The Property Post - Das Online-Meinungsportal für die deutsche Immobilienwirtschaft
Das Online-Meinungsportal für die deutsche Immobilienwirtschaft

EVIC-Expertentalk 2019

Deutschland bleibt Investor‘s Darling

Katrin Lemcke-Kamrath, Senior Kommunikationsberaterin, RUECKERCONSULT GmbH
Katrin Lemcke-Kamrath

Die konjunkturelle Abkühlung sowie zunehmende politische Regulierungen wirken sich bislang kaum auf den deutschen Immobilienmarkt und die Investorenstimmung aus. So sehen Branchenexperten aktuell über alle Assetklassen hinweg keine grundsätzliche Trendwende. Auch ein Ende des Immobilienbooms wird nicht prognostiziert. Aufgrund steigender Produktknappheit und weiter anziehender Immobilienpreise suchen Anleger aber nach alternativen Investmentmöglichkeiten in Deutschland oder weichen ins europäische Ausland aus. Das ist die Quintessenz des Expertentalks der Engel & Völkers Investment Consulting (EVIC) zum Thema „Immobilieninvestmentmarkt: Safe Haven Germany am Ende? Welche Investmentstrategien verfolgen institutionelle Anleger?“, der im Rahmen der Expo Real in München stattfand. Dabei diskutierten sechs Vertreter aus der Immobilienwirtschaft die strategische Ausrichtung institutioneller Investoren auf dem deutschen Immobilienmarkt.

Personen auf dem Foto v.l.n.r.: Nikolaus von Raggamby (RUECKERCONSULT), Kai Wolfram (Engel & Völkers Investment Consulting), Thomas Wiegand (Cerberus Deutschland Beteiligungsberatung), Dr. Christoph Schumacher (Credit Suisse Asset Management (Schweiz)), Thomas Landschreiber, (CORESTATE Capital Group), Andreas Steyer (CONSUS Real Estate), Andreas Ewald (Engel & Völkers Investment Consulting).

Neben den Gastgebern Kai Wolfram und Andreas Ewald, Geschäftsführende Gesellschafter der EVIC, diskutierten Thomas Landschreiber, Chief Investment Officer der CORESTATE Capital Group, Andreas Steyer, Chief Executive Officer der CONSUS Real Estate AG, Dr. Christoph Schumacher, Head of Global Real Estate der Credit Suisse Asset Management (Schweiz) AG, sowie Thomas Wiegand, Managing Director der Cerberus Deutschland Beteiligungsberatung GmbH auf dem Podium des Expertentalks, das von Nikolaus von Raggamby, Vorsitzender der Geschäftsführung der RUECKERCONSULT GmbH, moderiert wurde.

Andreas Ewald, Geschäftsführender Gesellschafter der EVIC: „Der Investmentmarkt ist trotz der aufkommenden wirtschaftlichen Eintrübung und der zunehmenden regulatorischen Maßnahmen weiterhin stabil. Dennoch beobachtet die Mehrheit der Investoren die aktuelle Konjunkturentwicklung und das Zinsumfeld sehr genau. Auf der Suche nach alternativen Anlagemöglichkeiten stehen die Zeichen weiter auf Ankauf. Auch wenn das Transaktionsvolumen vermutlich nicht den Wert des Vorjahres erreichen wird, liegt das nicht an einem nachlassenden Käuferverhalten, sondern schlicht an der nach wie vor marktbestimmenden Angebotsknappheit, die sich mittlerweile auch in B-Städten abzeichnet.“

Kai Wolfram, Geschäftsführender Gesellschafter der EVIC, ergänzt: „Aufgrund des Angebotsmangels und der weiter steigenden Immobilienpreise vor allem in den Segmenten Wohnen und Büro planen viele Marktteilnehmer höhere Investitionen außerhalb der etablierten Ballungszentren. Die Produktknappheit lässt außerdem immer mehr Investoren auf Mischnutzungs- und neue Konzepte ausweichen. Andere wiederum verschieben ihr Risikocluster weiter zu core+ oder Value-Add. Allerdings bietet das aktuelle Marktumfeld für die meisten Anleger keinen Anlass, darüber nachzudenken, die Investmentstrategie durch eine Verlagerung von Immobilien in andere Anlagemöglichkeiten anzupassen.“

Andreas Steyer, Chief Executive Officer der CONSUS Real Estate AG, kommentiert die Frage nach der Verlagerung in andere Assetklassen: „Als Projektentwickler sind wir auf Wohnungsbau und Quartiersentwicklung spezialisiert. Eine Verlagerung in andere Assets kommt für uns nicht infrage. Gerade in den großen deutschen Metropolen sehen wir auch in den kommenden Jahren einen sehr großen Bedarf – vor allem bezahlbarer Wohnraum wird eine wachsende Nachfrage erfahren. Denn seit Jahren steigen die Einwohnerzahlen in den Top-9. Allein Berlin wächst jedes Jahr um rund 40.000 Menschen. Zu unseren Projektentwicklungen gehören auch Gewerbeeinheiten, aber mehr als 60 Prozent sind und bleiben Wohnungsbau in Großstädten. Wir investieren zwar vereinzelt auch in aussichtsreichen B-Städten, so zum Beispiel jüngst in Karlsruhe. Schwerpunkt bleiben aber Investments in den Top-9.“

Die CORESTATE Capital Group ist europaweit und vor allem im Bereich Mischnutzungs- und neue Konzepte tätig. Thomas Landschreiber, Chief Investment Officer der CORESTATE Capital Group, bestätigt eine hohe Development-Pipeline insbesondere bei neuen Nutzungsformen wie Serviced Apartments, Mikroapartments sowie studentischem Wohnen und erläutert: „In Deutschland investieren wir zunehmend in Serviced Apartments. Diese Mischnutzungsform ist deshalb besonders interessant für Investoren, weil sie gewerblich und nicht von Mietregulierungen betroffen ist. In diesem Segment werden wir auch in den kommenden Jahren wachsen. Wir konzentrieren uns auf die deutschen Top-7, weil hier insbesondere für die Assetklasse Micro Living die größte Lücke zwischen Angebot und Nachfrage besteht. Büroinvestments wiederum sind insbesondere in Berlin spannend, weil die Hauptstadt nicht industrieabhängig ist und die aktuelle wirtschaftliche Eintrübung hier später ankommen wird als an Standorten mit ausgeprägter Industrielandschaft.“

Dr. Christoph Schumacher, Head of Global Real Estate der Credit Suisse Asset Management (Schweiz) AG, ergänzt: „Auch wir beobachten die konjunkturelle Entwicklung natürlich sehr genau und sehen für den deutschen Immobilienmarkt mehr Zurückhaltung aus der Schweiz. Das Immobilienpreisniveau in Deutschland hat deutlich angezogen, und nicht bei jeder Preisvorstellung können wir aufgrund unserer Bewertung mitgehen. Auf dem deutschen Markt liegt unser Fokus, anders als in der Schweiz, nicht im Wohnsegment. Wir investieren hier vor allem in der Assetklasse Büro, und mit Blick auf nach wie vor niedrige Leerstandsquoten sehen wir dort weiterhin großes Potenzial. Was die Renditeerwartung angeht, sind Institutionelle aus der Schweiz, von einem anderen Niveau kommend und mit Negativzinsen erfahren, durchaus moderater und operieren mit geringeren Kapitalerträgen. Ich glaube, dass wir uns insgesamt auf niedrigere Renditen einstellen müssen.“

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Engel & Völkers Investment Consulting GmbH
Erstveröffentlichung: Pressemitteilung, Oktober 2019

Konversation wird geladen