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Impact Investing: mehr als ESG

Noch fehlen allerdings die passenden KPI.

Dr. Andreas Muschter, Mitglied des Vorstands, Zech Group SE
Dr. Andreas Muschter

Die Europäische Union drängt auch Immobilienakteure dazu, nachhaltiger, sozialer und transparenter zu agieren, und das dauerhaft. Das war überfällig: In den USA und auch in Großbritannien ist die Real Estate-Industrie in Punkto Nachhaltigkeit weiter als wir. Die in der EU-Taxonomie angelegte Verknüpfung von nachhaltigen, sozialen und Governance-Kriterien entspricht den Anforderungen, die die Gesellschaft berechtigter Weise an die Immobilienbranche stellt. Mit der ESG-Taxonomie geht die EU also einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Der zweite, der nun folgen muss, ist das Impact-Investment.

Warum ist das so? Die ESG-Kriterien sorgen vor allem dafür, negative Folgen des Bauens und Investierens zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Impact Investments versuchen als logische Weiterentwicklung dieses Ansatzes, positive Wirkungen zu erzielen. Und das nicht nur für die am wirtschaftlichen Erfolg von Entwicklungen und Transaktionen Beteiligten, sondern für möglichst viele Stakeholder. Positiv wirkt beispielsweise eine Quartiersentwicklung, die ökologisch vorbildlich ist, zumindest teilweise bezahlbaren Wohnraum und altengerechte Angebote vorhält, für Familien und Kinder attraktiv ist und gesellschaftliche Randgruppen nicht vergisst – bis hin zum Obdachlosenheim.

Die ESG-Kriterien schreiben eine sparsamere Nutzung mit natürlichen Ressourcen vor. Dem Impact Investor reicht das nicht aus. Der Umgang mit diesen Ressourcen muss so schonend wie möglich sein, bis hin zum „Cradle to Cradle“ genannten Prinzip der Kreislaufwirtschaft.

Chance, nicht Verzicht

Viele in unserer Branche fürchten, dass solche Anforderungen die oft schon ohnehin schmalen Renditen weiter nach unten drücken. Wir sollten die Debatte darum aber nicht unter dem Vorzeichen des Verzichts führen, sondern unter dem der Chance. Denn selbstverständlich werden wir weiterhin gutes Geld verdienen. Und es geht auch nicht nur darum, dass immer mehr Investoren Fonds und Objekte nicht mehr akzeptieren, wenn von diesen keine positive Wirkung auf die Gesellschaft ausgeht.

Impact Investment ist aber mehr als die Erfüllung dessen, was Investoren fordern werden. Es wird Allianzen und Opportunitäten eröffnen, die ohne diesen Ansatz nicht möglich wären. Beispielsweise vergeben viele Kirchen ihre Grundstücke ausschließlich in Erbpacht, um sie vom Markt fernzuhalten. Impact Investors können gemeinsam mit diesen Grundstückseigentümern Objekte und Quartiere schaffen, die der Gesellschaft zugute kommen und Rendite einbringen.

Diese werden vermutlich in den meisten Fällen unter dem liegen, was die Branche gewohnt ist. Deshalb müssen wir für diese positiven Wirkungen Kennziffern entwickeln, die man der reinen Cash-Rendite zurechnen kann. Diese KPI (Key Performance Indicators) müssen messbar und belastbar sein, damit sich Impact Investments klar von solchen unterscheiden lassen, die ihre nur kurzfristige Gewinnabsicht hinter Tricks aus der Green-Washing-Kiste zu verbergen suchen.

Genau dafür steht die Initiative Social Impact Investment der ICG (Institut für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft). Die Initiative wird derzeit von 16 namhaften Immobilienunternehmen unterstützt. Die Initiative hat aktuell einen Leitfaden zum Impact Investment in Real Estate veröffentlicht. Der Leitfaden kann unter https://icg-institut.de/social-impact-investment/leitfaden/ heruntergeladen werden. Der ICG-Arbeitskreis zur Erstellung des Leitfadens wurde von Dr. Andreas Muschter geleitet.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Zech Group SE
Erstveröffentlichung: The Property Post, Januar 2021

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