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Destination MGL...

und jetzt auch noch ein Flughafen

Dr. Ulrich Schückhaus, Vorsitzender der Geschäftsführung, EWMG – Entwicklungsgesellschaft der Stadt Mönchengladbach mbH
Dr. Ulrich Schückhaus

Die Stadt Mönchengladbach kauft vom Nachbarn Flughafen Düsseldorf die Mehrheit am städtischen Flughafen zurück und will ihn auf Vordermann bringen. Nicht das erste Investment, das die Niederrheiner im Immobilienbereich tätigen. Ungewöhnlich für eine Kommune, dass sie sich selbst als Investor, Projektentwickler und Asset Manager betätigt wie ein echtes Immobilienunternehmen. Dr. Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer der EWMG Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach, erklärt die Strategie dahinter.

Thomas Rücker: Sie haben mit der EWMG die Mehrheit am Flughafen Mönchengladbach von der Flughafengesellschaft Düsseldorf zurückgekauft. Ist das nicht ungewöhnlich und was haben Sie mit dem Flughafen vor?
Ulrich Schückhaus: Es ist ungewöhnlich, wenn man die Vorstellung einer Kommune im Kopf hat, die Investoren sucht, ohne eigenes Flächenmanagement zu betreiben. Genau das unterscheidet uns aber von den meisten Städten in Deutschland. Wir entwickeln Flächen und Immobilien so, dass jede Investition in das städteplanerische Gesamtkonzept passt. Das gilt nun auch für den Flughafen MGL, der mit 120 Hektar Fläche, 27 Unternehmen und 580 Mitarbeitern eines der wichtigsten Wirtschaftszentren unserer Stadt ist. Im Bereich General Aviation, also dem gesamten Flugverkehr außerhalb der Linien- und Charterflüge, belegen wir sogar Platz zwei in Deutschland. Diese Sparte möchten wir weiter ausbauen und zugleich freie Flächen für eine gezielte Gewerbeansiedlung mit Flughafenaffinität entwickeln. Aber auch für Unternehmen, für die der Norden von Mönchengladbach mit seiner schnellen Anbindung an Messe und Flughafen in Düsseldorf oder an das Ruhrgebiet wichtig sind, werden wir Angebote entwickeln.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass Sie als Investor auftreten. Von Highstreet haben Sie das Karstadtgebäude in Rheydt gekauft und von Dawnay Day das Vitus Center mitten in der Stadt. Geht es der Stadt Mönchengladbach so gut, dass sie als Immobilieninvestor agieren kann bzw. wo kommt das Investitionskapital her und was haben sie mit den beiden Immobilien nach dem Ankauf gemacht?
Die Finanzen der Stadt können mittlerweile ohne weiteres als solide bezeichnet werden. Seit 2017 läuft unsere Schuldenuhr rückwärts, in diesem Jahr haben wir zum ersten Mal seit rund 25 Jahren einen ausgeglichenen Haushalt ohne Nettoneuverschuldung. Aber klar: Die Stadt Mönchengladbach ist kein Immobilienfonds. Wie Sie selbst sagen, agieren wir wie ein Immobilieninvestor. Neben einem kleinen Eigenkapitalanteil nehmen wir für unsere Projekte normale Immobilienfinanzierungen bei Banken auf. Die von Ihnen erwähnten Handelsimmobilien Karstadt in Rheydt und das Vitus Center haben für die Innenstädte von Mönchengladbach und Rheydt eine zentrale Bedeutung. In Rheydt konnten wir durch ein umfassendes Refurbishment Karstadt halten und neue attraktive Einzelhandelsmieter gewinnen. Beim Vitus Center bauen wir gerade Teilflächen um und werden sie Ende des Jahres an den Markt bringen. Wir benötigten dringend zusätzlichen Raum für das Service-Center unserer Stadtverwaltung. Da kamen uns die leeren Vitus-Flächen wie gerufen. Die Besucher des städtischen Service-Centers bringen gleichzeitig Besucherfrequenz, was den Ort dann wieder für andere Mieter interessant macht. Hier führt die Art der gewählten städtischen Nutzung zu einer Aufwertung der gesamten Immobilie. Profis aus der Branche würden das wohl aktives Asset Management nennen.

Sie haben für Mönchengladbach einen sehr konkreten Masterplan entwickelt. Wie kam es dazu und wie zufrieden sind sie mit der bisherigen Umsetzung?
Um genau zu sein, ist der Masterplan eine zivile Initiative. Initiator und Träger ist der Verein MG 3.0, der sich 2010 als Zusammenschluss von Unternehmen und Privatpersonen gebildet hat. Dieser Masterplan wird nun in der Stadtentwicklungsstrategie mg+ Wachsende Stadt ergänzt, weiterverfolgt und umgesetzt. Den Grundstein legte der britische Stararchitekt Sir Nicholas Grimshaw. Bereits realisiert haben wir den Neubau der Textilakademie als Herz des neuen Hochschulcampus und die Umfunktionierung des Vitus Centers zur zentralen Bürgerservicestelle. In der fortgeschrittenen Planungsphase sind zudem die Neugestaltung des Abteiberg-Areals inklusive eines Superior-Hotels, die Entwicklung der City Ost zum Wohngebiet Seestadt mg+ und die Umwandlung des ehemaligen Klinikareals Maria-Hilf zu einer grünen Gartenstadt.

... und was hat Sir Nicholas Grimshaw damals überzeugt, für Mönchengladbach tätig zu werden?
Nun, wer möchte denn nicht für Mönchengladbach arbeiten (lacht)? Grimshaw ist einer der führenden Architekten weltweit, der Projekte wie den neuen Flughafen Heathrow, das Disneyland Shanghai oder auch das Berliner Ludwig-Erhard-Haus verantwortet. Er hat uns allen voran mit seiner Doppel-Herz-Strategie überzeugt, die auf eine zunehmende Einheit zwischen den erst 1975 fusionierten Städten Gladbach und Rheydt abzielt. Das ist nämlich unser expliziter Wunsch, unter Wahrung beider Ortsidentitäten die Marke Mönchengladbach als grüne Großstadt am Niederrhein nach außen und innen emotional zu verankern.

Mönchengladbach ist nicht gerade auf der Landkarte von Immobilieninvestoren. Wie wollen Sie das ändern, gerade auch vor dem Hintergrund der zahlreichen ehrgeizigen Projekte aus dem Masterplan, die ja auch finanziert werden müssen?
Mönchengladbach ist in den vergangenen fünf Jahren um 9.000 Einwohner netto gewachsen. Die Wirtschaft entwickelt sich gut; die Beschäftigung ist in den letzten zehn Jahren um fast 25 Prozent gestiegen. Die Leerstandsquote auf dem Büromarkt ist im vergangenen Jahr auf ein historisches Tief von 4,8 Prozent gesunken. Dank unserer hervorragenden Anbindung an vier Autobahnen, einem eigenen Flughafen und 20 Minuten Fahrtzeit zum Flughafen Düsseldorf haben wir insbesondere aus der Textil- und E-Commerce-Branche umfangreiche Investitionen verzeichnen können. Dazu tragen ganz besonders auch die Fachbereiche an der Hochschule Niederrhein bei, die die Fachkräfte von morgen ausbilden. Wir haben also schon einiges vorzuweisen, um uns in der Immobilienwirtschaft als echte Alternative im Großraum Düsseldorf zu positionieren, denn bei uns stimmen noch Preise und Renditen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir weitere nationale und internationale Investoren für uns gewinnen werden.

 

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von EWMG Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach
Erstveröffentlichung: Cube, Oktober 2018

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