The Property Post - Das Online-Meinungsportal für die deutsche Immobilienwirtschaft
Das Online-Meinungsportal für die deutsche Immobilienwirtschaft

„Nur eine Delle“

Dr. Ulrich Schückhaus über die Rolle der Stadtentwicklung für die Krisenfestigkeit von Standorten.

Dr. Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer der WFMG Wirtschaftsförderung Mönchengladbach GmbH und der EWMG Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach mbH.,
Dr. Ulrich Schückhaus

The Property Post: Welche akuten Folgen hat die Corona-Pandemie für die Mönchengladbacher Immobilienmärkte?

Ulrich Schückhaus: Dank der stabilen Nachfrage übersteht der Wohnungsbau die Krise unbeschadet. Die Nachfrage nach Baugrundstücken ist ungebrochen. Auch der Bau von Gewerbeflächen schreitet unvermindert voran – auch hier verzeichnen wir eine stabile Nachfrage. Das gilt auch für die Nachfrage nach Büroflächen für die eigene Nutzung. Beim Bau von Büroflächen zur Vermietung kann es zu Verzögerungen kommen – einen dauerhaften Einbruch erwarten wir aber auch in diesem Segment nicht. Deutlich schwieriger ist die Situation im Einzelhandel – diesbezüglich unterscheidet sich Mönchengladbach nicht von anderen Standorten.

TPP: Die Stadt- und Standortentwicklung ist in der Regel von langfristigen Strategien und Projekten geprägt. Konnten EWMG und WFMG auch kurzfristig auf die neue Lage reagieren?

US: Dort, wo die Entwicklungsgesellschaft in der Vermieterrolle ist, haben wir im Bedarfsfall Mieten gestundet und individuelle Vereinbarungen zur Überbrückung der Krise gefunden. Davon betroffen sind insbesondere Handelsflächen.

TPP: Wird Corona die Stadtentwicklung verändern?

US: Die Innenstädte werden weniger stark vom Handel geprägt sein als bislang. Überleben werden vor allem Formate, die einen Mehrwert gegenüber dem Online-Handel bieten können – Stichwort: Einkaufserlebnis und Beratung. Die Aufgabe der Stadtentwicklung wie auch der Wirtschaftsförderung ist es, Städte widerstandsfähig gegen unerwartet auftauchende Krisen zu machen, denn voraussagen lassen sich Ereignisse wie die Corona-Pandemie nicht.

Resilienz erreichen wir auch durch langfristige Entwicklungsstrategien. Dabei liegt der Fokus auf digitalen Geschäftsmodellen und zukunftsweisenden Mobilitätsstrategien: Projekte wie der Innovationsflughafen mit dem Forschungsprojekt Sky Cab und der geplante Wissenscampus machen Mönchengladbach fit für die Zukunft. Wichtig ist aber auch die Fähigkeit, kurzfristig auf neue Entwicklungen reagieren zu können. Mönchengladbach wird die Krise meistern, da bin ich mir sicher.

TPP: Wie wird das im Detail gelingen?

US: Wir nutzen Corona als Initialzündung für digitale Projekte wie z.B. den Fashion Micro Hub, der den stationären und Onlinehandel miteinander verzahnt und so auch den innerstädtischen Einzelhandel stärken soll. Entscheidend bei allen Maßnahmen ist das koordinierte Zusammenwirken städtischer und privater Akteure, mit dem wir positive Rahmenbedingungen für Investitionen schaffen. Das A und O ist dabei die langfristig angelegte Liegenschaftsstrategie. Durch strategische Ankäufe und ein dynamisches Portfoliomanagement gestalten wir aktiv Standorte. Und bereiten so den Boden für private Projekte und Investments, die wiederum dem Standort Mönchengladbach als Ganzes zugute kommen. Natürlich werden wir eine Corona-Delle sehen, aber danach wird sich das Wachstum von Einwohnerzahlen und Arbeitsplätzen stabil fortsetzen.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von WFMG Wirtschaftsförderung Mönchengladbach GmbH, EWMG Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach mbH
Erstveröffentlichung: The Property Post, Juni 2020

Konversation wird geladen