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Warum es oft nicht matcht

Nils-Peter Petersen, Geschäftsführer, ALBA Facility Solutions
Nils-Peter Petersen

Kein Zweifel, viele Immobilienunternehmen hätten sich in der Vergangenheit mehr Gedanken über das Thema Digitalisierung machen sollen. Die oft beschriebenen Defizite der Branche führen bei vielen PropTechs nun zu der Erwartung, dass sich mittels ihrer Lösungsvorschläge eine deutliche Effizienzsteigerung, wenn nicht gar das Optimum der Wertschöpfung, erreichen lässt. Das Problem: Neben der korrekten Softwareanwendung soll für das versprochene Ergebnis oftmals eine Anpassung der Unternehmensprozesse an die Architektur eines Computerprogramms erforderlich sein.

Das Scheitern in der Praxis ist dabei teilweise bereits programmiert. Denn zwar sind auch große Firmen zu einer Überprüfung ihrer Prozesse bereit, wobei sie nicht selten auf erhebliche Effizienzpotenziale und ungenutzte Ressourcen stoßen. Häufig gibt es aber gute Gründe, warum Planungs- oder Bewirtschaftungsvorgänge in der bewährten Form organisiert worden sind. Der Ablauf eines Arbeitstages, die Fahrtrouten, die Bedürfnisse von Kolleg*innen, Dienstleistern und Kunden sowie die Tücken des Alltags bis hin zu den Unwägbarkeiten der Witterung oder des Materials haben sich vielen Routinen eingeschrieben. Hinzu kommen zur Zeit Hygiene- und Abstandsregeln die mit den Abläufen konform gehen müssen.
Eine digitale Lösung, die bei der Implementierung nicht nur auf Potenziale, sondern auch auf Widerstände stößt, sollte daher auch immer hinterfragt und vom Anbieter nach hinreichender Prüfung an die jeweiligen Ansprüche angepasst werden können. Denn nur sukzessive wird man sich gemeinsam dem optimalen Prozess annähern können. Die Mehrzahl der in Deutschland tätigen PropTechs zeigt bei der Annäherung an bestehende operative Abläufe jedoch nur eine geringe Matching-Kompetenz. Die Startups kommen von der Software. Die Singularität, Komplexität und die lange Lebensdauer von Immobilien sind für sie Herausforderungen, denen sie sich über Abstraktion, Vereinfachung und Standardisierung anzunähern versuchen. Das kann gelingen – muss aber nicht. 

Alternativ zu einer mühsamen Anbietersuche können sich Immobilienunternehmen auch selbst in die Softwareentwicklung einbringen. Dabei können sie heute auf Standardsoftware zurückgreifen, die sich mit professioneller Expertise an die eigenen Anforderungen anpassen lässt. Die dann Schritt für Schritt wachsenden Lösungen sind im Ergebnis oft effizienter, robuster und anpassungsfähiger als die externen Wunderwerke. Sie ermöglichen ein organisches Wachstum, für das man sich nicht verbiegen muss. Und sie bieten in der Regel viele Schnittstellen – so dass man dank der Standards auch anschlussfähig für die Zukunft bleibt.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von ALBA Facility Solutions
Erstveröffentlichung: Immobilien Zeitung vom 17.9.2020

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