Langfristige Widerstandsfähigkeit von Portfolios rückt in den Fokus
Erscheinungstermin: Mai 2026
Herausgeber: UBS
Die weltweiten Kapitalmärkte stehen weiterhin unter dem Einfluss geopolitischer Spannungen, steigender Staatsverschuldung und struktureller wirtschaftlicher Veränderungen. Für große Vermögensinhaber gewinnt deshalb die Frage an Bedeutung, wie Portfolios langfristig widerstandsfähig aufgestellt werden können. Dies betrifft nicht nur die Allokation von Kapital, sondern auch regionale Schwerpunkte, Währungsrisiken und die Organisation von Vermögensstrukturen. Antworten auf diese Fragen liefert der „Global Family Office Report 2026“ von UBS, der die Einschätzungen von 307 Family Offices aus über 30 Ländern mit einem durchschnittlichen Familienvermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar auswertet. Im Fokus stehen die Entwicklung der strategischen Asset Allocation, die Bedeutung von Immobilien und alternativen Anlagen, regionale Investitionspräferenzen, Währungsstrategien sowie die Rolle von KI, Governance und Nachfolgeplanung.
Geopolitische Risiken bestimmen die strategische Ausrichtung
Family Offices sehen geopolitische Konflikte inzwischen als das größte Risiko sowohl für die kommenden zwölf Monate als auch für die nächsten fünf Jahre. Gleichzeitig wachsen die Sorgen über eine mögliche Schuldenkrise und eine globale Rezession. Die Folge ist keine kurzfristige Flucht aus den Märkten, sondern eine langfristige Anpassung der Portfolios an ein Umfeld dauerhaft erhöhter Unsicherheit. Besonders wichtig werden geografische Diversifikation und die Verteilung von Vermögenswerten auf mehrere Rechtsräume. Für Immobilien- und Investmentakteure zeigt dies, dass Risikomanagement zunehmend über klassische Asset-Allokation hinausgeht und Standortfragen stärker in den Fokus rücken.
Strategische Asset Allocation wird aktiver angepasst
Mit 60 Prozent plant ein größerer Anteil der Family Offices als jemals zuvor Veränderungen in der strategischen Asset Allocation. Dies deutet auf eine Neubewertung der bisherigen Portfolioannahmen hin. Trotz der Anpassungen bleiben entwickelte Kapitalmärkte das Fundament der Portfolios. Gleichzeitig gewinnen ausgewählte alternative Anlagen und Investments in Schwellenländern an Bedeutung. Die hohe Anpassungsbereitschaft zeigt, dass institutionelle Investoren langfristige Strukturveränderungen inzwischen stärker in ihre Kapitalallokation einpreisen.
Immobilien verlieren an Gewicht im Portfolio
Während Infrastruktur, Gold und ausgewählte alternative Investments an Attraktivität gewinnen, soll die Immobilienquote sinken. Im Durchschnitt planen die befragten Family Offices, ihre Immobilienallokation von 11 auf 8 Prozent zu reduzieren. Hintergrund sind unter anderem veränderte Renditeerwartungen, höhere Finanzierungskosten sowie attraktivere Opportunitäten in anderen Anlageklassen. Für die Immobilienwirtschaft ist dies ein Hinweis darauf, dass Kapital künftig selektiver investiert wird und Immobilien stärker im Wettbewerb mit Infrastruktur- und Private-Debt-Investments stehen werden.
Nordamerika bleibt dominant, Diversifikation nimmt jedoch zu
Nordamerika bleibt mit über der Hälfte der globalen Allokationen die wichtigste Zielregion für Family Offices. Gleichzeitig wächst der Wunsch, regionale Konzentrationsrisiken zu reduzieren. Besonders Europa und der asiatisch-pazifische Raum profitieren von dieser Entwicklung. Während US-amerikanische Family Offices weiterhin stark auf den Heimatmarkt fokussiert bleiben, prüfen europäische und asiatische Investoren verstärkt Alternativen zur bisherigen US-Dominanz. Dies könnte langfristig zu einer breiteren internationalen Kapitalverteilung führen.
Der US-Dollar verliert an strategischer Strahlkraft
Die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung wird zunehmend hinterfragt. Rund zwei Drittel der Family Offices erwarten eine Abschwächung des Vertrauens in den Dollar innerhalb der kommenden zwölf Monate. Viele betrachten ihre aktuelle USD-Quote bereits als zu hoch und planen eine stärkere Diversifikation über mehrere Währungen hinweg. Besonders der Schweizer Franken und der Euro werden als attraktive Alternativen genannt. Für internationale Investoren gewinnt damit das aktive Management von Währungsrisiken weiter an Bedeutung.
Infrastruktur profitiert von langfristigen Megatrends
Infrastruktur zählt zu den Anlageklassen mit den größten geplanten Mittelzuflüssen. Dabei spielen insbesondere Investitionen in Energieversorgung, Elektrifizierung und digitale Infrastruktur eine wichtige Rolle. Der Ausbau von Rechenzentren und Stromnetzen im Zuge der KI-Entwicklung erhöht zusätzlich den Kapitalbedarf. Für Immobilieninvestoren ergeben sich daraus Überschneidungen mit den Bereichen Logistik, Data Center und Energieinfrastruktur. Die Grenzen zwischen klassischen Immobilien- und Infrastrukturinvestments verschwimmen zunehmend.
Künstliche Intelligenz bleibt das dominierende Investmentthema
Mit einer Investitionsquote von 65 Prozent ist künstliche Intelligenz das wichtigste Anlagethema unter den befragten Family Offices. Trotz Bedenken hinsichtlich hoher Bewertungen planen die meisten Investoren, ihre Engagements beizubehalten oder auszubauen. Investiert wird entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Rechenzentren über Softwareplattformen bis hin zu Halbleiterherstellern. Besonders relevant ist die starke Nachfrage nach Infrastruktur, die für KI-Anwendungen benötigt wird. Dadurch entstehen zusätzliche Investitionschancen an der Schnittstelle von Technologie und Immobilienwirtschaft.
Nachfolgeplanung bleibt eine Schwachstelle
Obwohl immer mehr Family Offices über formalisierte Nachfolgepläne verfügen, bestehen weiterhin erhebliche Defizite bei der Einbindung der nächsten Generation. Viele potenzielle Nachfolger sind alt genug für eine aktive Rolle, werden jedoch bislang kaum eingebunden. Gleichzeitig fehlt in den meisten Organisationen ein strukturierter Prozess zur Ausbildung und Vorbereitung künftiger Entscheidungsträger. Angesichts des bevorstehenden globalen Vermögenstranfers gewinnt dieses Thema erheblich an Relevanz. Für langfristig orientierte Vermögensstrukturen wird Governance damit zu einem ebenso wichtigen Erfolgsfaktor wie die Kapitalanlage selbst.