The Property Post - Das Online-Meinungsportal für die deutsche Immobilienwirtschaft
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Keine Standards, keine Effizienz

Marko Broschinski spricht über die Hemmschuhe bei der Digitalisierung

Marko Broschinski, Diretor Sales, easol GmbH
Marko Broschinski

Der Immobiliensektor hat in der Digitalisierung und Standardisierung noch Nachholbedarf. Dies liegt auch daran, dass es der Branche (noch) zu gut geht. Vielerorts scheint der Druck, neue Lösungen voranzutreiben, noch zu gering zu sein. Im Interview mit TPP spricht Marko Broschinski, Diretor Sales, easol GmbH, über die Hemmschuhe bei der Digitalisierung und wie diese durch neue Ansätze überwunden werden können.

The Property Post: Ein großer Hemmschuh bei der Digitalisierung vieler Prozesse in der Immobilienbranche ist die mangelnde Standardisierung. Warum tut sich die Immobilienwirtschaft damit so schwer?
Marko Broschinski: Aus meiner Sicht hat das im Wesentlichen drei Gründe. Erstens hat sich der Immobiliensektor langfristig sehr positiv entwickelt, die Werte der Objekte sind in vielen Lagen gestiegen. Der Kostendruck, der die Digitalisierung vorantreiben würde, wirkt sich erst nach und nach auf viele Teile der Branche aus.

Zweitens steht das Thema Digitalisierung in der Immobilienbranche häufig noch am Anfang. Entgegen allen Beteuerungen werden Immobilien immer noch teilweise auf Basis von eher emotionalen Entscheidungen – und zu wenig auf Basis von belastbaren quantifizierbaren Daten – gekauft und verkauft. Es liegen – etwa im Gegensatz zu Wertpapieren – zu wenig langfristige und skalierbare Daten vor, aus denen sich bereits Muster für eine Standardisierung ableiten lassen würden.

Drittens befinden sich selbst digitalisierungsaffine Unternehmen noch in der Orientierungsphase. Sie haben also noch nicht definiert oder entschieden, welchen Weg sie gehen wollen. Grund dafür ist statistischen Angaben zufolge vielfach, dass zu wenig IT-Know-how vorhanden ist und Erfahrungswerte fehlen. Dadurch werden natürlich Entscheidungen erschwert und man bedient sich weiterhin der vorhandenen, personalintensiven Lösungen, die nicht selten EXCEL heißen. 

The Property Post: Wo sehen Sie vielversprechende Ansatzpunkte, die Standardisierung voranzutreiben?
Marko Broschinski: Grundsätzlich entstehen Standards entweder durch Einigung – zum Beispiel auf eine bestimmte Norm – oder sie setzen sich langfristig am Markt durch, weil sie im Wettbewerb die Gewinner sind. Im zweitgenannten Fall kann der Weg dahin für alle Unternehmen sehr kostenintensiv sein.

Ein alternativer Ansatz ist ein frühzeitiger Informationsaustausch. Daher ist meine Antwort darauf, dass Standardisierung im Community-Ansatz effizienter und effektiver von statten geht. Idealerweise setzen Experten sich zusammen und entwickeln gemeinsam neue Lösungen für aktuelle Herausforderungen und setzen diese gemeinsam um.

The Property Post: Sie bieten mit der easol solution eine ganzheitliche IT-Lösung für die Immobilienbrache. Was ist das wirklich Neue am Geschäftsmodell der easol?
Marko Broschinski: Zwei Aspekte sind neu. Erstens kombiniert die easol solution marktführende Lösungen aus dem Asset-, Portfolio- und Property-Management incl. Schnittstellenverbindungen – namentlich sind das bison.box, SAP und iX Haus. Daneben sind sinnvolle, innovative PropTech-Lösungen angebunden. Die easol-Kunden haben zudem den Vorteil, Preisvorteile nutzen zu können durch Mengen- und Skalierungseffekte, die wir erreichen können. Zweitens ist der Community Ansatz, der der Plattform zu Grunde liegt, wirklich neu. 

The Property Post: Was verbirgt sich hinter diesem Ansatz?
Marko Broschinski: Eine Gruppe ist langfristig intelligenter als ein einzelner. Der Informationsaustausch und die Diskussion zwischen Profis aus dem Real-Asset-Investment-Sektor erleichtert, fördert, systematisiert und priorisiert die Ideenfindung. Die Umsetzung der Ideen ist nur ein Mal für die gesamte Community notwendig. Wichtige Skaleneffekte sind – neben Rabatten bei den Softwareherstellern – auch die lediglich einmal anfallenden Projektkosten.

The Property Post: Sie sind mit Ihrem neuen Unternehmen seit rund vier Monaten am Markt. Wie ist die Resonanz bislang?
Marko Broschinski: Wir verzeichnen reges Interesse, haben inzwischen vier Unternehmen vertraglich angebunden, zwei weitere stehen kurz vor dem Abschluss. Damit hätten wir bis heute noch nicht gerechnet. Man könnte es auch auf die Spitze treiben und sagen, der Markt hat auf die easol solution gewartet, weil sie durch bereits vorhandene Standards ohne individuelle und kostenintensive Anpassungen nebst deren vorheriger Definition funktioniert. Unterstützend wirkt das zunehmende Umdenken in der Branche: Wie die aktuelle, vierte Digitalisierungsstudie des ZIA zeigt, investieren heute 25 Prozent der Immobilienunternehmen bereits mehr als fünf Prozent ihres Jahresumsatzes in Digitalisierungsmaßnahmen. Vor einem Jahr waren es gerade einmal 15 Prozent der Immobilienunternehmen.

The Property Post: Mit welchen Erwartungen fahren Sie zur Expo Real 2019?
Marko Broschinski: Die Expo Real wird den Bekanntheitsgrad der easol und der easol solution deutlich erhöhen, ich erwarte, dass wir weitere Kunden gewinnen werden. Wir haben bereits viele Termine vereinbart. Wir sind mit unseren Partnern auf einem Stand – A3.110 – gemeinsam vertreten. Zudem stellen wir uns in einer Paneldiskussion am 7. Oktober um 13:00 Uhr in Halle B1 im Konferenzraum B 12 einer kritischen Diskussion zu unserem Ansatz. Weitere Informationen hier!

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von easol GmbH
Erstveröffentlichung: The Property Post, September 2019

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