

Nach Studium und Auswertung von Wohnungsmarktberichten, statistischen Daten und Aussagen des BUND-Projektleiters formulierten die Schüler Lösungsansätze für die Bewältigung der Berliner Wohnungskrise. Nachverdichtung und Aufwertung der Randbezirke wurden genannt: Die erste Maßnahme wäre ein platzeffizientes Bauen (leicht höher bauen, Dachbereich nutzen, Schulhof auf dem Dach, etc.). Die meisten Grünflächen müssen als Teil des Stadtreliefs und dadurch auch als Teil des „Images“ erhalten bleiben. Außerdem müsste man Teile Brandenburgs in die Stadt eingemeinden und die städtische Aspekte in diesen ausbauen. Des Weiteren müssten die äußeren Bezirke Berlins (Pankow, Spandau, Marzahn-Hellersdorf etc.) durch bestimmte Maßnahmen, wie den Ausbau des „Nachtlebens“ und verschiedener universitärer Einrichtungen, attraktiver für Studenten und für die jüngere Bevölkerung gemacht werden.

Politische Intervention wird von den Schülern begrüßt, aber mit Sachkenntnis und Wissen um die Mikrostandorte: Angenommen, jedes Immobilienunternehmen ist in der Lage, ein Gebäude mit zahlreichen Stockwerken zu bauen oder die Mietpreise derartig in die Höhe zu treiben, dass sich diese gedanklich den eben genannten Wolkenkratzern annähern. Um ein solches Szenario zu verhindern (oder wenigstens kontrollieren zu können), bedarf es ohne Zweifel einiger Regulierungen und ggf. Interventionen durch Bezirk, Land bis hin zum Bund. In Berlin gibt es diverse solcher Maßnahmen: Mietpreisbremse, sozialer Wohnungsbau und weiteres. Die Mietpreisbremse z. B. verhindert in vielen Fällen Neubauten, da Investoren es somit schwerer haben, profitable Abnehmer zu finden. Damit Mieter und Käufer, aber auch Immobilienunternehmen glücklich gestellt werden können, würde in Berlin beispielsweise die Option aufleuchten, die Mietpreisbremse auf Zonen zu verteilen. Also in den weniger gefragten Wohnvierteln oder Stadtbezirken die Bremse 'auszubremsen' und grünes Licht für Vermieter und Privatunternehmen zu geben. Man schafft einen gerechten Ausgleich in eben jenen Zonen und könnte, durch Bestehen der Mietpreisbremse in anderen Bezirken, dort die Entwicklung vorantreiben und eine Erhöhung des Grundwertes der Wohnungen etablieren.

Zusammengefasst wurde deutlich, dass das Thema Wohnraum auch unter den Schülern erhebliche Relevanz hat. Engagierte Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Schülerschaft belegten dies. Gleichwohl wurde als gemeinsamer Nenner deutlich: Unter den beteiligten Parteien im Wohnungsbau sollten alle – ob Regierung, Verbände oder Immobilienwirtschaft – maßvoll und mit Blick auf das große Ganze agieren.

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