The Property Post - Das Online-Meinungsportal für die deutsche Immobilienwirtschaft
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Frauen in die Bauwirtschaft!

Wer Chancengleichheit will, muss die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern.

Katrin Krauth, Associate Partner und Leiterin Personal, UNDKRAUSS Bauaktiengesellschaft
Katrin Krauth

Dass die deutsche Wirtschaft und die Immobilienbranche vor allem auf der Führungsebene immer noch Männerdomänen sind, zeigt ein Blick auf die Statistik: Lediglich 22,5 Prozent der Führungspositionen in Deutschland sind mit Frauen besetzt. In der Immobilienwirtschaft beträgt der Anteil in den ersten beiden Führungsebenen rund 15 Prozent. Im deutschlandweit tätigen Ausbauunternehmen UNDKRAUSS sind bereits gut ein Drittel der Führungskräfte weiblich. Katrin Krauth, Leiterin Personal und Associate Partner bei UNDKRAUSS, erklärt im Interview mit The Property Post, was das Berliner Unternehmen anders macht.

The Property Post: Frau Krauth, warum ist es für UNDKRAUSS wichtig, Chancengleichheit für Frauen herzustellen?
Katrin Krauth: Das hat mehrere Gründe. Zunächst ist es für uns als Familienunternehmen eine Selbstverständlichkeit, dass wir strukturelle Nachteile, mit denen Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen haben, abbauen. Wir sind nur dann erfolgreich, wenn sich jede und jeder einzelne optimal einbringen kann. Es geht letztlich also um die Frage: Wer kann was wo am besten? Ganz unabhängig davon, ob Frauen oder Männer. Außerdem zeigen Studien, dass gemischte Teams in vielerlei Hinsicht von Vorteil sind. Das bezieht sich natürlich nicht nur auf das Geschlecht, sondern auch auf Alter, Herkunft und andere persönliche Merkmale. Denn durch die Vielfalt an Sichtweisen und das breite Spektrum an Fähigkeiten und Fertigkeiten innerhalb gemischter Teams steigt die Qualität getroffener Entscheidungen und damit auch der gemeinsame wirtschaftliche Erfolg. Ein dritter Punkt ist der Fachkräftemangel, der auch in der Immobilienbranche deutlich zu spüren ist. Wir von UNDKRAUSS wollen die besten Talente von morgen für uns gewinnen. Und das geht nach unserer Auffassung nur mit echter Gleichbehandlung.

The Property Post: Wie hat es UNDKRAUSS geschafft, dass so viele Frauen in Führungspositionen arbeiten?
Katrin Krauth:
UNDKRAUSS ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen, bei dem eine offene Atmosphäre und gegenseitige Unterstützung schon immer gelebte Realität sind. Bei der Besetzung von Stellen stehen bei uns natürlich fachliche und persönliche Kompetenzen ganz oben. Aber damit Eltern oder auch pflegende Angehörige ihrem Beruf gut nachgehen können, braucht es geeignete Rahmenbedingungen, um berufliche und familiäre Belange unter einen Hut zu bekommen. Im Übrigen für Frauen genauso wie für Männer. Deshalb war es bei uns beispielsweise noch nie ein Problem, Kinder mit auf die Arbeit zu bringen. Darüber hinaus haben wir konkrete Maßnahmen umgesetzt, von denen insbesondere Frauen profitieren, wie individuelle Teilzeitmodelle, flexible Arbeitszeiten und unter den besonderen Voraussetzungen der Corona-Krise auch die Möglichkeit zum Home Office.

The Property Post: Mitte Juni hat UNDKRAUSS das Zertifikat zum audit berufundfamilie erhalten. Worum geht es dabei und was ist das Ziel?
Katrin Krauth:
Das audit ist ein strategisches Managementinstrument mit dem Unternehmen ihre Personalpolitik familien- und lebensphasenbewusst ausrichten können. Während des Auditierungsprozesses finden unterschiedliche Workshops statt, in denen der Status quo im Unternehmen festgestellt wird. Auf dieser Basis wird im Anschluss gemeinsam das Entwicklungspotenzial ermittelt und es werden strategische Ziele festgelegt. Aus diesen Zielen werden wiederum konkrete Maßnahmen abgeleitet, die in verbindliche Zielvereinbarungen einfließen. Nach Ablauf von drei Jahren nach der Auditierung werden die Zielvereinbarungen dann evaluiert.

The Property Post: Warum haben Sie sich für das audit beworben?
Katrin Krauth:
Bereits vor der Zertifizierung haben wir viele Anstrengungen unternommen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei UNDKRAUSS zu fördern. Aus unserer Sicht haben wir das auch ganz gut gemacht. Dennoch gibt es natürlich immer Luft nach oben und ein geschulter Blick von außen bringt noch mal andere und zusätzliche Erkenntnisse ans Licht als die Selbstbetrachtung. Warum das Thema dann nicht mit einem erfahrenen und kompetenten Partner angehen? Durch das strukturierte Vorgehen mit den Experten von berufundfamilie und die unternehmensspezifischen, verbindlichen Ziele können wir unseren Prozess nun verstetigen und ergänzende, neue Maßnahmen anstoßen. Auf diese Weise schaffen wir personalpolitisch zweierlei: ein Arbeitsumfeld, in dem sich unsere Mieterbeiterinnen und Mitarbeiter wohlfühlen und mit dem man bei Bewerberinnen und Bewerbern punkten kann.

The Property Post: Was sind die Ergebnisse des audit? Welche konkreten Maßnahmen werden Sie einführen?
Katrin Krauth:
Konkrete Maßnahmen, die sich auch bereits in der Umsetzung befinden, sind beispielsweise unsere Familienevents, wie der Family Day und unser Tag der offenen Tür. Außerdem haben wir ein eigenes Spielzimmer für Kinder eingerichtet, unser sogenanntes Family Office. Bringen Eltern ihre Kinder mit zur Arbeit, haben die Kleinen nun einen kindgerechten Aufenthaltsort, an dem sie auch mal laut sein und ihre Kreativität sowie Spiellust ausleben können, während Mama oder Papa um die Ecke arbeiten. Außerdem bieten wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aktiv Weiterbildungsmaßnahmen an, bauen unsere Angebote zum Gesundheitsmanagement aus, wie zum Beispiel Massagen und sportliche Aktivitäten, und sind gerade dabei Informationsveranstaltungen zum Thema Pflege von Angehörigen zu planen.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von UNDKRAUSS
Erstveröffentlichung: The Property Post, Juli 2020

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