03.08.2021

Quartiere im Wandel der Zeit

Vom Gewerbegebiet zum produktiven Stadtquartier

Erscheinungstermin: Juni 2021

Herausgeber: BBSR – Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Gewerbegebiete sind elementare Bestandteile der Stadtregionen, die im Lebensalltag der Bewohnerinnen und Bewohner eine große Bedeutung als Orte der Arbeit, des Handels und des Verkehrs haben. In planerischer und baukultureller Hinsicht sind sie jedoch immer „Stiefkinder“ geblieben, in denen die für die anderen Teile der Siedlungsräume in den letzten Jahrzehnten etablierten städtebaulichen Ziele wie Kompaktheit, Nutzungsmischung oder Fußgängerfreundlichkeit nicht zu gelten scheinen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die der Planung zugrundeliegenden Annahmen über gewerbliche Strukturen von dem in den Nachkriegsjahrzehnten geprägten Leitbild einer Nutzungstrennung geprägt wurden, dem zufolge das möglicherweise störende Gewerbe im Stadtgebilde räumlich-funktional separiert und nach rein technischen und ökonomischen Gesichtspunkten gestaltet wurde.

Der Bestand an Gewerbegebieten unterliegt Wandlungsprozessen, die eine Anpassung der Gebiete erfordern. Treiber sind die wachsende Dienstleistungsbranche, neue, emissionsarme Produktionsverfahren der Industrie sowie der fortschreitende Klimawandel. Im Zentrum der Studie "Vom Gewerbegebiet zum produktiven Stadtquartier", die das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung herausgegeben hat, steht die Frage, wie sich einzelne Typen von Gewerbegebieten auf baulicher und nutzungsspezifischer Ebene wandeln müssen, um zukünftigen Anforderungen an Gewerbegebieten Rechnung zu tragen. Die Studie liefert einen Überblick über den bevorstehenden Wandel der Arbeitswelten sowie die damit einhergehenden Auswirkungen auf Gewerbe- und Industriegebiete und benennt Anpassungsbedarfe im Sinne des Klimaschutzes und der Klimaanpassung. Auf dieser Grundlage werden die veränderten Ansprüche an Gewerbegebiete benannt sowie erste innovative Qualifizierungsbeispiele aus der Praxis vorgestellt.

Im Rahmen einer Untersuchung des Gewerbegebietsbestandes in Aachen, Berlin, Kassel und Stuttgart konnten insgesamt fünf verschiedene Gewerbegebietstypen mit je unterschiedlichen betrieblichen Ausrichtungen, Problemlagen und Bedarfen identifiziert werden. Für die einzelnen Untersuchungsräume wurden Weiterentwicklungskonzepte erarbeitet, die passgenau an den jeweiligen Gewerbegebietstypen abgestimmte Transformationspotenziale im Sinne einer baulichen und funktionalen Anpassung aufzeigen. Zu guter Letzt werden die voraussichtlichen Auswirkungen der Digitalisierung in den Bereichen der industriellen Produktion, der Mobilität, der Logistik und des Onlinehandels betrachtet, um hiervon ausgehend deren allgemeine Raumwirksamkeit in Gewerbegebieten zu ermitteln.

Fazit: Durch die aufgezeigte differenzierende Weiterentwicklung von unterschiedlichen, aber auch komplementären Typen von Gewerbegebieten kann sich in stadtregionaler Perspektive eine vernetzte wirtschaftliche Basis aus verschiedenen Branchen und Betriebsgrößen mit Beschäftigungsmöglichkeiten für diverse Qualifikationsniveaus entwickeln. Die bauliche Verdichtung trägt dabei nicht nur zur Innenentwicklung und durch verringerten Flächenverbrauch zum Freiraumschutz bei, sondern ermöglicht auch, dass mehr Menschen nicht mehr in Einzelbauten an isolierten Standorten arbeiten müssen, sondern in qualitätsvollen Stadträumen produzieren, entwickeln, handeln, pausieren oder pendeln können. Planerische Strategien, städtebauliche Ansätze und architektonische Konzepte, die Gewerbegebiete nicht länger als schlichte Arbeitsorte, sondern als vollwertig integrierte und produktive Stadtquartiere begreifen, sind daher in vielfältiger Weise ein grundlegender Baustein der nachhaltigen Stadtentwicklung.

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Inhaltlicher Überblick

  • Einführung
  • Grundlagen und Status Quo
  • Identifikation von Gewerbegebietstypen
  • Fallstudienarbeit
  • Entwicklungspotenziale
  • Wandlungsfähigkeit und Weiterentwicklung von Gewerbegebieten

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