11.08.2020

Gegen die Einsamkeit

Lösungen für Wohnkonzepte in Großstädten

Florian Färber, Gründer, CEO, theBASE FOL Group GmbH
Alexander Lackner, Geschäftsführer, CR Investment Management
Florian Färber

The Property Post spricht im Interview mit Alexander Lackner von CR Investment Management und Florian Färber, Gründer des Co-Living-Anbieters The Base, über die Einsamkeit in Großstädten, fehlende Innovationskraft in der Immobilienbranche und was Co-Living damit zu tun hat.

TPP: Herr Färber, Sie werden 2021 Ihr erstes Haus in Berlin eröffnen. Was war der Auslöser, The Base zu gründen?
Herr Färber:
Wir wollen mit dem Co-Living-Konzept von The Base das Thema „Combat Urban Loneliness“ angehen. Das ist leider eine Erfahrung, die viele junge Leute machen, wenn sie in eine neue Stadt kommen. Sie kennen dort niemanden, haben keinen sozialen Anschluss und finden nur schwierig bezahlbaren, ihren Bedürfnissen entsprechenden Wohnraum. Und genau das sind die Dinge, die wir mit The Base angehen. Das habe ich während meiner ersten Unternehmung in Berlin erkannt, als wir viele internationale Fachkräfte einstellten die genau dieses Problem hatten. Das Problem können wir lösen mit einem Ansatz, der Menschen verbindet und in den Mittelpunkt stellt. Dafür müssen drei Punkte erfüllt werden. Zum einen das Thema „Live“, also bezahlbaren Wohnraum. Zweitens eine Zusammengehörigkeit zu entwickeln, „Belong“. Und drittens über Events und gemeinsame Kontakte die Möglichkeit schaffen, zu wachsen, also „Grow“. Das ist der Ansatz von The Base: „Live, Belong, Grow“.

TPP: Herr Lackner, was hat Sie von CR dazu bewogen, als Investor bei The Base einzusteigen?
Herr Lackner:
Wir sind nicht davon überzeugt, dass man einfach irgendwo 400 Mikrowohnungen hinsetzen kann, sondern dass ein Community-Ansatz in solch großen Liegenschaften gegeben sein muss. Es muss eine Gemeinschaft entstehen, in der Menschen sich untereinander austauschen können. Genau das hat The Base in sein Konzept perfekt integriert. Das The Base-Haus in Berlin-Pankow ist nicht als reine Immobilie zu sehen, sondern als ein Mikrokosmos. Das ist für uns eine logische Ergänzung zu unseren Produkten. Als Partner von The Base übernehmen wir die Immobilienstrategie und -expansion in Deutschland und auch europaweit. Damit kann The Base die volle Konzentration auf das Betreibermodell legen.

TPP: Sie haben beide die Wichtigkeit des Community-Gedankens erwähnt. Haben Sie keine Sorge, dass aufgrund der schieren Größe eine anonyme Bettenburg droht?
Herr Färber:
Wir brauchen eine gewisse Größe in Form von Apartments aus zweierlei Gründen. Erstens, um eine ausreichend große Community zu haben, in der sich die zueinander passenden Bewohner matchen können. Und zweitens, um genügend Apartments zu haben, um dann Social Areas zu schaffen. Im The Base Konzept haben wir immer zwischen 10 bis 20 Prozent der Fläche für Social Areas vorgesehen. Das kann ein Fitnessstudio sein, Yoga-Raum, Eventraum, Dachterrassen, Kino oder Ähnliches. Und wir lockern das Ganze auf, indem wir diese Flächen überall im Objekt verteilen. Für unsere Bewohner soll es so immer etwas zu entdecken geben. In Berlin-Pankow haben wir vier beispielsweise unter anderem Community-Kitchens, wo Kochkurse stattfinden können. Wir bieten eben keine Bettenburg, weil wir mit Co-Living die städtische Einsamkeit bekämpfen. Das ist genau das Ziel von The Base.

Ergänzend dazu planen wir eine Community-App, die ähnlich dem Matching-Algorithmus von Dating-Apps funktionieren soll. So bringen wir die Bewohner zusammen, die gemeinsame Hobbys und Interessen haben. Wenn die App beispielsweise weiß, dass Sie Vegetarier sind und zudem dreizehn andere Leute auch, dann werden diese verbunden. Und unsere App wird ihnen beispielsweise einen vegetarischen Kochkurs in der Community-Kitchen vorschlagen.

