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Das Gros der Baustellen läuft weiter

Coronavirus und die Folgen für Projektentwickler

Pepijn Morshuis, CEO, Trei Real Estate GmbH
Pepijn Morshuis

Das Coronavirus bedroht nicht nur unsere Gesundheit, es hat inzwischen die Wirtschaft infiziert. Die Folgen sind auch bei Immobilienunternehmen und Projektentwicklern zu sehen. Dennoch laufen die meisten Baustellen weiter. Verzögerungen gibt es vor allem in der Abstimmung mit den Behörden. The Property Post sprach mit Pepijn Morshuis, CEO der Trei Real Estate, über das Projektentwicklungsgeschäft.  

TPP: Herr Morshuis, die Coronakrise hat die Immobilienwirtschaft in einer absoluten Boom-Phase getroffen. Wie sind die Auswirkungen auf die Projektentwicklungen der Trei?  
Pepijn Morshuis: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Alle Projekte, die sich im Bau befinden, laufen – zwar teilweise etwas verzögert – aber kontinuierlich weiter. Engpässe gibt es zum Beispiel bei den Lieferketten, v.a. bei Produkten aus dem Ausland. Auch die ausländischen Mitarbeiter hatten aufgrund der Reisebeschränkungen teilweise Probleme wieder nach Deutschland einzureisen. Dies hat zu Beeinträchtigungen auf den Baustellen geführt. Unterm Strich hielten sich die Verzögerungen jedoch in Grenzen.  
Anders ist die Situation bei den Behörden. Hier sehen wir deutliche Verzögerungen. Die Behörden sind schwer zu erreichen und nicht auf Arbeiten von zuhause eingestellt. Entweder es gibt keine ausreichenden Tools, um im Homeoffice zu arbeiten oder es ist den Behörden ganz untersagt zu arbeiten. Die Abstimmungsprozesse kommen daher größtenteils zum erliegen. Bei einigen Projekten, bei denen wir auf die Zusammenarbeit angewiesen sind, trifft uns dies hart.   

TPP: Können Sie schon abschätzen, welche Verzögerungen das nach sich zieht?
Pepijn Morshuis: Wir reden hier nicht von Wochen, sondern von Monaten. Da wird sich sicher einiges anstauen – unabhängig davon, ob es um eine Baugenehmigung, ein B-Plan-Verfahren oder etwas anderes geht. Dabei darf man aber nicht alle Städte über einen Kamm scheren. Es gibt auch Behörden, die versuchen, uns entgegenzukommen indem sie beispielsweise viele Fragen über Telefonate klären.

TPP: Das interessiert uns natürlich: Wo läuft die Zusammenarbeit gut und wo ist es besonders mühsam?
Pepijn Morshuis: Grob gesagt, sind die Behörden in Süddeutschland sehr kooperativ. In anderen Regionen läuft es nicht so reibungslos.

TPP: Der Süden ist ja sehr stark von Corona betroffen, daher würde man dort ebenfalls Schwierigkeiten erwarten…
Pepijn Morshuis: Unser Projekt in München läuft beispielsweise relativ normal weiter. In Aalen (Baden-Württemberg) sind wir aktuell im Gespräch mit den Behörden und machen sehr gute Fortschritte. Aber bei einem anderen Projekt im Rheinland kommen wir aktuell keinen Schritt weiter.

TPP: Wie geht die Trei mit der aktuellen Situation um?
Pepijn Morshuis: Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir viele Projekte für uns selbst entwickeln bzw. dass wir sie erst später an den Markt bringen. Vertragsstrafen aufgrund von Verzögerungen müssen wir daher nicht einkalkulieren. Dennoch kommt es zu Verlangsamungen bei Projekten, die noch nicht im Bau sind und bei denen noch Entscheidungen von Behörden ausstehen. Diese Projekte verzögern sich um mindestens sechs Monate.

TPP: Zu guter Letzt. Was ist Ihre Einschätzung? Wie stark wird sich die Corona-Krise in zwei bis drei Jahren auf den Immobilienmarkt auswirken?
Pepijn Morshuis: Der Immobilienmarkt wird auf jeden Fall davon beeinträchtigt werden. Ich glaube, was den Mietwohnungsbau anbelangt, gibt es keine großen negativen Auswirkungen. Es gibt einen Nachfrageüberhang und es wird zu wenig gebaut. Bei Eigentumswohnungen hingegen ist festzustellen, dass das Geschäft ruhiger wird. Die Nachfrage ist gesunken und es wird weniger verkauft – vorläufig werden daher viele Projekte auf Eis gelegt. Auch in anderen Ländern werden diejenigen Entwickler, die hoch finanziert sind, in Schwierigkeiten kommen. In Polen beispielswise beobachten wir das, da dort viele Developer in einem starken Maß über Banken finanziert sind. Hier wird es zu einer Marktbereinigung kommen. In den USA hingegen ist die Situation ähnlich wie in Deutschland. Dort warten viele Entwickler erstmal ab, wie sich die wirtschaftliche Lage entwickelt.

TPP: Vielen Dank für das Gespräch!

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Trei Real Estate
Erstveröffentlichung: The Property Post, Mai 2020

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