17.02.2016

Studentisches Wohnen

Immobiliensegment mit Zukunft

Horst Lieder, Geschäftsführer, AUDERE EQUITY GmbH
Horst Lieder

Studentisches Wohnen ist ein hochspannendes Immobiliensegment – und wird dies auch in Zukunft sein. Die gesellschaftlichen Megatrends Reurbanisierung, Versinglung und Internationalisierung sowie der Trend zu mehr Bildung werden die Nachfrage nach kleinteiligem Wohnraum in attraktiven Städten weiter verstärken. Trotz sehr guter makroökonomischer Rahmenbedingungen müssen Investoren und Betreiber die langfristige Perspektive gerade kleinerer Standorte im Blick behalten. Wichtiger werden daneben zielgruppengerechte Wohnprodukte und ein zeitgemäßes Branding, um die zunehmende Heterogenität der Studierenden zu treffen.

Eindeutige Prognosen
Die deutsche Kultusministerkonferenz (KMK) korrigierte im Juli 2014 die prognostizierte Zahl der Studienanfänger deutlich nach oben. So werden in den kommenden Jahren jeweils etwa 500.000 junge Menschen in Deutschland ein Studium aufnehmen. Noch im Jahr 2025 wird es mehr als 465.000 Studienanfänger geben. Deutschland gehört inzwischen – dank hervorragender Studienbedingungen bei fehlenden Studiengebühren – zu den Top-Five-Studienzielen weltweit. Die Zahl ausländischer Studierender an deutschen (Fach-) Hochschulen steigt derzeit rapide; bereits jetzt kommen 20 Prozent aller Studienanfänger, also 100.000 pro Jahr aus dem Ausland. Nicht nur in den Metropolen wie Hamburg, Berlin oder Frankfurt werden die Wohnungsmärkte deshalb sehr angespannt bleiben, sondern auch an kleineren Universitätsstandorten wie Freiburg oder Darmstadt. Das Studentenwerk fordert mindestens 45.000 zusätzliche Wohnheimplätze. Laut der Erhebung „Studienbedingungen 2014“ des Instituts für Demoskopie Allensbach und des Reemtsma Begabtenförderungswerks hatten 72 Prozent aller Studienanfänger „große“ oder „sehr große“ Probleme, eine geeignete Unterkunft für sich zu finden.

Verstärkte Konkurrenzsituation
Neben der Rekordzahl an Studierenden wird die Wohnungssuche von Studentinnen und Studenten erschwert, weil gesellschaftliche Megatrends wie der verstärkte Zuzug in die Innenstädte, der zunehmende Anteil Alleinlebender an der Bevölkerung sowie die immer größere individuelle Mobilität die Nachfrage nach kleinen Apartments stark steigen lassen. Ob Post-Graduate, Pendler, Single oder Student – alle suchen vergleichbaren, kleinteiligen Wohnraum. Die Wohnungsknappheit an vielen Universitätsstandorten dürfte sich einer aktuellen Studie von Roland Berger zufolge weiter verschärfen. Bis 2025 wird die Zahl der Haushalte in Deutschland um rund zwei Prozent steigen – bei aktuell rund 41 Millionen Haushalten entspricht dies einem Zuwachs von mehr als 800.000 Haushalten. Angesichts der demografischen und gesellschaftlichen Trends ist offensichtlich, dass vor allem Wohnungen mit einem oder zwei Zimmern gefragt sein werden.

Gestiegene Erwartungen – und Einkommen
Um eine dauerhafte Vermietung sicherzustellen, sollte ein Studentenapartment einige wesentliche Kriterien erfüllen. Es sollte zentral und möglichst nahe an der Universität oder Hochschule gelegen sein, auch das Zentrum bzw. Stadtteilzentrum sollte leicht erreichbar sein. Ferner sollte ein Studentenapartment eine bestimmte Mindestgröße haben, mit eigener Küche und eigenem Bad ausgestattet sein und über eine moderne, hochwertige Inneneinrichtung verfügen. Die Verkehrsanbindung und die Geschwindigkeit der Internet-Verbindung müssen stimmen, vorteilhaft sind darüber hinaus All-In-Mieten für Vermieter und Mieter. Einen klaren Mehrwert bieten Gemeinschaftsflächen, wie etwa Arbeits- und Seminarräume, Lounges oder Cooking Areas. Neben den Erwartungen der Studierenden an ihren Wohnraum hat sich allerdings auch deren Einkommenssituation deutlich verändert. Laut der letzten, 20. Sozialerhebung der Studentenwerke von 2012 verfügen 26 Prozent der Studierenden über ein Monatseinkommen von 1.000 Euro und mehr. Dabei bezieht sich die 20. Sozialerhebung auf Daten der Jahre 2009 bis 2011. Es ist deshalb davon auszugehen, dass heute mindestens ein Drittel aller Studierenden über mehr als 1.000 Euro im Monat verfügt.

Stabile Nachfrage auch in Zukunft
Studentisches Wohnen wird auch in Zukunft ein spannendes Thema im Bereich temporäres Wohnen sein und ein attraktives Immobiliensegment darstellen. Denn die Nachfrage nach Studentenwohnungen ist weitgehend unabhängig von kurz- und mittelfristigen Konjunkturtrends, bei auf Jahre hinaus sehr hohen Studentenzahlen in Deutschland. Schon heute leben 37 Prozent aller Deutschen allein, wobei die Gruppe der Alleinlebenden immer heterogener wird. Wichtiger werden künftig ein zeitgemäßes Branding und zielgruppengerechte Immobilienprodukte. Die gesellschaftlichen Megatrends Reurbanisierung, Versinglung und Internationalisierung sowie der Trend zu mehr Bildung werden die Nachfrage nach kleinteiligen Wohnraum in attraktiven Städten weiter verstärken. Insbesondere in kleineren Universitätsstädten sollten Investoren sich mit der Langfrist-Perspektive des Standortes auseinandersetzen.

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Erstveröffentlichung: Heuer Dialog, 2015