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Co-Working in Deutschland

Ein Investment wert?

Karsten Jungk, MRICS, Geschäftsführer und Partner, Wüest Partner Deutschand GmbH
Karsten Jungk, MRICS

Freizeit und Arbeiten verschmelzen zunehmend miteinander. Bereits vor einigen Jahren prognostizierten Forscher vom Fraunhofer-Institut, dass in Zukunft deutlich mehr flexiblere Arbeitsformen nachgefragt werden. Scheinbar als Antwort darauf sind sogenannte Co-Working-Spaces mit ihren 24/7-Services vor allem in den deutschen Metropolen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Doch welche Zukunftsaussichten haben diese neuen Bürokonzepte?

Die Idee der Co-Working-Spaces ist so einfach wie genial: Flexibel zur Verfügung stehende Arbeitsplätze und ein kreatives Umfeld sollen bspw. Freiberuflern ein inspirierendes Arbeiten in der Community ermöglichen. Der Bedarf an diesen Angeboten, vor allem in den deutschen Metropolen ist groß. Und so ist in Deutschland ein starkes Wachstum zu beobachten. Hamburg, Berlin und Frankfurt liegen sogar mit 50 bis 60 Prozent deutlich über den internationalen Wachstumsraten dieser sogenannten „flexible Workspaces“. Derzeit sind deutschlandweit etwa 60 neue Standorte mit rund 24.000 Arbeitsplätzen geplant.

Doch wer „flexible Workspace“ sagt, meint nicht immer Co-Working. Denn neben diesem Begriff zählen auch sogenannte Business Center sowie die Mischform aus beiden zu den flexiblen Arbeitswelten. Alle drei unterscheiden sich je nach Größe, Standort, Flächenangeboten, Preisen und der Nutzerschaft voneinander. Für Investoren besonders interessant sind Business Center und Hybrid-Formen, wie bspw. das Modell von WeWork, da diese in erster Linie von professionellen Betreibern bewirtschaftet werden, während die Betreiber von reinen Co-Working-Spaces häufig eher semiprofessionell aufgestellt sind und nicht zwingend eine Expansion ihrer Flächen anstreben. Business Center und Hybrid-Konzepte sind kommerzieller geprägt, verfügen über größere Flächenangebote, höhere Preise und in diesem Zusammenhang über eine meist bessere wirtschaftliche Grundlage. Zudem bieten sie der vermeintlich zahlungskräftigeren Zielgruppe der Unternehmen i.d.R. optimalere Nutzungsmöglichkeiten.

Zu den Kunden von Business Centern, die zwischen 900 und 1.600 m2 Fläche verfügen, gehören in erster Linie Unternehmen und Freiberufler, die hochwertig ausgestattete Einzel- und Teambüros in Verbindung mit professionellen Büroservices nachfragen. Co-Working-Spaces sind vor allem bei Start-Ups und Freelancern mit ihren kreativitätsfördernden Open-Space-Bereichen im trendigen Design beliebt. Diese Konzepte weisen mit 200 bis 500 m2 eher kleinere Flächen auf. „Hybride Workspaces“ bieten ein Angebot aus einzelnen Büros sowie Arbeitsplätze im Open-Space-Bereich. Einige Nutzflächen können hier schon einmal 10.000 m2 groß sein. Insgesamt agieren deutschlandweit zwischen 250 und 300 Betreiber an über 350 Standorten. Unter den zehn größten Betreibern befinden sich jedoch ausschließlich Anbieter von Hybrid-Konzepten und Business Centern wie Regus, Design Offices oder rent24.

Die Nachfrage nach „flexible Workspaces“ wird auch künftig weiter steigen. Insbesondere Unternehmen werden verstärkt temporär, aber auch langfristig auf diese Konzepte zurückgreifen. Die hohe Wettbewerbsintensität kann allerdings auch ein Abfallen der Preise bewirken. Investoren sind daher gut beraten, wenn sie flexible Workspaces nicht als möglicherweise risikoreiche Ankermieter, sondern als attraktivitätssteigerndes, ergänzendes Angebot zur klassischen Büronutzung in Betracht ziehen. Denn die angebotenen Eventflächen, Arbeitsplätze und Dienstleistungen werden auch von anderen Mietern wohlwollend in Anspruch genommen.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Wüest Partner Deutschland
Erstveröffentlichung: Fondsnews, Oktober 2018

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