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25.11.2015

Stadt- und Quartiersentwicklung

Nachfragequalifizierung bei der Entwicklung gemischt genutzter Stadtquartiere

Jan Hebecker, Leiter Märkte und Daten Valuation, ImmobilienScout24 GmbH
Jan Hebecker

Die Umwidmung brachliegender Industrieareale zu gemischt genutzten Stadtquartieren hat für die Stadtentwicklung in den vergangenen Jahren eine immer größere Bedeutung erlangt. Die Schaffung von Urbanität durch die Verknüpfung unterschiedlicher Nutzungen scheint im Rahmen dieser Projekte aber äußerst schwer realisierbar zu sein. Dem gegenüber erfahren gemischtgenutzte innenstadtnahe Altbauquartiere aufgrund ihres urbanen Charmes eine immer größere Nachfrage als Wohn- und Arbeitsort. Die Wohnimmobilienpreise sind in diesen Altbau-Quartieren in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als in den übrigen Stadtgebieten der Metropolen und Großstädte. In diesen Quartieren ist es gelungen, Geschäfte zu erhalten, die das Warenangebot des täglichen Bedarfs abdecken und darüber hinaus häufig ein spezialisiertes auf ihr Umfeld abgestimmtes Warenangebot anbieten. Auch junge kreative Dienstleistungsunternehmen siedeln sich zunehmend in diesen gewachsenen Quartieren in umgewandelten Gewerbehöfen oder umgewidmeten Ladenlokalen an.

Mit Hilfe der auf der Plattform von ImmobilienScout24 gespeicherten Nachfragedaten wird im Rahmen der Untersuchung im ersten Schritt der Frage nachgegangen, welche innerstädtischen Standorte Wohnungssuchende bevorzugt wählen. Mit Hilfe der Auswertung sogenannter „Merkzettel“, die Suchende im Rahmen der Suche anlegen, soll festgestellt werden, welche Wohnungstypen die stärkste Nachfrage auf sich vereinigen und durch welche Qualitäten diese gekennzeichnet sind. Auch die Nachfrage nach Gewerbe- und Büroobjekten soll entsprechend selektiert und qualifiziert werden, um mit Hilfe dieses Vorgehens Lagecharakteristiken zu identifiziert, die besonders häufig nachgefragt werden. In diesem Zusammenhang werden die fußläufige Erreichbarkeit eines differenzierten Versorgungsangebots, die kleinteilige Mischung unterschiedlicher Nutzungen und ein gute öffentliche Verkehrsanbindung als entscheidende Standortfaktoren gesehen. Es soll der Frage nachgegangen werden, wo die Nachfrage in den Städten tatsächlich entsteht und wie diese kanalisiert werden kann, damit die Nachfragepotenziale in einer nachhaltigen, an die zukünftigen Bedarfe angepasste Stadtentwicklung münden. Wo können vorhandene Nachfragepotenziale dazu genutzt werden, Impulse für die Stadtentwicklung zu generieren, die dem Leitbild einer urbanen verdichteten Innenstadt entsprechen.

Die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft kann einen entscheidenden Beitrag zur Qualifizierung der Nachfrage leisten. Durch die Analyse von auf Immobilienportalen gespeicherten Suchkriterien und die Verdichtung dieser Daten können Nachfragemuster abgeleitet werden, die ein besseres Verständnis der Wohn- und Lebenswünsche der Nutzer ermöglichen. Die Nutzbarmachung dieser Daten kann einen Beitrag zu einer Verwendung der Nachfragepotenziale für die Stadt- und Quartiersentwicklung leisten.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von ImmobilienScout24
Erstveröffentlichung: The Property Post, Oktober 2015