The Property Post - Das Online-Meinungsportal für die deutsche Immobilienwirtschaft
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Digitalisierte Vermietung

Ungenutzte Potenziale erschließen

Nessim Djerboua, Co-founder & CEO, EverReal GmbH
Nessim Djerboua

Die Vermietung von Wohnungen bindet aufseiten von Vermietern erhebliche Ressourcen. Das gilt nicht nur dort, wo angesichts einer schwachen Nachfrage die Gewinnung von Mietern im Vordergrund steht, sondern auch in den zahlreichen lokalen Märkten, in denen es deutliche Nachfrageüberhänge gibt. The Property Post sprach mit Nessim Djerboua, Mit-Gründer und CEO von EverReal, über ungenutzte Potenziale und mögliche Optimierungsansätze in diesem Bereich.

The Property Post: Herr Djerboua, in den Nachrichten ist beinahe täglich von Wohnungsmangel in Deutschland die Rede. Dennoch ist das Vermieten von Wohnungen für Vermieter sehr zeit- und personalaufwändig. Woran liegt das?
Nessim Djerboua: In den großen Metropolen und Ballungsräumen Deutschlands ist die Nachfrage nach Wohnungen tatsächlich deutlich größer als das Angebot. Das bedeutet für Vermieter zwar ein geringeres Leerstandsrisiko, aber nicht automatisch auch einen geringeren Aufwand bei der Vermietung. Im Gegenteil: Wenn auf ein veröffentlichtes Wohnungsangebot nicht nur fünf oder zehn sondern vielleicht sogar mehrere hundert Bewerbungen eingehen, dann bindet das erhebliche zeitliche und personelle Kapazitäten.

TPP: Warum? Lässt sich das nicht eingrenzen, zumal ja am Ende jede Wohnung ohnehin nur an einen Interessenten vermietet werden kann?
N. D.: Am Ende bleibt zwar nur ein Interessent als neuer Mieter übrig, aber es müssen zunächst einmal alle Bewerbungen gesichtet und dann Besichtigungstermine mit den infrage kommenden Interessenten vereinbart werden. Und selbst wenn das alles entfällt, weil der ausziehende Mieter bereits einen Nachmieter empfohlen hat, muss von diesem dennoch eine Selbstauskunft eingeholt und ihm ein Mietvertragsentwurf zugesandt werden. Deshalb ist es für Vermieter wichtig, an dieser Stelle einen einheitlichen Prozess zu haben, mit dem sich Fehler reduzieren und die benötigten Daten möglichst effizient erheben lassen. Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt: Früher klingelten die Telefone einen Vormittag lang, nachdem ein Wohnungsangebot in der Tageszeitung erschienen war. Heute werden die Angebote primär online veröffentlicht, und Bewerbungen gehen rund um die Uhr ein. Dabei erwartet jeder Bewerber eine zeitnahe Antwort. Und wenn diese ausbleibt, kommt es zu zusätzlichen Nachfragen und Anrufen, die noch mehr Zeit kosten. Zudem ist es für das Image eines Wohnungsunternehmens nicht gerade förderlich, wenn Anfragen nicht oder erst mit größerer Verzögerung beantwortet werden, weil die Kapazitäten der Mitarbeiter dafür einfach nicht ausreichen. Hier gibt es erhebliche Optimierungspotenziale.

TPP: Wie lassen sich diese Potenziale Ihrer Meinung nach heben?
N. D.: Wir haben uns intensiv mit diesem Problem auseinandergesetzt und eine Online-Plattform entwickelt, die den gesamten Vermietungsprozess vom Veröffentlichen des Angebots bis zur Wohnungsübergabe an den neuen Mieter digitalisiert und den Zeitaufwand für die betreffenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich reduziert. Im Idealfall können sie damit sogar mehr als die Hälfte der Zeit einsparen.

TPP: Was lässt sich denn zum Beispiel digital besser lösen als im persönlichen Kontakt mit einem Mitarbeiter aus der Vermietungsabteilung?
N. D.: Es gibt im gesamten Vermietungsprozess eine Menge an Routinekommunikation, die weitgehend automatisiert werden kann, ohne dass dies von den Mitarbeitern oder von den Mietinteressenten als unpersönlich empfunden werden würde. Im Gegenteil, die Kommunikation wird schneller und erfolgt kontinuierlicher, wovon alle Beteiligten profitieren. Auch die interne Mietinteressentenverwaltung kann in weiten Teilen digitalisiert erfolgen.

TPP: Für wen lohnt sich eine solche Lösung denn und wie lange dauert es, sie im Unternehmen zu implementieren?
N. D.: Die von uns entwickelte Lösung lohnt sich schon für Vermieter, die dreistellige Zahl an Wohnungen verwalten. Bei größeren Beständen ist die Effizienz umso größer. Die Nutzer bekommen die EverReal-Vermietungsplattform als Servicepaket angeboten und zahlen dafür eine laufende Vergütung, mit der bereits sämtliche Nebenleistungen wie Hosting, Updates und Ähnliches abgegolten sind. Da keine Einbindung der Plattform in das ERP-System des Vermieters notwendig und die Bedienung einfach und weitgehend intuitiv ist, kann unsere Lösung innerhalb von 24 Stunden eingesetzt werden. Sie läuft unter der Oberfläche des jeweiligen Vermieters, sodass sie vom Kunden als integraler Bestandteil von dessen Website wahrgenommen wird.

TPP: Wie groß ist Ihr Kundenstamm bisher und welche praktischen Erfahrungen gibt es bislang?
N. D.: Seit unserem Marktstart im Jahr 2017 haben wir schon mehrere große Wohnungsgesellschaften und Immobilien-Assetmanager als Kunden gewonnen, die insgesamt Bestände von mehr als 140.000 Wohneinheiten besitzen. Wir bekommen ein sehr positives Feedback von den Nutzern. Neben der hohen Funktionalität und der erheblichen Zeitersparnis schätzen sie vor allem auch die übersichtliche Gestaltung und die Möglichkeit, mobil produktiv zu sein.“

TPP: Herr Djerboua, vielen Dank für das Gespräch!

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von EverReal GmbH
Erstveröffentlichung: The Property Post, September 2018

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