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2. Design & Build Konferenz

Tagungsbericht

Dr. Ulrich Nagel, Kommunikationsberater / Redakteur The Property Post, RUECKERCONSULT GmbH
Dr. Ulrich Nagel

An der „2. Design & Build Konferenz“ von RUECKERCONSULT nahmen über 170 Entscheidungsträger aus der Bau- und Immobilienwirtschaft teil.  Im Mittelpunkt der Tagung in Berlin stand die Forderung nach mehr Generalübernehmerverträgen, bei denen ein Vertragspartner Planung und Ausführung (Design & Build) verantwortet. Bauprozessmodelle dieser Art würden zu einer erheblichen Vereinfachung von Bauprojekten in Deutschland und zugleich zu einem Kulturwandel am Bau führen – von der Konfrontation zur Kooperation.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Ramsauer, ehemaliger Bundesminister für Verkehr und Bau, forderte eine Reduzierung von Umweltauflagen und von Einspruchs- und Klagemöglichkeiten: „Wir müssen endlich aufwachen und erkennen, dass wir nur mehr dringend benötigten Wohn- und Gewerberaum schaffen können, wenn wir Investoren nicht immer neue Stöcke zwischen die Beine werfen. Es nutzt nichts, wenn wir Regulierungsweltmeister sind und damit Investitionskapital vertreiben oder sich die entstehenden Gebäude weder Bürger noch Unternehmen als Nutzer leisten können.“

Klaus-Peter Hesse, Geschäftsführer des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, begrüßte die Aussagen des CSU-Vorstandsmitglieds Ramsauer und verkündete die Gründung einer Arbeitsgruppe zur Beschleunigung von Bauvorhaben. Eine Vereinfachung des Bauprozesses mahnten weitere Referenten an: „Wir müssen die Baukosten durch eine Verschlankung der Prozesse reduzieren. Ein einziger Vertragspartner des Bauherrn, der die einzelnen Gewerke partnerschaftlich koordiniert, ist der Schlüssel zu schnellem und günstigem Bauen“, sagte Thorsten Krauß, CEO der UNDKRAUSS Bauaktiengesellschaft.

Marcus Becker, Geschäftsführer von Kondor Wessels Bouw Berlin, und Andreas Thamm, Geschäftsführer der OVG Real Estate, nannten die Niederlande als Vorbild für den deutschen Markt. „Mit der dort praktizierten Bauteammethode unter Federführung eines einzelnen Unternehmens gibt es nach Vertragsabschluss eine hundertprozentige Kostensicherheit für den Bauherrn“, so Becker. Steffen Kühn, Niederlassungsleiter Berlin von ISG plc, ergänzte in seinem Partnervortrag mit Thomas Richter von der Kanzlei ARNECKE SIBETH: „Umfassende Transparenz ist die Voraussetzung für ‚Design & Build'. Transparente Einblicke in die Verträge und Rechnungsbücher schaffen das notwendige Vertrauen bei allen Parteien." Johannes Nöldeke, Leiter Baumanagement der BEOS AG, hielt fest: „Auf die Industrie 4.0 folgt das Bauen 4.0 – mit zahlreichen neuen Prozessabläufen. Das beginnt schon bei der Projektplanung, bei der Vergabemodelle wie ‚Design & Build‘ an Relevanz gewinnen. Wichtig dabei sind langfristige Geschäftspartnerschaften und eine gemeinsame Vertrauenskultur.“

Dagegen warnte Prof. Lydia Haack, Landesvorsitzende Bayern des Bundes Deutscher Architekten (BDA): „Wenn Architekten und Fachplaner in die Reihe der Subunternehmer des allein beauftragten Generalübernehmers eingegliedert werden, entfällt ihre Sachwalterstellung für den Bauherrn, da sie nun lediglich die Interessen des Generalübernehmers vertreten müssen. Auch wenn ‚Design & Build‘ auf den ersten Blick verlockend erscheinen mag, sind der damit einhergehende Kontrollverlust und die Nachteile in Bezug auf die Möglichkeiten der Qualitätskontrolle nicht zu rechtfertigen.“

Zu den weiteren Referenten der Tagung zählten unter anderem Reinhard Blaurock, Geschäftsführender Gesellschafter von Vollack, die Bau- und Immobilienjuristin Prof. Dr. Antje Boldt von ARNECKE SIBETH, Markus Lentzler, Geschäftsführer ECE, sowie Dr. Andreas Iding, Geschäftsführer von Goldbeck Public Partner.

Einen Höhepunkt stellte der Projektbericht zum Bau des Fehmarnbelttunnels dar, der nach dem Design & Build-Verfahren gebaut wird. Claus F. Baunkjaer, Chef des dänischen Konsortiums Femern A/S, das bereits zwei Seeverbindungen nach Schweden und Norwegen verantwortete, berichtete von den Herausforderungen beim Bau der bald weltweit längsten Schienen- und Autoverbindung. Nach bereits erfolgter dänischer Zustimmung soll nun das grüne Licht der deutschen Seite erfolgen.

Im kommenden Jahr wird die 3. Design & Build Konferenz verstärkt die Perspektiven von Architekten und Bauherren beleuchten und neue Herausforderungen für die deutsche Bau- und Immobilienwirtschaft von TGA über Personal bis hin zu neuen digitalen Instrumenten thematisieren.

 

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Erstveröffentlichung: The Property Post

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