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Solidarität in der Corona-Krise

Herausforderung und Chance für die Immobilienwirtschaft

  • 74 Prozent gegenüber kleinen Einzelhändlern zum Mieterlass bereit
  • Bereits mehr als die Hälfte der Eigentümer von Einbußen betroffen
  • Kündigungen sollen vermieden werden und gelten als unwirtschaftlich
  • Einzelhandelsfilialisten haben im Augenblick wenig Sympathien

Die Auswirkungen der Coronavirus-Krise sind inzwischen deutlich auch in der Immobilienwirtschaft zu spüren. Laut einer Umfrage von Rueckerconsult verzeichnen 55 Prozent der Eigentümer pandemiebedingte Rückgänge bei den Mieteingängen. Von den Einnahmeeinbußen ihrer Mieter besonders betroffen sind Eigentümer von Gewerbeflächen. Nur etwa 30 Prozent der Mietrückgänge werden von den Eigentümern dem Wohnungsbereich zugerechnet. Signifikante Rückgänge im Wohnungsbereich erwarten die Mitarbeiter von Rueckerconsult frühestens Anfang Mai. Dann würden die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Krise auch in vielen Arbeitnehmerbudgets sichtbar.

Überwiegend rasche Nachzahlung gestundeter Mieten erwünscht

Befragt, welche Mietrückgänge sie in den kommenden drei Monaten verkraften könnten, sagten über die Hälfte der Eigentümer, dass sie mit 30 Prozent temporärer Mietausfälle noch zurechtkämen. Bei acht Prozent der Befragten ist schon bei maximal zehn Prozent Einnahmerückgang das Ende der Leistungsfähigkeit erreicht. Dabei hofft das Gros der Eigentümer auf eine rasche Nachzahlung gestundeter Mieten. 34 Prozent wünscht eine Überweisung ausstehender Zahlungen bereits nach sechs Monaten, weitere 28 Prozent innerhalb eines Jahres. Immerhin 16 Prozent der Befragten sagten, die zurückgestellte Miete solle gezahlt werden, wenn die wirtschaftliche Lages des Mieters es erlaubt.

Kleine Einzelhändler, Restaurants und Wohnungsmieter genießen besonderen Schutz

Die finanzielle Leistungsfähigkeit der Mieter wird von den Eigentümern aktuell durchaus differenziert bewertet. 69 Prozent der Eigentümer erwarten, dass Büromieter coronabedingte Schwierigkeiten aus eigener Kraft werden meistern können. Einzelhandelsfilialisten und Wohnungsmietern wird das noch zu 45 beziehungsweise 49 Prozent zugetraut, wobei Wohnen als existenzielles Bedürfnis besonders berücksichtigt wird. So will beispielsweise Vonovia ihren Mietern ausdrücklich die Sorge um die Bezahlbarkeit ihrer Wohnung nehmen, indem das Unternehmen auf Mieterhöhungen, Kündigungen und Räumungen verzichtet.Grafik Mieterlass_copyright RUECKERCONSULT GmbH 2020.png

Viele Eigentümer zum zeitweisen Mieterlass bereit

Mit erhöhter Sensibilität dürfen offenbar auch Restaurants und Inhaber von Einzelhandelsgeschäften rechnen. Nur zwei Prozent der befragten Eigentümer gehen davon aus, dass Restaurants den Einnahmeausfall kompensieren und ihre Mietzahlungen leisten können. Bei Einzelgeschäften sind es immerhin vier Prozent. Angesichts der vielfach prekären Situation stellen viele Vermieter ihre Ansprüche zurück. 74 Prozent sind laut Umfrage bereit, kleinen Einzelhändlern Mietzahlungen gegebenenfalls auch ganz zu erlassen. Bei Restaurants und Cafés wären noch 64 Prozent zu diesem Schritt bereit. 45 Prozent der befragten Wohnungseigentümer können sich unter den aktuellen Gegebenheiten vorstellen, auf Mieteinnahmen zu verzichten, während Einzelhandelsfilialisten nur bei neun Prozent der Vermieter auf einen Erlass hoffen dürfen.

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