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05.05.2021

Berlin-Adlershof

Vom Cluster zum dynamischen Quartier

Mareike Lechner, Vorständin, immobilien-experten-ag.
Mareike Lechner

In seinem Buch „The Competitive Advantage of Nations“ (1990) entwickelte der Harvard-Ökonom Michael E. Porter die Idee einer Mikroökonomik des Wettbewerbs. Demnach würden wettbewerbsfähige Cluster entstehen, wenn Unternehmen, die sich ergänzen oder miteinander verwandt sind, in räumlicher Nähe zueinander tätig sind. Durch den persönlichen Austausch von Wissen entstünden gemeinsame Lernprozesse, auf deren Basis Innovationen generiert werden könnten.

Der Wissenschafts- und Technologiestandort Adlershof ist ein gutes Beispiel dafür, wie das in der Praxis aussehen kann. Anfang der 1990er Jahren war die Rudower Chaussee noch teilweise geprägt vom nahegelegenen Mauerstreifen und Niemandsland. Heute sprechen wir von Adlershof als einem der erfolgreichsten Wissenschafts- und Technologieparks in ganz Europa, mit 1.200 ansässigen Institutionen und Firmen, rund 22.000 Mitarbeitern und einer Wirtschaftsdynamik, die ihresgleichen sucht.

Wichtige Bestandteile für den Erfolg des Clusters waren die Überführung von in Adlershof bereits ansässigen Instituten der Akademie der Wissenschaften der DDR in die heute bekannten Großforschungseinrichtungen im Zuge der Wiedervereinigung und die Ansiedlung der naturwissenschaftlichen Fakultäten der Humboldt-Universität zu Berlin auf dem Areal. Der Umzug von 7.000 Studenten, 100 Professoren und fast 600 wissenschaftlichen Mitarbeitern fand sukzessive zwischen 1998 und 2008 statt. Die Vorhut bildeten Ende 1998 Mathematiker und Informatiker, dann erhielten Chemiker und Physiker moderne Laborgebäude und Lehrräume. Darüber hinaus entstand mit dem im Sommer 2003 eröffneten Erwin-Schrödinger-Zentrum ein modernes Kommunikationszentrum. Als letztes Institut verließen 2008 die Biologen ihre Quartiere in Berlin-Mitte und zogen nach Adlershof.

Eine Institution, die quasi von Anfang an in Adlershof ansässig ist, ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Bereits 1912 entstand hier die „Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt“. 1981 gründete die Akademie der Wissenschaften der DDR das Institut für Kosmosforschung (IKF), das sich vor allem spektrometrischer Fernerkundung der Erde und extraterrestrischer Physik widmete. Das IKF-Knowhow floss von 1992 in die neu gegründeten DLR-Institute für Weltraumsensorik und Planetenerkundung ein, die 1999 fusionierten. 2001 kam die Verkehrsforschung als zweiter DLR-Schwerpunkt dazu.
Das DLR forscht in Adlershof beispielsweise zu den Fragen, wie und warum sich die Mobilität in Stadt oder Land verändert, inwieweit alternative Antriebe oder Automatisierung im Fahrzeug akzeptiert werden und welchen Stellenwert sie haben. Zugleich werden an anderer Stelle im Technologiepark besonders kompakte und leistungsfähige Elektromotoren zur Serienreife gebracht. Forschungskapazitäten und Fachkräfte sind somit die wichtigsten Ressourcen im Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof. Sie sind die Basis zahlreicher Innovationen in ganz unterschiedlichen Bereichen.
In den vergangenen 30 Jahren wurde die Infrastruktur am Standort konsequent an den Bedürfnissen von Forschung und Technologieentwicklung ausgerichtet. Aktuelle Beispiele hierfür sind das Angebot an technologieorientierten Gewerbeflächen mit teils hochwertigen Ausstattungsstandards und im Vergleich zu Zentrumslagen sehr günstigen Mieten sowie das neue 5G-Campusnetzwerk, das im zweiten Halbjahr 2021 an den Start gehen wird. Für Nutzer mit speziellen Anforderungen können lokal und temporär individuelle Netzparameter bereitgestellt werden. „Ruckeln“ und Zeitverzögerungen im Datenverkehr gehören dann der Vergangenheit an.

Da Wissen und Innovationen auch zukünftig nicht nur digital generiert und ausgetauscht werden, entsteht in 1A-Lage am S-Bahnhof Adlershof ein Konferenz- und Tagungshotel mit 380 Zimmern und einem weithin sichtbaren 54 Meter hohen Turm. Auswärtige Gäste, die mit ihren Berliner Partner Wichtiges zu besprechen haben, können sich demnächst den Weg in die City sparen. In circa 10 Minuten sind sie vom neuen Flughafen BER an dem Ort, wo in Berlin Zukunft gemacht wird.

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Erstveröffentlichung: The Property Post, Mai 2021

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