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Unterschätztes Smart Home

Dr.-Ing. Christian Bogatu, Gründer und Mitglied des Beirats, KIWI.KI GmbH
Dr.-Ing. Christian Bogatu

Ein Großteil der Wohnungswirtschaft unterschätzt die Bedeutung von Smart Home für die künftige Vermietbarkeit von Immobilien. Das unterstreicht eine Studie der SmartHome Initiative Deutschland unter 500 Entscheidern aus der Wohnungswirtschaft. 80 % der Befragten glauben, dass ihre Mieter Smart Home-Lösungen noch nicht akzeptieren würden. Fast zwei Drittel der Befragten meinen, dass im Jahr 2020 maximal 10 % der Wohnungssuchenden gezielt nach Smart Home-Lösungen fragen werden. Ein Fünftel glaubt sogar, dass es nur maximal 5 % sein werden.

Bald Kriterium bei Wohnungssuche

Meiner Einschätzung nach ist die Akzeptanz von Smart Home-Lösungen bereits heute sehr hoch, wenn sie einen echten digitalen Zusatznutzen bringen und damit unser Leben vereinfachen und verbessern, sicherer machen oder Kosten sparen. Schon in wenigen Jahren werden mehr als die Hälfte der Wohnungssuchenden bestimmte Smart Home-Lösungen als Suchkriterium haben. Je nach Region und der jeweiligen Verfügbarkeit von Wohnraum kann es sogar ein K.O.-Kriterium sein, wenn eine Wohnung keine Smart Home-Lösungen zu bieten hat.

Studien belegen hohes Nutzerinteresse

Dass die Zahlen viel höher ausfallen werden als von der Wohnungswirtschaft angenommen, lässt auch eine Umfrage der GfK vermuten, bei der Ende 2015 rund 1.000 Internetnutzer in Deutschland befragt wurden: 43 % glauben demnach, dass Smart Home-Anwendungen in den kommenden Jahren den größten Einfluss auf ihr Leben haben werden.

Eine weitere Umfrage von Fittkau & Maaß Consulting unter 3.500 deutschen Internetnutzern zeigt, dass jeder Zweite am Einsatz von Smart Home-Anwendungen interessiert ist. 52 % der Smart Home-Interessenten sind übrigens Mieter. Interessant sind auch die Nutzungsmotive: 74 % der Eigentümer und 61 % der Mieter wollen Smart Home-Technologie nutzen, um ihre Wohnung oder ihr Haus sicherer zu machen. Aber auch ein Plus an Komfort ist für knapp 60 % der Mieter und Eigentümer ein wichtiger Nutzen von Smart Home.

Branche hat Nutzen noch nicht erkannt

Vor dem Hintergrund dieser Umfrageergebnisse ist es erstaunlich, dass nur 12 % der Entscheider in der Wohnungswirtschaft bei der Umfrage der SmartHome Initiative Deutschland angaben, bei Neubauprojekten bereits Smart Home-Lösungen einzuplanen. Ich halte es schon heute für unerlässlich, in einem Neubau und gerade auch bei Modernisierungen sowie bei Leerstandsanierung über Smart Home-Technologie einen digitalen Nutzen zu stiften.

Die zitierte Studie zeigt, dass viele Kollegen aus der Wohnungswirtschaft vor allem die Geschwindigkeit unterschätzen, mit der sich künftig Smart Home-Lösungen im Markt etablieren werden. Dies ist vor allem darin begründet, dass Smart Home fälschlicherweise oft als unnützer „Schnick Schnack“ abgetan wird.

Digitaler Zusatznutzen entscheidend

Da müssen sich die Smart Home-Hersteller an die eigene Nase fassen, denn jahrelang wurden leider recht unnütze Smart Home-Szenarien dargestellt, wie Kühlschränke, die Milch nachbestellen oder sprechende Wasserkocher und Badewannen, die im Grunde aktuell kein Mensch wirklich braucht. Dabei geht es bei Smart Home-Lösungen vor allem darum, Komfort und Sicherheit der Bewohner zu erhöhen oder Kosten zu reduzieren. Kurzum: Es geht um den digitalen Zusatznutzen. Wenn beispielsweise durch ein intelligentes Türzugangssystem wie KIWI die Bewohner das Haus jederzeit betreten können, ohne umständlich nach dem Schlüssel zu suchen müssen, dann ist das ein Gewinn an Komfort und ein digitaler Zusatznutzen.

Wir haben es zudem mit einer immer älter werdenden Bevölkerung zu tun, die möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben möchte. Nach unseren Erfahrungen, sind es oft ältere oder körperlich eingeschränkte Menschen, die offen für Smart Home-Lösungen sind. Vorausgesetzt natürlich, sie erkennen einen klaren Komfortgewinn für sich. Komfort hat eine sehr starke Gravitationskraft. So werden sich solche Produkte und Dienstleistungen schnell durchsetzen, schneller als die Wohnungswirtschaft erwartet.

Smarte Gebäude sind besser vermietbar

Die Wohnungswirtschaft kann sogar Kosten einsparen, wenn sie Smart Home Lösungen richtig anwendet. Wer „smart“ ist, profitiert also gleich doppelt. Ich bin mir sicher, dass die profitable Vermietbarkeit von Wohnraum schon bald davon abhängen wird, wie „smart“ das Gebäude und die jeweilige Wohnung ist und welcher digitale Zusatznutzen geboten wird.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von KIWI.KI GmbH
Erstveröffentlichung: The Property Post, Dezember 2016