Herr Lackner: Das von Herrn Färber beschriebene Thema ist ein Punkt, mit dem sich die Immobilienbranche stärker beschäftigen muss. Denn die Branche ist im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen immer noch nicht so innovativ wie es nötig wäre. Das liegt ein bisschen auch daran, dass die Entscheidungspositionen in der Branche hinsichtlich der Altersstruktur etc. sehr homogen besetzt sind. Auch wenn das in vielen anderen Branchen auch so ist: Man darf nicht die Augen davor verschließen, dass sich gewisse Themen verändern und dass die Generation 18plus in ein paar Jahren andere Präferenzen haben wird. Die sind stark auf die Digitalisierungsaspekte aus, die leben zumindest in ihren Zwanzigern ohne großes Besitztum. Für diese Lebensmodelle muss die Immobilienwelt neue Angebote schaffen. Wo die Reise hingeht, zeigen ganz gut die internationalen Metropolen. Dort sind Konzepte wie Co-Living etc. bereits fest etabliert, insbesondere in Großbritannien, in den USA oder in Asien.

TPP: Welche Lagen kommen für The Base in Frage?
Herr Färber:
Wir bespielen nicht ausschließlich A-Lagen, sondern auch aufstrebende B-Lagen in den Metropolen. Pankow beispielsweise bietet drei Dinge, die für uns wichtig sind. Erstens eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr, um dann binnen 15 Minuten im Stadtzentrum zu sein. Zweitens ist Sicherheit ein wichtiger Aspekt. Das hat eine Umfrage mit potenziellen Kunden ergeben. Pankow gehört zu den sichersten Bezirken in Berlin. Und drittens der Trend zu grünen Wohnquartieren. Pankow bietet mit dem Bürgerpark und anderen Grünflächen einen perfekten Zugang zur Natur in der Großstadt. Diese drei Aspekte machen Pankow zu einem sehr spannenden Standort für uns.

Herr Lackner: Auch noch mal aus einer Investorenperspektive: Wir glauben, dass das Konzept The Base durchaus eine Lage mitkreieren kann. Deswegen muss es nicht immer die A-Lage sein. Wir haben hier ein Konzept, das innovativ und anziehend ist, und mit einer BGF von 10.000 – 17.000 Quadratmeter aufstrebende Viertel weiter aufwerten kann. Daher sehen wir hier ein starkes Potential, mit einem innovativen Projekt auch in Lagen zu gehen, die in den nächsten Jahren die neuen Trendlagen werden.

TPP: Was sind Ihre Ziele mit The Base in den nächsten fünf Jahren?
Herr Lackner:
Das Ziel für uns ist es, in den nächsten fünf Jahren europaweit auf 15 Standorte zu kommen mit bis zu 5.000 Betten. Wir wissen, dass das sehr ambitioniert ist. Wir wollen, dass The Base der Player im Co-Living Bereich in Kontinentaleuropa wird. Die kurz- bis mittelfristige Perspektive ist es, in Deutschland die Top-5-Städte zu bespielen. Hier gibt es die entsprechende Zielgruppe in der ausreichenden Anzahl.

Herr Färber: Um es ein bisschen pathetischer zu formulieren, wir haben das Ziel, eine der führenden Brands für Co-Living zu werden - also in Form eines All-inclusive-Mikrokosmos für Young Professionals. Kurzfristig ist sicherlich unser Anliegen The Base in Berlin vernünftig auf den Weg zu bringen, operativ profitabel und nachhaltig zu betreiben und damit auch eine Referenz für neue Standorte zu schaffen.

TPP:  Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf Ihre Pläne aus?
Herr Färber:
Wenn ich nur das Geschäftliche betrachte, sehen wir eigentlich eher Chancen für die Zukunft. Vor Corona war der Zugang zu interessanten Immobilien begrenzt. Wir haben beispielsweise oft mit Hotelbetreibern um Flächen konkurriert. Das ist jetzt nicht mehr so stark der Fall. Davon profitieren wir natürlich. Auf Kundenebene haben wir ein spannendes Produkt für die Zukunft. The Base bietet den Bewohnern flexible Arbeitsmöglichkeiten für das Home-Office, das immer stärker genutzt werden wird, siehe das Beispiel Siemens. Bei uns können die Bewohner entweder in ihrem Apartment arbeiten oder Co-Working-Flächen nutzen. Selbst wenn man dann im Homeoffice ist, droht keine Vereinsamung, wie es viele Singles in der Corona-Phase erlebt haben.

Herr Lackner: Wir haben uns ja bereits vor Corona bei The Base engagiert und das würden wir auch trotz Corona wieder machen. Erstens glauben wir, dass die Megatrends wie Urbanisierung, Digitalisierung, Demographischer Wandel weiter anhalten werden. Covid-19 ist ein temporäres Thema, das bereits bestehende Entwicklungen beschleunigt. Der Wohnungsmarkt ist in den Großstädten weiterhin extrem angespannt und mit dem Konzept und dem Angebot von The Base bieten wir eine gute Lösungsmöglichkeit für junge, berufstätige Wohnungssuchende. Zudem sprechen wir diese Generation mit Gemeinschaftsflächen sowie den dahinterstehenden Service-Leistungen und digitalen Angeboten zielgruppengerecht an.

Weitere Informationen unter www.jointhebase.co/

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von CR Investment Management, TheBase
Erstveröffentlichung: The Property Post, August 2020

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