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11.04.2023

ESG-Reporting – Es wird Zeit!

Viele Unternehmen in der Immobilienbranche schieben das Thema ESG immernoch auf die lange Bank

Thomas Heidelberger, Geschäftsführer, REICON Consulting
Thomas Heidelberger

Viele Unternehmen in der Immobilienbranche schieben das Thema noch immer ESG auf die lange Bank. Doch um die eigene Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitgeberattraktivität zu sichern, sollte jeder Marktteilnehmer nicht nur eine Nachhaltigkeitsstrategie zu ihren Objekten, sondern insbesondere zu ihrem Unternehmen veröffentlichen. Ein Teil der Branche – vor allem größere Unternehmen – haben dies bereits für sich umgesetzt. Doch viele scheinen nicht den richtigen Ansatzpunkt zu finden und hadern mit der Entwicklung. Dabei sollte Nachhaltigkeit schon längst keine lästige Pflicht, sondern ein elementarer Bestandteil der Unternehmenskultur und auch der Produkte und Services sein.

Herr Heidelberger, wie ist Ihre Wahrnehmung bei der ESG-Berichterstattung?
T. Heidelberger:
Ich beobachte hier eine Zweiteilung: Viele größere Unternehmen haben schon längst damit begonnen und ihr Berichtswesen angepackt. Das sind aber wirklich nur die größeren Immobilienunternehmen, die z. B. börsennotiert sind.

Auf der anderen Seite stehen viele mittelständische Unternehmen, die teilweise Immobilienvermögen bis zu einer Milliarde Euro managen. Diese Gruppe hat die Relevanz jedoch noch nicht erkannt und sie wissen häufig nicht, wie sie das Thema angehen sollen. Dabei konzentrieren sich die Vertreter dieser Gruppe vornehmlich auf die ökologischen Gesichtspunkte – und vergessen dabei die S- und G-Kriterien.

Für viele ist das zentrale Thema die Dekarbonisierung, um ihre Objekte für ESG-Scorings vorzubereiten. Doch auch hier bedarf es einer Angabe von S- und G-Merkmalen. Ohne eine Berücksichtigung dieser beiden Merkmale gibt es kein gutes Scoring. Dabei sind diese Kriterien häufig viel leichter umzusetzen, als die E-Kriterien, die mit einem hohen Investitionsbedarf einher gehen.

Es gibt also einen klaren Unterschied zwischen ESG-Berichten auf Unternehmens- und auf Objektebene. Wird dieser Unterscheid erkannt?
T. Heidelberger:Leider nicht. Wir hängen oft an dem Punkt fest, dass Unternehmen das Pferd von hinten aufzäumen möchten und beim einzelnen Objekt anfangen. Das funktioniert aber nicht, wenn eine langfristige ESG-Strategie verfolgt werden soll, da es unverzichtbar ist, das ganze Unternehmen einzubeziehen.

Häufig beobachte ich diesen Fehler bei Projektentwicklern. Bei ihnen ist ein Objekt immer ein Projekt, also eine Objektgesellschaft. Aber die Objektgesellschaften haben einen Nachteil: Sie haben keine Personen. Daher können die S- und G-Themen nicht abgebildet werden. Und ohne S und G, kann kein Scoring bei den wichtigen ESG-Systemen ECORE oder GRESB erstellt werden.

Wenn diese Kriterien aber bereits auf Unternehmensebene festgelegt wurden, kann in der ESG-Strategie der Objektgesellschaften darauf verwiesen werden.

Viele Kunden fordern bei der Beauftragung den Nachweis einer ESG-Strategie. Ist dies also zu einem Wettbewerbsvorteil geworden?
T. Heidelberger: Viele angelsächsische Unternehmen, die hier in Deutschland vertreten sind, verlangen bei der Beauftragung für ihre Objekte, dass die Dienstleister eine Nachhaltigkeitsstrategie bzw. einen Nachweis erbringen, wie sie im ESG-Bereich aufgestellt sind. Das gleiche gilt auch für die öffentliche Hand, die dies in ihren Ausschreibungen fordert. Insbesondere die Baubranche muss hier sehr transparent agieren und u. a. ihr Lieferkettensystem nachweisen - sowie die Einhaltung von Arbeitsrechten ihrer Subunternehmen. Wer hier nichts vorzuweisen hat, verliert und wird vom Wettbewerb abgehängt.

Wie schwierig ist es eine Nachhaltigkeitsstrategie zu erstellen?
T. Heidelberger: Aus unserer aktuellen Kundenumfrage wissen wir, dass dies sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Es hängt stark davon ab, wie sehr sich das Unternehmen bereits mit Nachhaltigkeit beschäftigt, Prozessbeschreibungen und Benefits entwickelt und sich generell digital aufgestellt hat. Auch die personellen Ressourcen spielen eine gewichtige Rolle. Nicht jedes Unternehmen kann einen ESG-Beauftragen zur Strategieentwicklung freistellen.

Wie kann REICON hier unterstützen?
T. Heidelberger: Prinzipiell stehen wir für alle Bedarfe um das ESG-Thema als Partner beratend zur Seite. Im Kern ist das wichtigste Ziel anzufangen und Nachhaltigkeit als elementarten Bestandteil der Unternehmensphilosophie zu integrieren. So ein Bericht muss nicht von heute auf morgen stehen, sondern muss entwickelt und schrittweise integriert werden. 

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von REICON Consulting
Erstveröffentlichung: Zitate in Immobilien Aktuell vom 20.03.2023

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