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Mehr Home, weniger Office?

Homeoffice verändert vor allem die Wohnungsnachfrage

Rainer Schorr, Geschäftsführer, PRS Family Trust GmbH
Rainer Schorr

Ein Virus verändert die Arbeits- und Lebenswelt. 73 Prozent der Unternehmen, die in der Pandemie verstärkt auf das Arbeiten von zu Hause setzen, planen künftig mehr davon anzubieten, wie eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts unter knapp 800 Personalleitern ergab. Der Trend zu mehr Homeoffice dürfte vor allem die Wohnungsnachfrage verändern. Bei vergleichsweise hoher Wohnkostenbelastung in der Stadt und demzufolge großem Preisgefälle ins benachbarte Umland, werden angrenzende Regionen für viele Menschen als Wohnort attraktiver. Aufwendungen für eine erhöhte Pendelzeit gehen zurück, weil viele nur noch an drei statt an fünf Tagen ins Büro fahren. Hinzu kommt, dass sich die Wohnwünsche ändern dürften: Ein Arbeitszimmer, ein Garten oder eine Terrasse lassen sich in den meisten Umlandgemeinden leichter realisieren als in der Stadt.

Die Wohnungsnachfrage um Städte wird jedoch nicht gleichmäßig wachsen. In Industriestädten wird das Homeoffice eine geringere Rolle spielen als an Dienstleistungsstandorten. Bürojobs lassen sich leicht von zu Hause erledigen, während bei allem, was mit Produktion zu tun hat, Anwesenheit erforderlich bleibt. Angesichts des hohen Anteils an Büro- und Dienstleistungsjobs gebe es viel Potenzial für eine Verschiebung der Wohnungsnachfrage in Berlin, München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt sowie in Darmstadt, Münster, Jena und Dresden.

Wenn sich das Homeoffice durchsetzt, brauchen die Menschen allerdings Platz für ein Arbeitszimmer. Das schmälert die Vorteile niedrigerer Mieten oder Kaufpreise auf dem Land, könnte aber auch steuerlich geltend gemacht werden. Denn Homeoffice kompensiert nicht den Bedarf an Büroflächen. Der persönliche Kontakt im Büro stiftet Gemeinsinn und Identifikation mit dem Arbeitgeber. Zudem ist durch das Büro die Stellung der Mitarbeiter im Unternehmen auch räumlich definiert. Besonders Aufstiegswillige und Führungskräfte werden sich diese Distinktionsmöglichkeit kaum nehmen lassen.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von PRS Family Trust
Erstveröffentlichung: DLE-Blog, August 2020

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