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18.01.2023

CEO Survey

Deutsche Unternehmen schalten in den Krisenmodus

Erscheinungstermin: Januar 2023

Herausgeber: Ernst & Young

Energiekrise, Inflation, Lieferkettenprobleme, eine drohende Rezession? Wie ist angesichts dieser herausfordernden Gemengelange die Stimmung in den Chefetagen der großen Wirtschaftskonzerne? Wie schätzen sie die Wirtschaftslage ein? Was sind die größten Risiken für die Unternehmen? Und wie bereiten sie sich darauf vor? Diesen Fragen ist EY im Rahmen des aktuellen „CEO Survey“ nachgegangen. Basis der Studie ist eine Umfrage unter 1.200 Vorstandsvorsitzenden in Großunternehmen weltweit, davon 100 in Deutschland.

Während die Pandemie und die weltweiten Lieferkettenunterbrechungen für deutsche Unternehmenslenker an Schrecken verlieren, entwickeln sich nun die hohe Inflation und die Konjunkturschwäche zu den Hauptsorgen der Manager. Die Reaktion darauf besteht in deutschen wie in ausländischen Firmen zunehmend aus Kostensenkungsmaßnahmen – die auch beim Personal nicht Halt machen. Sowohl weltweit als auch in Deutschland planen 36 Prozent der Großunternehmen Umstrukturierungen bzw. Einschnitte bei der Beschäftigung. Jedes vierte deutsche Unternehmen (weltweit: 28 Prozent) hat vor, Lohnerhöhungen auszusetzen – trotz Rekord-Inflation. Und 27 Prozent der Unternehmen in Deutschland und 25 Prozent der Unternehmen weltweit planen einen Einstellungsstopp.

Weltweit geht jedes zweite Unternehmen von einem starken Abschwung im Jahr 2023 aus, in Deutschland liegt der Anteil sogar bei 57 Prozent. Gleichzeitig gehen in Deutschland gerade einmal 14 Prozent der Befragten davon aus, dass sich die konjunkturelle Lage schon kurzfristig – also etwa zur Jahresmitte – wieder verbessern wird. Weltweit liegt der Anteil mit 12 Prozent sogar noch etwas niedriger. Die Top-Manager rechnen zwar mit einer schwachen Konjunkturentwicklung, es wird wohl aber eher zu einem Soft Landing der Wirtschaft kommen und nicht zu einem abrupten Einbruch.

Die größten Sorgen bereiten den CEOs von deutschen Großunternehmen aktuell die hohe Inflation und die stark gestiegenen Einkaufspreise – 40 Prozent bezeichnen diesen Faktor als großes Risiko für die Entwicklung des eigenen Unternehmens. Die hohen Zinsen und entsprechend steigende Kapitalkosten belegen mit 39 Prozent im Sorgenranking deutscher Top-Manager den zweiten Platz.

An Bedeutung verloren hat hingegen aus Sicht der Unternehmenslenker die Corona-Krise: Der Anteil der deutschen CEOs, die die Pandemie und daraus resultierende Lieferkettenunterbrechungen als großes Risiko für das eigene Unternehmen bezeichnen, sinkt gegenüber August 2022 deutlich von 52 auf 31 Prozent. Das Problem mit den Lieferketten scheint überwunden. Viele Unternehmen haben sich neu sortiert und sind heute deutlich weniger anfällig. Es kommt es pandemiebedingt nur noch zu einzelnen Ausfällen, sodass sich beim Lieferkettenthema die Entspannung 2023 fortsetzen dürfte.

Gleichzeitig drohen jedoch neue Probleme aufgrund der von vielen befürchteten weltweiten Rezession. 2022 lief es für viele Unternehmen erstaunlich gut. Sie konnten die hohen Einkaufspreise an die Kunden weitergeben und profitierten in vielen Bereichen davon, dass die Nachfrage stärker war als das Angebot. Viele CEOs fürchten jedoch, dass sich das Blatt im kommenden Jahr wenden wird. Wenn Kaufkraftverluste und Zukunftssorgen bei den Verbrauchern zu Kaufzurückhaltung führen, drohen Überkapazitäten und Preisschlachten. Dann sind die derzeit noch hohen Margen schnell Makulatur. Darauf richten sich viele Unternehmen jetzt ein.

So haben Kostensenkungen bei 61 Prozent der deutschen Unternehmen im kommenden Halbjahr hohe Priorität – weltweit liegt der Anteil mit 54 Prozent niedriger. Das bedeutet offenbar auch, dass es Einschnitte bei der Beschäftigung geben kann: Sowohl in Deutschland als auch weltweit planen 36 Prozent der Unternehmen eine Umstrukturierung oder Reduzierung des Personalbestands. Dass es deshabl zu großen Entlassungswellen kommt, ist unwahrscheinlich. Die Erfahrung hat gezeigt, dass in Aufschwungphasen wieder Fachkräfte händeringend gesucht werden, daher werden die Konzerne alles tun, um ihre Belegschaft möglichst stabil zu halten.

Trotz neuer Sparanstrengungen stehen Zukunftsinvestitionen weiterhin weit oben auf der Agenda deutscher CEOs: So sagt jeder zweite befragte deutsche CEO (49 Prozent, weltweit 54 Prozent), dass die Fortsetzung der digitalen und technologischen Transformation hohe Priorität habe.

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