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Bauteams für BIM

Trennung von Planung und Ausführung ist längst überholt

Thorsten Krauß, CEO, UNDKRAUSS Bauaktiengesellschaft
Thorsten Krauß

Die Willenserklärung der Politik, BIM konsequent als verpflichtende Planungsmethode einzuführen, ist nur Schall und Rauch. Die meisten Planungsbüros können den Aufwand der Digitalisierung mittelfristig nicht stemmen – 80 Prozent von ihnen bestehen aus weniger als fünf Mitarbeitern. Bauunternehmen könnten als BIM-Manager einspringen, doch die Planung dürfen sie nur in Ausnahmefällen mitgestalten. BIM muss endlich dazu führen, die aus der Zeit gefallene Trennung von Planung und Ausführung abzuschaffen.

Bis 2020 sollen nach dem Willen der Bundesregierung alle Bauprojekte des Bundes mit der BIM-Methode realisiert werden. Ein lobenswerter Schritt: Deutschland, so die Hoffnung, werde endlich auf den Zug digitalen Bauens aufspringen, der Bund gebe die Marschrichtung für die Wirtschaft vor, Bauen werde hierzulande günstiger, schneller und effizienter.

Doch es gibt ein massives Rahmenproblem: Die gesetzliche Realität mit ihrer fein säuberlichen Trennung von Planung und Ausführung, in der der Architekt in vollkommener Autonomie über dem Projekt schwebt, steht in diametralem Gegensatz zum Kern von BIM. Denn das digitale Planen und Bauen mittels eines gemeinsamen Modells bringt vor allem eine neue Kommunikation mit sich. Planer und Ausführende sitzen von der ersten Idee bis zur schlüsselfertigen Übergabe im selben Boot und tragen gemeinsame Verantwortung.

Die Vergabeordnung von Bund und Ländern spricht aber eine andere Sprache. Leistungen sind in Teil- und Fachlose zu vergeben, die Gewerbeordnung fokussiert sich vor allem auf die Bewahrung mittelständischer Interessen. Damit wird suggeriert: Immer wenn Bauprojekte an Generalunternehmer oder Generalplaner vergeben werden, kommen international agierende Baukonzerne zum Zuge und schaden dem deutschen Mittelstand.

Die Realität freilich sieht anders aus. Der deutsche Bausektor ist mehr denn je mittelständisch geprägt. Die fünf größten Bauunternehmen haben zusammen gerade einmal ein Prozent Marktanteil. Zudem ist die Planerzunft in Deutschland ein Flickenteppich mit über 134.000 Architekten, von denen 80 Prozent in Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Mitarbeitern agieren. Nur jeder fünfte von ihnen pflegt eine formelle Kooperation mit anderen Büros.

BIM gibt es jedoch nur mit BIM-Manager, also einer koordinierenden Stelle mit finanzieller Ausstattung und Fachkenntnis. Grob geschätzt liegen die Kosten für Einführung und Schulung von BIM-Software bei 100.000 Euro im Jahr. Wenn die meisten Planungsbüros diese Aufgabe nicht stemmen können, sollten Bauunternehmen an ihre Stelle treten. Dann ist es möglich, einen Generalunternehmer als primus inter pares einzusetzen. In den Niederlanden wird dies unter dem Label „Bauteam“ seit Jahren erfolgreich praktiziert. Das Ergebnis: Während Umsatz der Baubranche und Bevölkerung in Deutschland fünf Mal so hoch liegen, ist die Zahl der Unternehmen im Vergleich zu unseren westlichen Nachbarn nur dreimal so hoch. Wettbewerbsverzerrung und Mittelstandsfeindlichkeit sehen anders aus.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von UNDKRAUSS Bauaktiengesellschaft
Erstveröffentlichung: Immobilien Zeitungm, 02.08.2018

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