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12.03.2015

„Nicht nur Mainstream“

Ingo Hartlief, Geschäftsführer und COO von CORPUS SIREO zu Secondary Cities und Portfolio-Deals

Ingo Hartlief, Chief Operation Officer (COO) der CORPUS SIREO Holding Gmbh & Co. KG, Vorsitzender der Geschäftsführung der CORPUS SIREO Asset Management Commercial GmbH, Mitglied des Executive Commitee CORPUS SIREO, CORPUS SIREO Holding GmbH & Co. KG
Ingo Hartlief

Fünf Fragen an Ingo Hartlief

Ingo Hartlief, Geschäftsführer und COO der CORPUS SIREO Holding GmbH & Co. KG, äußert sich im Interview mit The Property Post von der MIPIM 2015 zur Entwicklung von CORPUS SIREO sowie zu aktuellen Trends an den Immobilienmärkten und deren Hintergründen.

The Property Post: 2014 war für die Immobilienbranche ein ereignisreiches Jahr. Wie hat sich Corpus Sireo in den zurückliegenden Monaten entwickelt?

Ingo Hartlief: 2014 war für Corpus Sireo ein ganz besonderes Jahr: Ein Unternehmen wird verkauft und macht zugleich einen deutlichen Gewinnsprung im operativen Geschäft – das gibt es nicht so oft, und damit können wir sehr zufrieden sein. Insgesamt haben wir fremde und eigene Immobilien im Wert von fast 2,3 Milliarden Euro verkauft und damit unsere Verkaufsleistung mehr als verdoppelt. Gleichzeitig haben wir für insgesamt rund 743.000 Quadratmeter Wohn- und Gewerbeflächen Mietverträge abgeschlossen oder verlängert, was ebenfalls eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert von rund 630.000 Quadratmetern ist.

Welche Trends prägen aktuell das Marktgeschehen und mit welchen Entwicklungen rechnen Sie für 2015?

Ingo Hartlief: Nachdem sich das Interesse jahrelang auf die Central Business Districts der großen Metropolen konzentriert hat, haben die Preise dort inzwischen ein Niveau erreicht, das für viele Investoren inzwischen keine attraktiven Renditen mehr ermöglicht, ganz abgesehen davon, dass dort überhaupt nur noch sehr wenige Objekte auf den Markt kommen. Vor diesem Hintergrund interessieren sich immer mehr Investoren für andere Standorte, die sogenannten Secondary Cities oder Potenzialstädte. Dort sind die Mieten und Kaufpreise in den vergangenen Jahren weniger stark gestiegen, und es gibt noch Potenzial nach oben. Für die Büromärkte haben wir das in unserer soeben veröffentlichten Studie „GERMANY 21 – Regionaler Büromarktindex“ untersucht, die wir gemeinsam mit empirica schon zum achten Mal realisiert haben. Im Prinzip lassen sich ähnliche Entwicklungen wie bei Gewerbeimmobilien aber auch bei Wohnungen beobachten. Zudem rechnen wir auch damit, dass es 2015 mehr Portfoliotransaktionen geben wird, weil viele große Kapitalsammelstellen – wie zum Beispiel Pensionskassen – einen enormen Anlagedruck haben und deshalb auch größere Volumina an den Immobilienmärkten investieren wollen.

Worin sehen Sie die Gründe für diese Trends?

Ingo Hartlief: Es gibt zurzeit einfach eine riesige Nachfrage nach Immobilien, die durch das niedrige Zinsniveau maßgeblich stimuliert wird. Denn einerseits lässt sich mit Assetklassen wie Rentenpapieren kaum noch eine Rendite erzielen, wenn man nicht hohe Risiken eingehen will, und andererseits können Immobilienkäufe heute so günstig finanziert werden wie kaum je zuvor. Dazu kommt noch, dass Deutschland international weite als „Safe Haven“ gilt. Deshalb haben wir zurzeit auch einen enormen Zufluss von Investitionskapital aus dem Ausland.

Und wie stellt sich Corpus Sireo auf diese aktuellen Marktentwicklungen ein?

Ingo Hartlief: Ein nach außen sichtbares Signal ist sicherlich, dass wir den Bereich Akquisition jetzt als eigenes Ressort auf der Ebene der Geschäftsführung eingerichtet und mit einem langjährigen in unserem Hause tätigen Experten, Herrn Roy Brümmer besetzt haben. Unsere Auftragspipeline im Asset Management ist gut gefüllt, und wir rechnen auch mit weiteren Aufträgen zum Erwerb von Immobilien für nationale und internationale Investoren sowie für unseren Mutterkonzern Swiss Life. Neben Erwerbungen im Auftrag von Kunden kommt Corpus Sireo bei attraktiven Portfolios grundsätzlich auch als Co-Investor infrage.

Wie lautet Ihre Empfehlung für Investoren, die aktuell am deutschen Markt auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten sind?

Ingo Hartlief: In der aktuellen Situation ist es sicherlich gut, in Assets zu investieren, die nicht ganz im Mainstream liegen und bei denen die Preise noch nicht so stark gestiegen sind. Investitionen sollten also nicht unbedingt im CBD einer der Top-Metropolen erfolgen, sondern eher regional breiter gestreut. Das ermöglicht bessere Einstandspreise und bietet mehr Entwicklungspotenzial, erfordert gleichzeitig aber auch ein umfassenderes Know-how im Hinblick auf das Asset Management und auf die lokalen Märkte. Deshalb würde ich insbesondere ausländischen Investoren immer empfehlen, sich hier vor Ort einen professionellen Asset Manager zu suchen, der einen entsprechenden Track-Record nachweisen kann und die lokalen Märkte im Detail kennt.

Herr Hartlief, herzliche Dank für das Interview!

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Erstveröffentlichung: The Property Post, 12. März 2015