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Risikobereitschaft steigt

B- und C-Standorte rücken in den Fokus der Investoren

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B- und C-Standorte sowie die Ballungszentren außerhalb der Metropolen rücken immer stärker in den Fokus von Immobilieninvestoren. Das ist eines der Ergebnisse des 3. Expertentalks von Engel &Völkers Investment Consulting zum Thema „Boom – und kein Ende in Sicht? Wie institutionelle Anleger in der Hochpreisphase in Wohnimmobilien investieren“, der auf der Expo Real 2016 in München stattfand. Dabei diskutierten sieben Vertreter der Immobilienbranche die Investitionsstrategien institutioneller Anleger auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt. Neben den Gastgebern Felix von Saucken und Kai Wolfram, Geschäftsführende Gesellschafter der Engel & Völkers Investment Consulting GmbH, nahmen Martin Eberhardt, Geschäftsführer von Bouwfonds Investment Management Deutschland, Francesco Fedele, Vorstand der BF.direkt AG, Lars Bergmann, CEO der IMMOVATION AG, Thomas Hegel, Vorstandsvorsitzender der LEG Immobilien AG, sowie Claudia Hoyer, COO der TAG Immobilien AG, an dem Expertentalk teil.

A-Standorte für Investoren teilweise zu teuer

„Grundsätzlich können in allen Märkten noch sinnvolle Investitionen in Wohnimmobilien getätigt werden. In einzelnen Top-Standorten wie München und Berlin sind die Preise jedoch in Größenordnungen vorgedrungen, die langfristig rentable Investitionen fraglich erscheinen lassen“, kommentierte Thomas Hegel, Vorstandsvorsitzender der LEG Immobilien AG, die jüngsten Marktentwicklungen. Parallel dazu werden Standorte außerhalb der Metropolen attraktiver. „Abseits der großen Metropolen, in denen mittlerweile mit Vervielfältigern von weit über dem 20-fachen gehandelt wird, kann man auch heute noch gute Einstiegsmöglichkeiten finden“, erläuterte Claudia Hoyer, COO der TAG Immobilien AG. Das sah auch Martin Eberhardt, Geschäftsführer von Bouwfonds IM, so: „Vor allem in sogenannten Schwarmstädten gibt es trotz der anziehenden Preise große Chancen. Denn gerade hier werden die Mieten aufgrund der hohen Nachfrage tendenziell weiter steigen“. „Künftig werden auch C-Standorte als Investment immer interessanter werden, wenn über den Erhalt des Vermögens hinaus auch eine Rendite gewünscht wird“, ergänzte Lars Bergmann, CEO der Immovation AG. „Wir begleiten gerne Projekte an C-Standorten bei der Finanzierung, auch wenn man den Mikrostandort genau betrachten muss. Denn hier sind die Renditen in der Regel höher und stabiler“, fügte Francesco Fedele, Vorstand der BF.direkt AG, hinzu.

„Ein wichtiger Grund für das Ausweichen auf B- und C-Standorte ist – neben den zum Teil überteuerten Preisen in den Top-Standorten – auch die Tatsache, dass an den A-Standorten kaum noch attraktive Portfolien zum Kauf angeboten werden, der Investitionsdruck aber angesichts der niedrigen Zinsen und fehlender Anlagealternativen nicht nachlässt“, fasste Kai Wolfram, Geschäftsführender Gesellschafter der Engel & Völkers Investment Consulting, seine Beobachtungen am Markt zusammen. „Daher erhöhen viele institutionelle Investoren zurzeit ihren Wohnimmobilienanteil in B- und C-Standorten im Portfolio.“

Preise bis zur 25-fachen Jahresnettokaltmiete und Investitionsvolumina bis zu 100 Millionen Euro möglich

Einig waren sich die Experten, dass der anhaltende Nachfragedruck die Kaufpreise weiter befeuern wird. „Bei Bieterverfahren haben wir Vervielfältiger bis zum 25-fachen auf dem Markt erlebt“, stellte Hoyer fest. „Wir dagegen konnten unsere Ankäufe aus den vergangenen Jahren zum acht bis 12-fachen der Jahresnettokaltmiete beurkunden.“ Bergmann erklärte: „Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Investoren Summen in der Größenordnung von bis zu 100 Millionen Euro investieren wird.“ Einschränkend fügte er jedoch hinzu, dass der deutsche Immobilienmarkt die Nachfrage der Investoren nicht ausreichend decken können dürfte.

