Warum Energie über Wettbewerbsfähigkeit, Wert und Zukunftsfähigkeit von Immobilien entscheidet
Erscheinungstermin: Juli 2026
Herausgeber: JLL
Steigende Energiepreise, der Ausbau der Elektromobilität und die fortschreitende Elektrifizierung von Industrie und Gebäuden verändern die Rahmenbedingungen für den Immobilienmarkt grundlegend. Damit rückt die Energieversorgung eines Standorts zunehmend in den Fokus von Investitions- und Standortentscheidungen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Auswirkungen Netzkapazitäten, Stromverfügbarkeit und dezentrale Energiekonzepte künftig auf Wertentwicklung, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz von Immobilien haben. Antworten darauf liefert die Studie „Wenn Strom zum Standortfaktor wird – Warum Energie über Wettbewerbsfähigkeit, Wert und Zukunftsfähigkeit von Immobilien entscheidet“ von JLL. Im Mittelpunkt stehen die Folgen des strukturellen Wandels im Energiesystem für Investoren, Eigentümer, Projektentwickler und Nutzer von Immobilien.
Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:
Energie entwickelt sich zum entscheidenden Standortfaktor
Die Energiekrise wird nicht mehr als vorübergehendes Marktphänomen betrachtet, sondern als langfristiger Strukturwandel. Vier Entwicklungen treiben diesen Wandel: steigende Stromnachfrage durch Elektrifizierung, Engpässe in den Stromnetzen, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Digitalisierung und Dezentralisierung des Energiesystems. Dadurch verändert sich auch die Bewertung von Immobilienstandorten. Neben klassischen Kriterien wie Erreichbarkeit oder Arbeitskräfteangebot gewinnen Versorgungssicherheit, verfügbare Anschlussleistung und Energiequalität erheblich an Bedeutung. Energie entwickelt sich damit vom Betriebskostenfaktor zu einem zentralen Werttreiber für Immobilien.
Netzkapazitäten werden zum Engpass für Projektentwicklungen
Die geplante Elektrifizierung von Industrie, Wärme und Mobilität lässt den deutschen Strombedarf bis 2030 deutlich steigen. Gleichzeitig stößt die bestehende Netzinfrastruktur bereits heute an ihre Grenzen, was sich unter anderem in hohen Redispatch-Kosten und zahlreichen Netzengpässen zeigt. Für die Immobilienwirtschaft entstehen daraus neue Projektrisiken, da Netzanschlüsse, verfügbare Leistung und Anschlusszeiten zunehmend über die Realisierbarkeit von Industrie-, Logistik- oder Rechenzentrumsprojekten entscheiden. Standorte mit ausreichenden Leistungsreserven oder eigener Energieinfrastruktur gewinnen dadurch an Attraktivität und langfristigem Wert.
Industrie-, Logistik- und Rechenzentren stehen besonders im Fokus
Besonders energieintensive Nutzungsarten sind von den Veränderungen betroffen. Rechenzentren profitieren zwar von der steigenden Nachfrage nach KI-Anwendungen, erhöhen gleichzeitig aber den Druck auf die Stromversorgung erheblich. Industrie- und Logistikimmobilien verfügen über große Potenziale für Photovoltaik, Batteriespeicher und intelligente Energiemanagementsysteme. Dadurch können sie sich von reinen Verbrauchern zu aktiven Bestandteilen des Energiesystems entwickeln und Wettbewerbsvorteile durch höhere Versorgungssicherheit und stabile Energiekosten erzielen.
Gebäude werden zu aktiven Bestandteilen des Energiesystems
Mit sinkenden Kosten für Batteriespeicher und dem Ausbau digitaler Energiemanagementsysteme verändert sich die Rolle von Immobilien grundlegend. Gebäude übernehmen zunehmend Funktionen wie Stromerzeugung, Speicherung, Lastmanagement und die Bereitstellung von Flexibilität für das Stromnetz. Energie wird damit zu einer integrierten Gebäudefunktion – vergleichbar mit IT- oder Sicherheitssystemen. Dezentrale Energielösungen erhöhen nicht nur die Versorgungssicherheit, sondern schaffen auch zusätzliche Möglichkeiten zur Kostenoptimierung und zur Teilnahme an Energiemärkten.
Erneuerbare Energien allein reichen nicht aus
Deutschland hat den Ausbau erneuerbarer Energien deutlich beschleunigt und erreicht inzwischen einen hohen Anteil an der Stromerzeugung. Gleichzeitig bestehen jedoch erhebliche regionale Unterschiede zwischen Erzeugung und Verbrauch, da Windenergie überwiegend im Norden produziert wird, während große Industriezentren im Süden liegen. Für Immobilien gewinnt deshalb die regionale Einbindung in das Energiesystem an Bedeutung. Neben der Verfügbarkeit von Grünstrom spielen künftig auch dessen Herkunft sowie die Möglichkeit eigener Stromerzeugung auf dem Grundstück eine wichtige Rolle.
Energie wird Bestandteil jeder Asset-Strategie
Für Investoren und Eigentümer ergeben sich daraus weitreichende Konsequenzen. Photovoltaik, Batteriespeicher und intelligentes Energiemanagement entwickeln sich von optionalen Ausstattungsmerkmalen zu grundlegenden Bestandteilen moderner Immobilien. Gleichzeitig steigt die Bedeutung langfristiger Grünstromstrategien und einer frühzeitigen Bewertung der Energiequalität eines Standorts bereits in der Ankaufs- und Entwicklungsphase. Investitionen in Energieinfrastruktur erhöhen Resilienz, sichern die Wettbewerbsfähigkeit und tragen dazu bei, den langfristigen Immobilienwert zu stabilisieren.