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24.05.2022

Macht den Semesterstart zum Baustart

Studierende brauchen dringend Wohnraum

Michael Stapf, CIO, International Campus GmbH
Michael Stapf

Der Nachfrageüberhang bei studentischem Wohnen ist groß, denn noch nie waren so viele Menschen studienberechtigt wie heute. Für rund 3 Mio. in- und ausländische Studierende in Deutschland stehen nur etwa 200.000 private und rund 240.000 öffentliche bzw. karitative Betten zur Verfügung. Der Anteil der Ein- und Zweizimmerwohnungen am Gesamtbestand liegt auch heute noch bei nur etwa 13% – wobei Alleinlebende in den Metropolen weit mehr als die Hälfte der Einwohner ausmachen. Student Housing gehört daher wieder auf die Agenda der Städte.

Studierende sind ein wesentlicher Faktor für Städte und Gemeinden: Sie senken den Altersdurchschnitt, stärken die Zukunftsfähigkeit einer Kommune, haben positiven Einfluss auf den Länderfinanzausgleich, bringen Frische und Tatendrang in die Region – und sind nach dem Studium heißbegehrt auf dem Arbeitsmarkt. Viele Städte haben dies erkannt. Ludwigshafen und Innsbruck z.B. sehen die Notwendigkeit und engagieren sich, die Rahmenbedingungen für private und öffentliche Akteure zu verbessern. In anderen Städten wie Berlin könnte das Thema in seiner Dringlichkeit und Relevanz viel mehr Aufmerksamkeit genießen. Trotz lautstarken Ankündigungen ist in den vergangen fünf Jahren teils nur sehr wenig passiert.

Kommunen könnten einiges tun: eigene Flächen speziell für studentisches Wohnen – gern auch in Erbpacht – mobilisieren, ein an die studentische Nutzung gebundenes Baurecht, die Öffnung von Gewerbegrundstücken für eine längere Wohndauer als sechs Monate speziell für Studierende, die vereinfachte Konversion von Büro- und Handelsimmobilien in studentischen Wohnraum und nicht zu vergessen realistische Schlüssel für Stellplätze und Sharing-Angebote. Ebenso könnten Kommunen vom Baulandmobilisierungsgesetz, das Wohnen auch in Gewerbegebieten möglich macht, viel mehr Gebrauch machen. Bei Quartiersentwicklungen könnte viel häufiger an Studentenwohnungen gedacht werden, häufig passen sie dort perfekt ins Konzept.

Aber auch Projektentwickler sind hier gefordert. So ist es beispielsweise in den Niederlanden gang und gäbe, neben anderen Nutzungsarten auch Studentenapartments bis zur Baugenehmigung zu entwickeln, einen Generalunternehmervertrag vorzuverhandeln und das Paket dann an Investoren zu verkaufen. In Deutschland dagegen kennen viele Developer die Anforderungen der Nutzergruppe wie auch der Investoren oft nur ansatzweise oder halten studentisches Wohnen für den Verkauf an Betreiber und Investoren als nicht geeignet.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von International Campus AG
Erstveröffentlichung: Immobilien Zeitung, Mai 2022

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