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Männerdomäne

Immobilienwirtschaftliche Konferenzen

Prof. Dr. Stephanie Birkner, Juniorprofessorin für Female Entrepreneurship, Universität Oldenburg
Prof. Dr. Tobias Just, Wissenschaftlicher Leiter, Geschäftführer, Lehrstuhlinhaber für Immobilienwirtschaft, IREBS Institut für Immobilienwirtschaft
Prof. Dr. Stephanie Birkner

Klaus, Achim, Bernd, Harald, Sören, Karl-Heinz, Michael, Andreas, Sven und Thomas.  Dies ist nicht die Namensliste der Auswechselspieler der ersten Herrenfußballmannschaft von Neu-Isenburg und auch nicht die Teilnehmerliste eines katholischen Bischofsseminars. Es ist die Namensliste der ersten zehn Redner und Panelisten einer Immobilienkonferenz, deren Werbebroschüre wir kürzlich erhalten haben. Wiederholt sich hier ein Phänomen, das uns schon aus Vorstandsriegen bekannt ist? Bereits 2015 rechnete Manager Magazin Online nach, dass es auf Vorstandsebene weniger Frauen gibt als Menschen, die Thomas oder Andreas heißen. Für 2018 zeigte eine Studie der AllBright Stiftung, dass sich an diesem Muster wenig geändert hat – nur aus dem Andreas ist ein Michael geworden. Für die Start-up-Szene lässt sich ein ähnliches Bild malen.

Tatsächlich tauchte die erste Frau in besagtem Flyer erst mit dem 26. Personenbild der Veranstaltung auf Seite 3 auf. Ach ja, und es ging um eine Immobilienkonferenz des Jahres 2019, nicht 1919. Wir hätten dies vielleicht als merkwürdige Zufälligkeit abgetan, wenn das Muster nicht schon auf anderen Konferenzen aufgefallen wäre – zugegeben nicht immer in dieser Extremform. In dem Wissen darum, dass seit Jahren etwa 50 % der Studierenden in vielen immobilienwirtschaftlichen Studiengängen Frauen sind (manche Studiengänge erreichen sogar eine Frauenquote von knapp zwei Drittel), irritiert es, dass Wortbeiträge auf Konferenzen weiterhin überwiegend Männersache sind.

Dies ist zunächst einmal eine Beobachtung, kein Werturteil. Es mag viele Gründe geben, warum dieses Muster besteht: Es könnte daran liegen, dass Männer eher Einladungen zu Wortbeiträgen annehmen als Frauen. Es könnte daran liegen, dass Konferenzveranstalter sich diskussionsfreudige, gar polarisierende Reden wünschen und dass dies eher Männern zugetraut wird als Frauen. Es könnte daran liegen, dass Männer vermeintlich besser reden können als Frauen. Spätestens bei dem letzten Punkt bricht die Gedankenkette ab, da es doch des Mannes liebstes Vorurteil ist, dass Frauen viel mehr sprächen als Männer und damit dann ja auch mehr Übung hätten.

Natürlich kann es auch daran liegen, dass Frauen noch immer in immobilienwirtschaftlichen Führungsrollen stark unterrepräsentiert sind und dass auf Konferenzen eher Führungspersönlichkeiten sprechen. Leider stellt sich dann gleich eine neue Frage: Warum ist dies so?

In diesem Beitrag geht es uns aber nicht darum, zu ergründen, warum es zu dieser Asymmetrie auf immobilienwirtschaftlichen Konferenzen und in Führungsetagen kommt, sondern darum, zu argumentieren, dass dies der Branche überhaupt nicht gut zu Gesicht steht – ja ihr sogar überhaupt nicht guttut. Hier geht es uns nicht um etwaige Imageprobleme und noch nicht einmal um einen elementaren Fairnessgedanken, sondern ganz einfach um die Frage, ob sich die Branche diese Unausgewogenheit leisten kann und darf.

Um dies zu verstehen, möchten wir zu der Eingangsbeobachtung zurückkommen: In grundständigen immobilienwirtschaftlichen Studiengängen sind Frauen mit häufig mindestens 50 % vertreten, und sie schneiden im Durchschnitt keineswegs schlechter ab als ihre männlichen Kommilitonen. Egal ob man nun überzeugt davon ist, dass Frauen eine grundsätzlich andere Perspektive auf ein Problem oder eine Marktlage haben als Männer oder nicht – Frauen nicht zu Wort kommen zu lassen, blockiert die Chance, aus dem Pool der hoch qualifizierten Menschen die Besten sprechen zu lassen.

Für die Immobilienbranche erwachsen hieraus zwei Probleme: Erstens geht den Konferenzen Erkenntnispotenzial verloren, wenn man quasi 50 % der klugen Köpfe nicht hört. Zweitens sind Konferenzen und Panels immer auch Plattformen für Karrieren: Sie bieten dem immobilienwirtschaftlichen Nachwuchs die Gelegenheit, ihre Ideen, Sichtweisen und letztlich auch sich selbst darzustellen. Bleibt ein guter Eindruck bei den Zuhörenden (oft sind darunter ja auch Personalberatende), kann dies zum Sprungbrett für neue Aufgaben werden. Damit verpassen nicht nur die Frauen eine Karrierechance, sondern auch die Unternehmen die Gelegenheit, neue gute Fachkräfte zu gewinnen.

Letztlich wären hieraus drei Handlungsempfehlungen abzuleiten: Erstens, Konferenzorgani-satoren sollten sich mehr bemühen, ihren Referent(inn)enpool zu erweitern. Zweitens, Vorgesetzte in Unternehmen sollten den Nachwuchs unabhängig vom Geschlecht dazu motivieren, zu Konferenzen auch als Redner/-in zu gehen. Und drittens muss natürlich der Ball auch in das Feld der Frauen gespielt werden: Frauen sollten sich, wenn sie Karriere machen möchten, aktiver um die Teilnahme auf Konferenzen bemühen. Die Immobilienbranche ist riesig groß, doch auf Konferenzen schrumpft sie regelmäßig auf einen winzigen Mikrokosmos der Wahrgenommenen zusammen. Keine dieser Empfehlungen stellt eine gravierende Veränderung dar – auch keine Benachteiligung für qualifizierte und eloquente Männer. Denn: Die gesamte Immobilienbranche kann nur gewinnen, wenn sie unabhängig vom Geschlecht von den Besten auf Konferenzen informiert und in den Unternehmen geführt wird.

Die IREBS Immobilienakademie ist Partner von F!F: Frauen !n Führung. Frauen !n Führung ist eine neue Initiative der deutschen Immobilienwirtschaft für mehr Frauen in Führungspositionen. Hinter ihr steht ein Netzwerk von Unternehmen, Verbänden, Führungspersönlichkeiten der Immobilienbranche sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Stiftungen und Wissenschaft.  www.frauen-in-fuehrung.info

 

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von IREBS Immobilienakademie GmbH
Erstveröffentlichung: Standpunkt Ausgabe 78, Juli 2019

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