Bedeutung von Spezialimmobilien wie Student Housing oder Pflegeimmobilien nimmt zu

Die Expertenrunde sah Nischenprodukte wie Studentisches Wohnen oder Pflegeimmobilien derzeit auf dem Vormarsch. Investoren schätzten die Nischenmärkte als attraktive Anlagemöglichkeiten. „Allerdings ist die Komplexität in diesen Immobilienklassen höher, was in der Regel auch höhere Verwaltungskosten nach sich zieht. Das gilt vor allem dann, wenn diese Nutzungsarten in ein klassisches Wohnportfolio aufgenommen werden“, erläuterte Hegel. „Sonderimmobilien sind aber keineswegs automatisch attraktivere Investments. Auch hier gilt, dass es wesentlich auf den Mikro-Standort ankommt. Faktoren wie die regionale demografische Entwicklung, die Infrastruktur und die Versorgung im Umfeld der Objekte spielen dabei eine große Rolle“, merkte Bergmann an. Eberhardt sah die Situation etwas anders: „Der Bedarf an studentischem Wohnraum wird nicht nur wegen der steigenden Studierendenzahlen weiter wachsen. Auch die Nachfrage von Singles, die zunehmend auch Mikrowohnungen nachfragen, macht sich in diesem Segment immer stärker bemerkbar. Studentenapartments weisen einen Renditespread von bis zu 150 Basispunkten gegenüber klassischen Wohnimmobilien auf und sind gut geeignet, um innerhalb der Assetklasse Wohnen zu diversifizieren. Der Verwaltungsaufwand mag größer sein als bei klassischen Wohnimmobilien, doch gilt das auch für die Renditen, – und zwar bei etwa gleicher Volatilität.“ „Die Nischen werden immer kleiner. Student Housing und Co. werden bei institutionellen Investoren immer salonfähiger. Mittlerweile stellt sich die Frage, ob man überhaupt noch von Nischenprodukten sprechen kann“, resümierte Wolfram seine Gespräche mit kaufwilligen Investoren.

Renditeerwartungen von 3,5 bis 5 Prozent an A-Standorten unrealistisch hoch

Die Experten sahen nach dem kontinuierlichen Preisanstieg der vergangenen Jahre die Grenze an den traditionellen A-Standorten wie München oder Hamburg größtenteils erreicht. „Eine Rendite in der von vielen Investoren gewünschten Größenordnung von 3,5 bis 5 Prozent ist dort zunehmend unrealistisch“, kommentierte Bergmann. „Investoren, die mit Renditen von mehr als 5 Prozent rechnen, müssen deshalb künftig an B- oder C-Standorten investieren, wenn sie ihre Renditeziele erreichen wollen.“ „Wenn die Objekte sorgfältig ausgewählt werden, muss das Ausweichen auf B- oder C-Standorte nicht zwingend mit einem erhöhten Risiko einhergehen“, ergänzte Wolfram.

Die Mieten steigen allerdings langsamer als die Wohnungspreise, sodass die Mietrenditen entsprechend nachgeben. „Immer häufiger werden in Großstädten nur noch Mietrenditen von rund 3 Prozent pro Jahr erreicht. In München sind es oft sogar nur noch 2,5 Prozent. Aber abseits der üblicherweise favorisierten Städte können Investoren durchaus noch Mietrenditen von 6 Prozent und mehr realisieren“, sagte Bergmann. „Wir erzielen nachhaltig über 3 Prozent jährliches Mietwachstum an unseren B- und C-Standorten“, berichtete Hoyer. Etwas konservativer kalkulierte Hegel: „Wie aus dem LEG-Wohnungsmarktreport NRW 2016 hervorgeht, betrug die durchschnittliche Mietsteigerung in NRW von 2014 bis 2015 rund 2,1 Prozent. Ähnliche Größenordnungen erwarten wir auch für die Zukunft. Allerdings verläuft die Entwicklung insgesamt sehr heterogen, und wir sehen eine große Spanne. Während die Mieten zum Beispiel im Kreis Düren um rund 15 Prozent gestiegen sind, gingen sie zur selben Zeit im Kreis Höxter um etwa 4,6 Prozent zurück. Der Blick auf die lokalen Details ist also unerlässlich.“

Investoren nützen günstige Finanzierungsbedingungen

Im Durchschnitt finanzieren die meisten institutionellen Investoren mit einem LTV von rund 60 Prozent, so die mehrheitliche Einschätzung der Experten. Bergmann registrierte allerdings angesichts der Niedrigzinsen zunehmend auch Fremdkapitalaufnahmen im Bereich zwischen 60 und 75 Prozent des Immobilienwertes. „Neben der klassischen Bankenfinanzierung nutzen Investoren verstärkt auch Mezzanine-Kapital oder Club-Deals. Die Big Deals werden sogar nicht mehr über die Banken abgewickelt, sondern auf anderen Wegen, beispielsweise durch Versicherer, finanziert“, erläuterte Fedele.

Risikobereitschaft steigt angesichts fehlender Anlagealternativen

Aufgrund der stetigen Verknappung des Immobilienangebots, der fehlenden alternativen Anlagemöglichkeiten sowie des dauerhaft niedrigen Zinsniveaus ist die Risikobereitschaft bei Investoren gestiegen. „Angesichts drohender Blasengefahr in manchen Regionen und Städten ist es für Investoren ratsam, den Markt differenzierter als bisher zu betrachten. Künftig wird es darum gehen, noch solche Objekte zu finden, die für das Investitionsziel ein angemessenes Rendite-Risiko-Verhältnis aufweisen“, kommentierte Bergmann. Fedele sah auch auf der Bankenseite eine potenzielle Gefahr: „Die Banken gehen inzwischen aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks untereinander deutlich mehr Risiken ein und nehmen teilweise nicht risikoadäquate Preise bei der Vergabe von Krediten.“

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Engel & Völkers Investment Consulting GmbH
Erstveröffentlichung: The Property Post, Oktober 2016