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Starten statt implementieren

Digitalisierungsschub braucht begeisterte Nutzer

Nessim Djerboua, Co-founder & CEO, EverReal GmbH
Nessim Djerboua

In diesen Wochen wird viel über einen von der Coronakrise ausgelösten Digitalisierungsschub in der Immobilienwirtschaft diskutiert und auch darüber, wie viel davon längerfristig übrigbleiben wird. Sicherlich haben die Coronapandemie und die zu ihrer Abwehr eingeleiteten Maßnahmen in vielen Unternehmen zu einer verstärkten Nutzung digitaler Möglichkeiten geführt, doch von einem Digitalisierungsschub sollte dabei nur mit allergrößter Vorsicht gesprochen werden. Denn mittels Laptop, Handy, E-Mail und vielleicht noch per Videochat im Homeoffice zu arbeiten, stellt in den meisten Fällen lediglich eine Verlagerung herkömmlicher Bürotätigkeiten mit verstärkter Nutzung moderner Kommunikationsmittel dar, aber keine echte Digitalisierung betrieblicher Prozesse.

Dass der Wechsel ins Homeoffice und der gesteigerte Einsatz von IT und Kommunikationstechnik in vielen Unternehmen gut funktioniert haben, ist aber in jedem Fall ein positives Signal. Denn es zeigt, dass die Vorbehalte und Schwierigkeiten der Beschäftigten in diesem Bereich weitaus weniger ausgeprägt zu sein scheinen, als mitunter angenommen. Das deckt sich auch mit den Erfahrungen, die wir in den vergangenen zweieinhalb Jahren seit dem Marktstart von EverReal immer wieder bei unterschiedlichsten Kunden machen: Die Bereitschaft zur Digitalisierung und zum Arbeiten mit neuen Tools ist oft größer als erwartet – und die Reaktionen auf die Einführung nahezu komplett digitalisierter Prozesse – beispielsweise bei der Vermarktung von Wohnungen – sind sehr positiv. Damit sind nicht nur die von der jeweiligen Unternehmensführung registrierten Produktivitätssteigerungen und Kostenersparnisse gemeint, sondern vor allem auchh die oftmals geradezu begeisterten Reaktionen derjenigen, die von zeitraubenden, repetitiven Arbeitsschritten entlastet werden, mehr Zeit für wichtige Kundengespräche gewinnen und bei alledem noch eine neue Freude an ihrer Arbeit entdecken.

Damit der „Spaßfaktor“ in der Praxis auch wirklich zum Tragen kommt, müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein. Langwierige IT-Projekte mit wochen- oder monatelangen Implementierungsphasen und aufwendigen Schulungen sorgen nicht gerade für Begeisterung. Stattdessen erwarten immer mehr Beschäftigte auch an ihrem Arbeitsplatz, was sie privat schon lange praktizieren. Eine neue App soll her? Dann wird sie einfach installiert und verwendet. Die Bedienung funktioniert in den meisten Fällen intuitiv oder mithilfe weniger Tipps von anderen Nutzern, und oft ist eine unkomplizierte Verbindung mit anderen Apps möglich. Ist es eigentlich Zufall, dass allein schon das Wort „implementieren“ deutlich länger und umständlicher klingt als „loslegen“ oder „starten“? Wer hofft, dass die Offenheit für neue Technologien und die Begeisterung für die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft auch bis weit über die Coronakrise hinaus anhalten, kommt an den drei Kernanforderungen schnelle Anwendbarkeit, intuitive Bedienung und Flexibilität im Hinblick auf die Anbindung an andere Softwarelösungen nicht mehr vorbei.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von EverReal GmbH
Erstveröffentlichung: The Property Post, Juni 2020

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