Ein Gespräch über die Situation der privaten Vermieter in Berlin.
The Property Post (TPP): Der Berliner Senat verschickt demnächst Briefe an Vermieter, wenn eine inserierte Miete um mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt. Was sagen Ihre Mitglieder dazu?
Julia Marczuk (JM): Unsere Mitglieder reagieren darauf mit großer Verunsicherung und erheblichem Unverständnis. Bereits die zugrunde liegende Annahme ist problematisch: Eine Überschreitung der ortsüblichen Vergleichsmiete um mehr als zehn Prozent bedeutet nicht automatisch, dass die verlangte Miete rechtswidrig ist. Es bestehen gesetzlich vorgesehene Ausnahmen, etwa bei einer höheren Vormiete, umfassender Modernisierung oder einem Neubau.
Ein automatisiertes Anschreiben allein aufgrund eines Inserats erweckt jedoch schnell den Eindruck, der Vermieter habe gegen geltendes Recht verstoßen. Das empfinden viele unserer Mitglieder als unangemessenen Generalverdacht. Statt privater Eigentümer weiter zu verunsichern, sollte der Senat verständlich über die Rechtslage informieren und konkrete Einzelfälle sorgfältig prüfen.
TPP: SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach möchte mit einer „Mietenpolizei" gegen Wuchermieten vorgehen. Fühlen Sie sich kriminalisiert? Oder glauben Sie der SPD, wenn sie sagt, dass Vermieter, die sich an die Gesetze halten, gar nicht gemeint seien?
JM: Ja, viele private Vermieter fühlen sich durch Begriffe wie „Mietenpolizei" regelrecht kriminalisiert. Die politische Sprache vermittelt den Eindruck, Vermieter seien grundsätzlich verdächtig und müssten überwacht werden. Für unsere Mitglieder, die oftmals nur eine oder wenige Wohnungen vermieten, sich an die geltenden Vorschriften halten und vielfach ein gutes Verhältnis zu ihren Mietern pflegen, ist das verletzend und frustrierend.
Wenn tatsächlich nur diejenigen gemeint sind, die vorsätzlich gegen geltendes Recht verstoßen, dann sollte die Politik dies auch klar und differenziert kommunizieren. Pauschale Schlagworte mögen öffentlichkeitswirksam sein, beschädigen aber das Vertrauen zwischen Politik und privaten Eigentümern. Eine rechtsstaatliche Prüfung konkreter Verdachtsfälle unterstützen wir selbstverständlich. Was wir ablehnen, ist ein pauschaler Generalverdacht gegen eine gesamte Gruppe.
TPP: Was machen Berliner Kleinvermieter, wenn sie keine Lust mehr auf Vermietung haben?
JM: Viele verkaufen ihre Immobilien oder Eigentumswohnungen, häufig an große, finanzstarke Investoren. Damit erreicht die Politik am Ende genau das Gegenteil dessen, was sie vorgibt zu wollen: Private Kleinvermieter ziehen sich aus dem Markt zurück, während sich der Wohnungsbestand zunehmend bei großen Unternehmen konzentriert.
Private Vermieter sind jedoch ein wichtiger Bestandteil eines vielfältigen Berliner Wohnungsmarktes. Wer sie durch immer neue bürokratische Pflichten, rechtliche Unsicherheiten und öffentliche Vorverurteilungen verdrängt, stärkt nicht die Mieter, sondern vor allem institutionelle Marktteilnehmer.
TPP: Der Berliner Mieterverein sagt, dass die überwiegende Zahl der Berliner Mieter mit ihren Vermietern zufrieden ist. Würden Sie das umgekehrt bestätigen?
JM: Ja, das können wir bestätigen. Die große Mehrheit der Mietverhältnisse funktioniert gut und ist von gegenseitigem Respekt geprägt. Gerade private Vermieter haben häufig über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte ein persönliches und vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Mietern.
Natürlich gibt es auf beiden Seiten Konflikte und problematische Einzelfälle. Diese dürfen jedoch nicht das Bild des gesamten Berliner Mietmarktes bestimmen. Die politische Debatte konzentriert sich viel zu stark auf Ausnahmen und vermittelt dadurch ein verzerrtes Bild des tatsächlichen Miteinanders.
TPP: Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, sich in Berlin für die Interessen der Vermieter einzusetzen? Geben Sie eine Wahlempfehlung ab?
JM: Haus & Grund Berlin gibt keine Wahlempfehlung für eine bestimmte Partei ab. Unsere Aufgabe ist es, die wohnungs- und eigentumspolitischen Positionen der Parteien transparent darzustellen und kritisch zu überprüfen.
Derzeit bereiten wir für unsere Mitglieder Wahlprüfsteine sowie einen Faktencheck zu den wohnungspolitischen Aussagen und Vorhaben der Parteien vor. Damit möchten wir unseren Mitgliedern eine fundierte Grundlage bieten, auf der sie sich selbst eine Meinung bilden und ihre Wahlentscheidung treffen können.
TPP: Frau Marczuk, vielen Dank für das Gespräch!
Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Haus & Grund Berlin
Erstveröffentlichung: The Property Post vom 29.7.2026