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Roundtable Co-Working

Experten sehen weiteres Wachstum, aber auch Grenzen des Trends

Lutz Ackermann, Mitglied der Geschäftsleitung / Senior Kommunikationsberater, RUECKERCONSULT GmbH
Lutz Ackermann

Beim Wachstum von Co-Working-Flächen auf dem deutschen Büroimmobilienmarkt ist kein Ende in Sicht. Insbesondere in den Metropolen ist die Nachfrage nach flexiblen Arbeitsplatzlösungen anhaltend stark. Nicht nur Start-ups und Freiberufler, sondern zuneh-mend auch etablierte Unternehmen zieht es in die neuen Bürowelten. Aktuell gibt es in den deutschen Top-7-Städten laut JLL insgesamt rund 764.000 Quadratmeter „Flexible Office Spaces“ an rund 500 Standorten.

Der Co-Working-Boom zahlt sich auch für Immobilieninvestoren und -eigentümer aus: Aus Vermietersicht erhöhen Flexible Office Spaces nicht nur die Attraktivität der Immobilie, sondern ermöglichen auch attraktive Renditen und ein effizienteres Vertragsmanagement gegenüber einer traditionellen, kleinteiligen Vermietung. Einen weiteren Vorteil der Ver-mietung an Co-Working-Betreiber sehen Investoren in längeren Mietvertragslaufzeiten, die dem allgemeinen Trend zu mehr Flexibilisierung und kürzeren Vertragsdauern in der Bürovermietung entgegenwirken. Allerdings äußern sich Investoren und Eigentümer zu-rückhaltend zur weiteren Nachfrageentwicklung.

Das sind einige der Ergebnisse des Presse-Round-Tables „Co-Working – kurzweiliger Trend oder Arbeitsform der Zukunft?“ vom 14. November 2018, an dem Karsten Jungk, Geschäftsführer und Partner bei Wüest Partner Deutschland, Daniel Grimm, Development Director Germany der International Workplace Group (IWG), Dr. Matthias Mittermeier, Managing Partner der Commodus Real Estate Capital GmbH, und Ken Kuhnke, Leiter Vermietungsmanagement der HIH Real Estate GmbH, teilnahmen.

Aktuell in Planung: 60 Standorte mit rund 24.000 Arbeitsplätzen
„Der Anteil der Flexible Office Spaces ist mit einem Prozent am gesamten deutschen Büromarkt noch verhältnismäßig gering, jedoch beobachten wir zurzeit eine außerordentliche Wachstumsdynamik, die Co-Working zum neuen Treiber auf dem deutschen Büromarkt macht“, sagt Marktexperte Karsten Jungk, Geschäftsführer und Partner von Wüest und Partner Deutschland. Der jährliche Vermietungsumsatz bei professionellen Co-Working-Centern in den Top-7-Städten hat sich zwischen 2016 und 2017 laut Colliers von 40.000 auf 200.000 Quadratmeter verfünffacht. Aktuell befinden sich laut JLL deutschlandweit etwa 60 neue Standorte mit rund 24.000 Arbeitsplätzen in Planung. Dabei konzentrieren sich die Standorte auf die Metropolen. Berlin (213.000 Quadratmeter), München (160.000 Quadratmeter) und Frankfurt am Main (112.000 Quadratmeter) sind mit Abstand die größ-ten Flexible Office Space-Standorte in Deutschland.

Co-Working-Fotocredit_Spaces.pngDaniel Grimm, Development Director Germany bei IWG, zu der die führenden Marken Regus und Spaces gehören, sieht das rasante Wachstum seiner Branche in dem allge-meinen Trend zu flexiblen Arbeitsmodellen begründet: „Flexibilität wird zum Kernmerkmal des Arbeitsplatzes der Zukunft. Flexible Büro- und Co-Working-Lösungen sind schon lange kein kurzlebiger Trend mehr. Im Gegenteil: Experten prognostizieren, dass flexible Arbeitsplatzlösungen schneller wachsen als jemals zuvor. Mehr als jeder zehnte Arbeitsplatz in den wirtschaftsstärksten Ländern wird demnach bis 2030 an ein flexibles Arbeitsplatzmodell gekoppelt sein. Für die IWG-Marken wie Regus und Spaces sehen wir daher für die kommenden Jahre ein enormes Wachstumspotenzial.“ Bei der Entscheidung für neue Standorte sind für IWG neben der Objektqualität insbesondere die Mikrolage und die Verkehrsanbindung maßgeblich.


