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26.07.2021

Alter ist keine Krankheit

Alexander Lackner, Geschäftsführer, neworld
Alexander Lackner

Obwohl inzwischen gut 22 Prozent der Deutschen das 65. Lebensjahr überschritten haben, sind Senioren städtebaulich und wohnungswirtschaftlich noch immer nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Altenheime und Residenzen werden oft in Stadtrandlagen hinter Zäunen, Mauern und Parks versteckt. Viele Senioren wollen jedoch weiter am Leben teilhaben. Silver Ager verkaufen ihre Eigenheime, um in der Innenstadt zu wohnen und selbst in Co Living-Projekten finden sich ältere Nutzer ein.

Zugleich nimmt das Angebot an Wohnformen mit Betreuung, etwa Care Living, Serviced Apartments, Betreutes Wohnen, Wohnen Plus oder Service Wohnen, stetig zu. Dabei geht es zum einen darum, die Älteren wieder in die Städte zu holen und damit auch altersbezogen gemischte Quartiere zu schaffen. Zum anderen soll das Alter entpathologisiert werden. Auch Pflegebedürftige sollen möglichst lang in ihrer gewohnten Umgebung leben und am Alltag teilhaben können. Das kann gelingen, wenn sich beispielsweise der Markt oder das Restaurant in unmittelbarer Nachbarschaft zur Wohnung oder besser noch gleich im Erdgeschoss des Hauses befinden. Begegnungen mit Jüngeren finden dann nicht mehr in sterilen Cafeterien, sondern an wahrhaft gastlichen Orten statt.

Auf anderer Ebene weisen hybride Wohn- und Betreuungsangebote aktuell noch ein deutliches Kategorisierungsdefizit auf. Denn welche Abrechnungsmodelle, Serviceleistungen und Pflegeleistungen aus den jeweiligen Gesamtpaketen hervorgehen, ist häufig unklar. Das führt zu falschen Wahrnehmungen und Erwartungshaltungen bei potenziellen Bewohnern, die keine Vergleichbarkeit haben. Aber auch auf Entwickler- und Investorenseite gibt es häufig missverständliche Auffassungen auf baulicher wie auf wirtschaftlicher Ebene. Ziel einer Standardisierung und Regulierung sollte eine Vergleichbarkeit von Wohn- und Serviceangeboten sein. Umfang der Service- und Wohnpakete und Zimmerausstattungen sowie die Frage, was im Grundpreis inkludiert und was zusätzlich kostenpflichtig angeboten wird. Die Differenz zwischen Kaltmiete und zusätzlich monatlich anfallenden Fixkosten sollte transparent vergleichbar sein.

Die Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung hat unter diesem Gesichtspunkt bereits ein Klassifizierungssystem zur Beurteilung von Angeboten des Servicewohnens für Senioren veröffentlicht. Aber das hat sich bislang nur bedingt in der Immobilienbranche und leider gar nicht in der Produktvermarktung der Verpächter durchgesetzt.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von neworld
Erstveröffentlichung: Immobilien Zeitung, Juli 2021

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