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08.11.2022

Finanzielle Anreize schaffen

Wie sich Greenwashing vermeiden lässt

Izabela Danner, Vorstand, CORESTATE Capital Group
Izabela Danner

Greenwashing - die Regel oder eine Ausnahme im unternehmerischen Alltag der Immobilienbranche in Deutschland? Klar ist: Greenwashing verstößt nicht nur gegen die Regeln der EU-Taxonomie sondern ist auch gleichbedeutend mit einem partiellen Ausknipsen des gesunden Menschenverstands. Denn der Klimawandel ist leider eine Realität. Weil das ein gewaltiges Thema ist, können wir dieser fatalen Entwicklung nur mit dem Beitrag eines jeden Einzelnen  entgegenwirken.
Allerdings macht es die europäische Politik im Allgemeinen und die Bürokratie in Brüssel im Besonderen den Verantwortlichen nicht leicht mit ihren wenig präzisen Kriterien bei der EU-Taxonomie. Und dann der Treppenwitz schlechthin in diesem Zusammenhang: die „Nachbesserung“ der Richtlinien im Blick auf die Gasbranche und die Atomenergie, die nun durch die Hintertür als „grün“ eingestuft wurden. Wie immer man zu dieser Einstufung stehen mag, der Weg dorthin enthält viele von jenen Ingredienzien, die Brüssel und seine Lobbyisten in der Öffentlichkeit in dubiosem Licht erscheinen lassen.

Geburtsfehler bei ESG
Der Geburtsfehler bei ESG besteht aber nicht nur im Mangel an Klarheit bei den Kriterien. Eigentlich ist ESG aus dem Gedanken der Nachhaltigkeit entstanden. Nachhaltiges Handeln aber ist in erster Linie ein Governance-Thema – politisch, gesellschaftlich und ökonomisch. Dies wurde dann „verkompliziert“ und mit viel Interpretationsspielraum ausgestattet. Wenn das Ziel und der Weg unklar sind und die Konsequenz der Nicht-Umsetzung auch nicht greifbar, dann entsteht zwar viel Aktionismus, aber wenig Fokus und Impact. Das aber sind die Hebel, die zum Einsatz gebracht werden müssten. Und zwar genau dort, wo im Sinne der Sache auch Effektivität erzielt werden kann.

Raus aus der non-profit-Ecke
Kein Missverständnis: Ich bin grundsätzlich nicht gegen Verbote, sie allein bringen aber nichts. Es müssten deutliche Anreize zur Einhaltung der Regeln geschaffen werden. Vor allem finanzielle. Das Thema muss aus der „weichen non-profit-Ecke“ raus, wo irgendwelche Firmen Kindergärten unterstützen, so wichtig das im Einzelfall auch immer sein mag, und damit ihre Punkte in der Gesellschaft abhaken. In unserer Hemisphäre leben wir halt in einer kapitalmarktwirtschaftlich geprägten Ordnung. Jedes Unternehmen muss Gewinne generieren, sonst ist es weg von der Bildfläche. Ob uns das gefällt oder nicht: Gewinnerzielung ist das Ziel jedes Unternehmens und Profit-Optimierung sein höchster Wert. Und dieses System müsste jetzt unter ESG-Gesichtspunkten neu und vor allem nachhaltig organisiert werden.

Gewinneinbußen kompensieren
Das heißt aber auch, unternehmerische Werte im Zusammenhang mit ESG müssen in jedem Einzelfall identifiziert, definiert und gegenüber dem höchsten Unternehmenswert, der Gewinnoptimierung, abgewogen werden, damit die Unternehmenswirklichkeit eine größtmögliche Annäherung an den Wertekanon des jeweiligen Unternehmens erfahren kann. Das ist eine Führungsaufgabe par excellence, die auch besondere Kompetenzen bei den Führungskräften erfordert und deren Erledigung durch präzise Vorgaben seitens der politisch Verantwortlichen unterstützt werden muss – in Kombination mit einem entsprechenden finanziellen Anreizsystem. Sonst funktioniert das Ganze nicht. Der Unternehmer braucht eine Antwort auf die Frage, wie er mögliche Gewinneinbußen im „alten“ System auf dem Weg ins „Neue“ kompensieren kann, wenn er sich an die Regeln hält. Nur so lässt sich Greenwashing vermeiden.

 

 

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von CORESTATE Capital Group
Erstveröffentlichung: TPP, November 2022

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