Investoren sehen überwiegend Vorteile, aber auch Grenzen des Trends
Dr. Matthias Mittermeier, Managing Partner der Commodus Real Estate Capital GmbH, sieht vor allem positive Auswirkungen des Trends auf den Büroimmobilienmarkt: „Der Büromarkt wird sich an steigende Erwartungen der Nutzer anpassen müssen. In diesem Prozess sind Co-Working-Betreiber wichtige Partner für uns, mit denen wir neue Bürokonzepte in unseren Objekten verwirklichen können. Bei tendenziell kürzeren Mietvertragslaufzeiten am Büromarkt hat die längerfristige Vermietung an Co-Working-Betreiber einen stabilisierenden Effekt.“ Darüber hinaus übernähmen Co-Working-Center eine wichtige Pufferfunktion bei zyklischen und unternehmensstrategischen Nachfrageschwankungen, so Mittermeier. Commodus hat bereits an mehreren Standorten Co-Working-Flächen vermietet, weitere sind in Planung.

Ähnlich wie Mittermeier sieht es auch Ken Kuhnke, Leiter Vermietungsmanagement der HIH Real Estate GmbH: „Co-Working-Anbieter bereichern die Vermietungsmärkte in den zentralen Lagen der deutschen Top-Städte und schaffen zugleich Raum für neue Ge-schäftsideen. Aufgrund des sich dort sammelnden Kreativpotenzials und eventuell zusätzlicher Flächen sind Co-Working-Spaces oftmals willkommene Nachbarn. Vor allem wachstumsstarke Unternehmen schätzen es, wenn sie gleich nebenan zusätzliche Flächen anmieten, neue Geschäftsbereiche entwickeln und eventuell Mitarbeiter anwerben können.“ Die HIH Real Estate hat Flexible Office Spaces an Betreiber unter anderem in Amsterdam (4.600 und 12.000 Quadratmeter), Hamburg (8.000 Quadratmeter) und Frankfurt (7.000 Quadratmeter) vermietet.
Gleichzeitig richtet sich der Blick der Investoren auch auf die zu erwartenden Grenzen des Co-Working-Booms: „Der Trend hat seine Grenzen. Die Vielzahl der Anbieter lässt an manchen Standorten bereits Kannibalisierungseffekte befürchten, sofern der prognostizierte Anstieg der Nutzer- bzw. Mitgliederzahlen dieser Arbeitskonzepte nicht entsprechend zum neu geschaffenen Flächenangebot passt“, sagt Kuhnke. Mittermeier rechnet damit, dass sich der noch junge Co-Working-Markt weiter ausdifferenzieren und irgendwann konsolidieren wird. „Aus diesem Grund prüfen wir sehr genau die Leistungsfähigkeit der einzelnen Konzepte“, sagt Mittermeier.

In welche Richtung diese Entwicklung gehen könnte, zeigt Karsten Jungk auf: „Besondere Wachstumschancen sehen wir für das ‚Corporate Co-Working‘, eine Form des Co-Workings für etablierte Unternehmen, wobei eigene Co-Working-Spaces entweder inhouse oder bei externen Anbietern angeschlossen werden“, so Jungk. Zudem bewege sich der Trend hin zu großen Flächen ab 2.000 Quadratmetern Größe mit eigenen Eventflächen.

Die vollständige Präsentation der Online-Pressekonferenz kann hier herunter geladen werden: Download (PDF)

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Commodus Real Estate Capital GmbH, HIH Real Estate GmbH, International Workplace Group (IWG), Wüest Partner Deutschland
Erstveröffentlichung: Pressemitteilung am 14.11.2018

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