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Fokus Wohnimmobilienmärkte

Interview zur Deutsche GRI Wohnen 2016

Ingolf Löwe, Leiter Geschäftsstelle Berlin, Berlin Hyp AG
Ingolf Löwe

1) Die EZB hat den Zins praktisch abgeschafft. Die Niedrigzinsen heizen bisher zwar nicht die Verbraucherpreise an,wohl aber die Immobilienmärkte. In Deutschland sind die Preise für Häuser und Eigentumswohnungen, zuletzt vor allem in Großstädten wie Berlin, Hamburg, München oder Stuttgart, stark gestiegen. Pumpt sich da eine Blase auf, die platzt, sobald die Zinsen irgendwann wieder steigen?

Grundsätzlich ist in den Großstädten eine starke Immobiliennachfrage zu verzeichnen, das stimmt. Sicherlich gibt es auch in dem einen oder anderen Markt Überhitzungstendenzen. Insgesamt sprechen aber die Fundamentaldaten noch gegen eine Blasenbildung.

2) Es gibt momentan einen richtigen Boom in der Wohnimmobilienbranche in Deutschland. Welche Investorengruppen sollten eher indirekt investieren und welche direkt? Und vor allem wo, liegen die „Sweet spots“?

Jeder Investor muss die Frage nach seiner Investitionsstrategie für sich selbst beantworten. Eine Zauberformel gibt es da nicht. Die Stadt Berlin ist nach wie vor eine der begehrtesten Investitionsstädte Deutschlands. Unser Wohnmarktbericht, der gemeinsam mit CBRE entwickelt wird, liefert Ihnen Anhaltspunkte, welche Bezirke besonders gefragt sind.

3) Welche ist die beste Strategie im Bezug auf Wohnimmobilien-Portfolios in strukturschwachen Gegenden? Wie kann das Risiko dort gemanagt werden?

Auch in strukturschwachen Regionen müssen die Leute irgendwo wohnen. Sicherlich ist dort das Mietsteigerungspotential beschränkt, dennoch stellt die Assetklasse Wohnen ein relativ risikoarmes Investment dar. In die Risikobewertung sollte die regionale demografische Prognose miteinbezogen in werden, um sich ein Bild über die zukünftige Vermietbarkeit zu machen.

4) Wie sehen Sie die Zukunft der deutschen Wohnimmobilienbranche? Was macht aus Ihrer Sicht die Anlageklasse Wohnimmobilien so interessant?

Die Wohnimmobilienbranche steht momentan sehr gut dar und stellt ein risikoarmes Investment dar. Allerdings wird die demografische Entwicklung Wohnungsunternehmen und auch Investoren dazu zwingen, sich den geänderten Bedingungen anzupassen. Beispielsweise wird die Singularisierung der Gesellschaft, also der Trend hin zu Ein- u. Zweipersonenhaushalten, den Bedarf an kleineren Wohnungen bis 2013 erheblich ansteigen lassen. Drei- bis Vierpersonenhaushalte gehen hingegen kontinuierlich zurück.

5) Wie wird sich der Wohnimmobilienmarkt in den kommen den 12 Monaten entwickeln? Wo sehen Sie die Chancen und wonach halten Sie speziell ausschau?

Der derzeitige Boom wird auch im kommenden Jahr anhalten. Insbesondere die Niedrigzinspolitik der EZB zwingt die Investoren dazu, ihre Gelder sinnvoll zu investieren und umgelegte Negativzinsen zu vermeiden. Ich sehe mittelfristig keine Änderung in der Notenbankpolitik.

6) Der demographische Wandel in Deutschland ist unbestreitbar- Welche Anforderungen stellt die veränderte Struktur an die Wohnwirtschaft?

Die Wohnungswirtschaft wird sich den geänderten Anforderungen ihrer Mieter anpassen müssen. Dazu zählt zum Beispiel in manchen Regionen der Ausbau der Netzanbindung (Breitbandinternet) als auch so grundlegende Sachen wie der Ausbau der Barrierefreiheit in den Wohnanlagen. Über das reine Bereitstellen von Wohnraum hinaus werden zukünftig auch viele weiche Faktoren wie zum Beispiel Portiers- oder Fahrdienste die Nachfrage nach Wohnen bestimmen. Wenn diese Zusatzleistungen vorhanden sind, werden die Mieter auch gerne dort wohnen bleiben oder zuziehen.

7) Terrorismus, weltweite Instabilitäten, Masseneinwanderungen, etc. Welche hat den größten Einfluss auf die Wohnungswirtschaft, und was sollte die Industrie im Auge behalten?

Hochpreisiger Wohnraum ist derzeit noch ausreichend vorhanden. Momentan ist aber bezahlbarer Wohnraum sehr knapp. Die Flüchtlingszuwanderung verstärkt diesen Mangel zusätzlich. Daher wird der Wohnungsneubau forciert, was natürlich nur mit einiger Zeitverzögerung zu Entlastung führen wird. Ob es gelingt, dann auch preiswerten Wohnraum zu schaffen, ist fraglich und bleibt abzuwarten. Jeder Investor oder jedes Wohnungsunternehmen sollte seine bisherige Strategie hinterfragen und schauen, ob sie noch die passenden Antworten auf sich verändernde Rahmenbedingungen gibt.

8) Sie haben schon einige Male an GRI Treffen teilgenommen. Was nehmen Sie aus den Treffen mit?

Ich gehe sehr gerne zu den GRI-Veranstaltungen und tausche mich gerne mit Kunden und Branchenkollegen aus. Die GRI bietet hierfür eine gute Plattform mit interessanten Themen.

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Erstveröffentlichung: The Property Post