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Interview mit Maurice Grassau, CEO und Gründer von Architrave

Maurice Grassau, CEO, Architrave GmbH
Maurice Grassau

Die Klischeevorstellung von PropTechs umfasst kleine Unternehmen ohne Struktur, die viele gute Ideen, aber zugleich wenig Ahnung von der Immobilienwirtschaft haben. Unter den aktuell rund 300 deutschen PropTechs gibt es gleichwohl etablierte Player, die die großen Immobilienunternehmen zu ihren Kunden und Investoren zählen und dadurch Visionen für die gesamte Branche entwickeln können. Architrave zählt mit sieben Jahren Marktpräsenz und mittlerweile 100 Mitarbeitern zweifellos dazu. Im Interview berichtet Maurice Grassau, Gründer und CEO, über den Weg dorthin und seine Zukunftspläne.

The Property Post: Bei welchen Anforderungen kann die Digitalisierung der Immobilienbranche am stärksten helfen?
Maurice Grassau: Die Immobilienbranche – allen voran der Bereich des Asset Managements – ist gekennzeichnet durch den Umgang mit hohen Datenmengen. Das Ziel muss es sein, diese Daten akkurat und in Echtzeit zur Verfügung zu stellen, zu strukturieren und fehlerfrei in Prozesse einzubinden. Damit ist es aber nicht getan. Daten müssen auch über Unternehmensgrenzen hinaus ausgetauscht werden, um unternehmensübergreifende Prozesse zu ermöglichen. Zum Beispiel beim Erstellen und Austauschen von Exposés oder bei der Automatisierung von Rechnungsprozessen.

TPP: Wo liegen dabei die Schwierigkeiten?
MG: Zum einen sind viele Daten noch in Dokumenten „versenkt“. Diese müssen zunächst freigelegt, also gescannt oder ausgelesen werden. Reine Fleißarbeit, die aber getan werden muss und die weitere Digitalisierungsschritte überhaupt möglich macht. Darüber hinaus gibt es leider keine Standards für Datenformate und den Datenaustausch. Jedes Unternehmen verfährt noch nach seiner eigenen Logik und eigenen Anforderungen. Der gif e.V. leistet hier schon hervorragende Arbeit, bringt die Beteiligten an einen Tisch und stellt die Weichen für Datenstandards. Wir unterstützen dies in vollem Umfang und haben mit dem Real Estate Data Summit eine Initiative an den Start gebracht, die für diese Standards wirbt und auf deren Basis wirklich digitale Prozesse entwickelt.

TPP: Nach welchen Kriterien haben Sie bei der Unternehmensgründung 2013 entschieden, wie das Geschäftsmodell von Architrave aussehen soll?
MG:
Es gab innerhalb der Immobilien- und PropTech-Branche keine Erfahrungswerte, auf denen wir unsere Überlegungen hätten aufbauen können. Wir waren die ersten, die über den Transaktionsdatenraum hinaus eine KI-basierte Asset Management-Plattform angeboten haben. Mit unserem ersten Großkunden, der Union Investment, wussten wir gleichwohl, dass das Produkt echten Mehrwert bietet und im Einsatz skalierbar ist. Die Bedürfnisse unserer Kunden und ihr Feedback sind nach wie vor die Treiber für die fortlaufende Weiterentwickelung des Produktes zu einer branchenweiten Plattform.

TPP: Der Technologiewandel geht heute deutlich schneller voran als noch vor zehn Jahren. Wie stellen Sie sicher, auch in Zukunft als Technologieführer wahrgenommen zu werden?
MG:
Die Herausforderung für Architrave besteht darin, als verlässlicher, langfristiger und gleichzeitig agiler Partner wahrgenommen zu werden. Dazu braucht es langfristig gesicherte, finanzielle Mittel - vor allem um Produktentwicklung, Vertrieb und Support mit erfahrenen Profis adäquat voranzutreiben und auszubauen. Wir haben deswegen frühzeitig auf starke und verlässliche Partner mit strategischen Minderheitsbeteiligungen gesetzt. Mit dem Markt für den Markt. So wahren wir unsere vollständige operative Unabhängigkeit und können unsere Wachstumsstrategie finanziell abgesichert, inhaltlich zielgerichtet und mit Hochdruck fortführen.

TPP: Nach welchen Kriterien treffen Sie Ihre unternehmerischen Entscheidungen?
MG:
Entscheidend ist bei unseren strategischen Entscheidungen, einen langfristigen Mehrwert für Architrave zu erzielen, dabei aber immer flexibel und schnell auf Veränderungen des Marktes reagieren zu können. Die Eingliederung des Unternehmens Property Care beispielsweise, einem Scan-Dienstleister aus Dresden, folgt dieser Strategie. Jetzt können wir den vollständigen Prozess von der Digitalisierung eines Papierdokuments über die Inhaltsanalyse bis zur geordneten Ablage in der Architrave-Plattform aus einer Hand anbieten. Generell nehmen wir veraltete Prozesse unter die Lupe und gehen dahin, wo der Schmerz unserer Kunden sitzt. Als wir erfuhren, dass manche Asset Management Unternehmen jährlich bis zu 500.000 Dokumente erhalten, die manuell gesichtet, bewertet und abgelegt werden müssen, lag es nahe, diese ungeliebten Prozesse so weit wie möglich zu automatisieren. Das machen wir mit DELPHI, unserem KI-basierten Service, der die Arbeit für den Nutzer auf ein einfaches drag & drop reduziert.

TPP: Wie stellen Sie sicher, dass Sie das nötige Know-how im Unternehmen haben?
MG:
Im Zuge des Wachstums haben wir auch unsere Geschäftsführung erweitert. Zunächst mit dem Digitalisierungsexperten Dr. Philipp Päuser als COO und dann mit dem ehemaligen Airbus-Manager Rainer Ohst als CFO. Zuletzt haben wir Martin Rothenberger als neuen CTO verpflichtet. Er ist erfahrener Experte im Aufbau und vor allem auch in der Skalierung unterschiedlichster Entwicklerteams und Plattformlösungen. Er wird unserem schnell wachsenden Development-Team eine noch agilere und effizientere organisatorische Struktur geben. So bleiben wir auch in Zukunft optimal aufgestellt, um agil weitere Produkte mit dem Markt für dem Markt zu entwickeln. Durch gezielte Personalentwicklung sind wir mittlerweile auf rund 100 Mitarbeiter angewachsen, die an den drei Standorten Berlin, Dresden und Frankfurt a.M. beschäftigt sind. Das beträchtliche Unternehmenswachstum lässt uns bereits die nächsten Schritte planen – in Richtung einer internationalen Expansion.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Architrave GmbH
Erstveröffentlichung: The Property Post

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