28.03.2022

Umziehen ohne Möbelwagen

Home Staging auch in Leipzig immer beliebter

Theresa Kaufmann, Immobilien-Beraterin, Black Label Immobilien
Theresa Kaufmann

Passt das Sofa in diese Ecke? Wie wirkt der Schrank in diesem Raum? Viele Leute spielen bei Wohnungsbesichtigungen bereits die Einrichtungsmöglichkeiten im Kopf durch. Um die Entscheidung zu erleichtern, ist in den USA deshalb schon in den 1970er Jahren die Idee des Home Stagings entstanden, also fertig-möblierte Wohnungen anzubieten. In Deutschland hat dieses Konzept erst in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen. Black Label Immobilien mit seinem neuen Büro in Leipzig gehört zu den wenigen Maklern, die Home Staging regelmäßig anbieten. In unserem Interview verrät Immobilien-Beraterin Theresa Kaufmann, warum Home Staging in Deutschland einen schwierigen Stand hat, welche Vorteile es bietet, und ob sie selbst in eine solche Wohnung einziehen würde.

In Deutschland konnte man mit dem Begriff Home Staging lange Zeit nichts anfangen. Wie erklären Sie das Konzept Interessenten, die noch nichts davon gehört haben?
Wir müssen bei diesem Thema tatsächlich noch öfter Nachhilfe geben. Aber das ist auch verständlich, schließlich hat sich Home Staging noch lange nicht durchgesetzt in Deutschland, aber wir befeuern den Trend, weil wir glauben, dass es eine große Zukunft dafür gibt. Die wenigsten Leute können sich vorstellen, wie eine leere Wohnung mit kahlen Wänden wohnlich wird. Dafür gibt es professionelle Innendesigner, die Immobilien herrichten, die zum Verkauf stehen. Die haben sogar einen eigenen Berufsverband, um das Thema präsenter in der Öffentlichkeit zu machen.

Wie genau funktioniert Home Staging?
Es gibt zwei Ansätze. Bei der einen Variante werden die Wohnungen mit Möbeln, die täuschend echt sind, aber aus Pappe bestehen, dekoriert. Damit bekommen die Käufer schon mal einen Eindruck, wie die Wohnung eingerichtet werden könnte. Diese Pappmöbel werden dann natürlich wieder eingesammelt und in der nächsten Wohnung aufgebaut. Dann gibt es noch die Möglichkeit, die Wohnungen einfach fertig saniert und durch einen professionellen Innendesigner eingerichtet zu verkaufen. Mit Möbeln, Bildern an der Wand und Gardinen vor den Fenstern. Das bleibt dann einfach alles in der Wohnung und wird mit verkauft.

Und Black Label Immobilien bietet beide Varianten an?
Genau, wir bieten beide Formen des Home Stagings an und konnten dadurch schon einige Erfahrungen sammeln. Wir haben festgestellt, dass beide Varianten ihre Vor- und Nachteile haben. Wohnungen mit Pappmöbeln auszustatten ist natürlich kostengünstiger. Außerdem lassen sich solche Möbel auch schnell mal umstellen. Möblierte Wohnungen werden dagegen direkt stilsicher ausgestattet, und die Käufer bzw. Interessenten identifizieren sich im Idealfall schnell mit der Wohnung und bekommen Lust, gleich einzuziehen.

Wie ist das Feedback der Kunden bislang ausgefallen?
Mit der Papp-Variante haben wir schon oft gearbeitet, die meisten Reaktionen waren positiv, einige Kunden konnten sich aber auch nicht damit anfreunden. Ein Großteil unserer Kunden fand es hilfreich, eine auf diese Art eingerichtete Wohnung anzuschauen und nicht nur durch leere Räume zu laufen. Manche Interessenten finden es besser, echte Möbel vor sich zu haben, dann können sie auch mal Platz nehmen und die Wohnung auf sich wirken lassen.

Was meinen Sie? Wo wird die Reise hingehen?
Wir haben unseren Fokus eher von Möbelattrappen auf fertig möblierte Wohnungen verlagert. Wir arbeiten da mit einem sehr professionellen Anbieter zusammen, der sich auf verschiedene Käufergruppen einstellen kann und gute Lieferanten hat. Ein sanierter Altbau muss ja anders eingerichtet werden als ein topmoderner Neubau. Das Feedback der Käufer ist bei fertig eingerichteten Wohnungen positiv, aber es gibt in Sachsen natürlich auch einige Skeptiker an diesem Konzept. Zielgruppe sind momentan eher professionelle Investoren oder auch Selbstnutzer im hochpreisigen Segment. Also meist Leute, die beruflich nach Leipzig kommen.

Ein gut durchdachter Immobilienkauf ist ja generell nicht verkehrt. Welche Vorteile gibt es für die Käufer?
Grundsätzlich erleichtert Home Staging den Einzug. Die Wohnung ist ja fix und fertig, somit kann der Käufer seine neuen vier Wände direkt beziehen, ohne Touren durch Möbelhäuser und Baumärkte zu unternehmen. Hinzu kommt, dass Wohnungskäufer keine Kreativität spielen lassen müssen, sondern direkt sehen, was sie bekommen. Große Vorerfahrung in Architektur oder Raumdesign ist nicht notwendig, und dennoch gibt es häufig einen echten Wow-Effekt, wenn Besuch vorbeikommt. Schließlich ist das immer eine Wohnung, die ein professioneller Innenausstatter eingerichtet hat.

Und wie sieht es auf der anderen Seite aus, welche Vorteile gibt es für die Verkäufer?
Ein großer Vorteil für die Verkäufer ist, dass sie eine direkte Resonanz erhalten und die Wohnungen im Durchschnitt schneller verkauft werden. Das bedeutet eine große Zeitersparnis, Besichtigungstermine können reduziert werden. Außerdem ist es mit Home Staging möglich, bis zu 15 Prozent höhere Verkaufspreise zu erzielen. Voraussetzung für alles ist natürlich, dass das Home Staging mit hoher Qualität vorgenommen wurde und den Geschmack des Käufers trifft.

Würden Sie auch selbst in so eine Wohnung einziehen, die andere für Sie eingerichtet haben?
Ja klar, warum auch nicht, das Wichtigste ist ja, dass man sich in der Wohnung wohlfühlt. Und bei unseren Home Staging-Projekten war schon so manches Objekt dabei, in das ich sofort eingezogen wäre. Unsere ausländischen Nachbarn machen es uns ja bereits vor. Dort gibt es deutlich weniger Vorbehalte gegenüber Home Staging, und ich denke, dass auch die Deutschen in Zukunft vermehrt auf die Möglichkeit zurückgreifen werden.

 

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Black Label Immobilien
Erstveröffentlichung: The Property Post, März 2022

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