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Immobilienwirtschaft 4.0

Experten diskutieren die Zukunft der Branche

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Wie kann die Immobilienwirtschaft sich heute fit machen für morgen? Und welche Voraussetzungen muss sie erfüllen, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein? Diese Fragen diskutierte ein hochkarätig besetztes Experten-Podium auf dem Tag der Immobilienwirtschaft 2015 in Berlin. Den Auftakt bildete ein Impulsvortrag des Trendforschers und Strategieberaters Prof. Bernd Thomsen zum Thema "Trends entzaubern, CFO's verzaubern. Wettbewerbsvorteile und hohe Immobilienwerte schaffen."

Innovation sei notwendig, müsse aber solide und "auf dem Teppich" bleiben, so Thomsen, der sein Publikum ermutigte, nicht kritiklos jedem Trend zu folgen. Vielmehr solle man sich fragen: "Was ist sinnvoll - und was ist Quatsch?" Prognosen als Blick in die Zukunft seien möglich, müssten aber durch eine geeignete Marktforschung verifiziert werden. Entscheidend sei für die Immobilienwirtschaft der aktuelle Paradigmenwechsel, der sich mit der Formulierung "Stilgruppen statt Zielgruppen" auf den Punkt bringen lasse. Dementsprechend gebe es nicht die Immobilie der Zukunft schlechthin. Nötig sei vielmehr eine Individualilsierung, denn statt der bislang von der Branche meist in den Fokus genommenen Zielgruppen, die sich über sozioökonomische Daten definierten, werden künftig die Differenzierung nach verschiedenen Lebensstilen eine immer stärkerer Rolle spielen.

Moderiert von Dr. Katrin Prüfig, folgte im Anschluss eine Diskussion, an der neben Prof. Bernd Thomsen der Präsident des Bundes Deutscher Architekten, Heiner Farwick, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Digitale Agenda" der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thomas Jarzombek, sowie Ulrich Höller, Vositzender des Vorstands der DIC Asset AG, und Martin Rodeck, Geschäftsführer der OVG Real Estate GmbH, teilnahmen.

Heiner Farwick sah die Aufgabe der Architekten vor allem darin, sich über ihre Kreativität einzubringen, die ja letztlich auch Innovation sei. Im Bauprozess hae es immer wieder Veränderungen gegeben. Aus Sicht des Architekten seien Aspekte wie die Aufenthaltsqualität eines Gebäudes jedoch wichtiger als das "Wie" bei seiner Herstellung. Dem müssten sich auch die Technik und deren Nutzung anpassen, beispielsweise bei der Regulierung von Heizungen. Eine stärker ausdifferenzierte Gesellschaft müsse sich beispielsweise auch in entsprechend differenzierten Angeboten, beispielsweise bei den Grundrissen, widerspiegeln.

Nach Einschätzung von Ulrich Höller sind Innovationen für die Immobilienwirtschaft fast Pflicht, denn es sei in dieser Branche unerlässlich, Trends vorauszusehen und zu berücksichtigen. Anders lasse sich ein Projekt, bei dem durchaus einmal mehrere Jahre von der Idee bis zur Fertigstellung vergehen könnten, nicht erfolgreich am Markt etablieren. Trends zu analysieren und ihnen gegebenenfalls zu folgen, gehöre deshalb zum immobilienwirtschaftlichen Alltag.

Thomas Jarzombek bezeichnete es als eine vitale Aufgabe der Immobilienwirtschaft, schnell leistungsfähige drahtlose Netze zu schaffen. Die Branche müsse Antworten auf die Bedürfnisse von Immobiliennutzern finden, insbesondere auch im Hinblick auf die Dateninfrastruktur. Deshalb solle Deutschland im Jahr 2020 als erstes europäisches Land über den Mobilfunk der fünften Generation verfügen können. Wenn künftig Smartphones eine immer stärkere Rolle - beispielsweise auch bei der Steuerung von Funktionen wie Heizung und Lüftung in der Wohnung o. ä. - spielen sollten, gehöre unbedingt auch das Thema Datenschutz auf die Agenda. Es dürfe kein Zustimmungsmonopol von amerikanischen Unternehmen geben.

Martin Rodeck wies darauf hin, dass Innovation sich noch zu oft hinter verschlossenen Türen abspiele. Aufgabe der Immobilienwirtschaft sei es jedoch, aktuelle Themen interdisziplinär voranzubringen. Insbesondere die großen Unternehmen der Branche müssten innovativ zusammenarbeiten. Zudem dürfe Innovation nicht einseitig nur im technischen Sinne verstanden werden. Neben der technischen Innovation seien auch die systemische und soziale Innovation wichtig.

Prof. Bernd Thomsen nannte als Beispiel für innovative Lösungen der Zukunft Amsterdam, wo es bereits eine Straßenbeleuchtung gebe, deren Helligkeit - und damit auch Energieverbrauch - sich daran anpasse, ob gerade Passanten oder Fahrzeuge in den betreffenden Bereich unterwegs seien oder nicht. Auf dem Weg über das Smart Home zur Smart City dürfe jedoch der Mensch nicht aus dem Blick geraten. Unternehmen, in deren Planungen der Mensch nur am Rande vorkomme, würden scheitern. Erfolgreich werde nur sein, wer auf Basis fundierer Marktforschung den Markt von sich überzeugen könne.

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Erstveröffentlichung: The Property Post, Juni 2015