Der Gebäudesektor könnte zur Achillesferse der deutschen Klimapolitik werden. Was jetzt zu tun ist.
Deutschland hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt. Bis 2045 will die Bundesrepublik klimaneutral werden. Einfach wird das nicht. Zwar sanken die deutschen Treibhausgasemissionen 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent auf rund 640 Millionen Tonnen CO₂. Allerdings fiel der Rückgang deutlich geringer aus als im Jahr zuvor. Setzt sich dieser Trend fort, geraten die Klimaziele insgesamt unter Druck.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Gebäudesektor. Rund ein Drittel der deutschen Treibhausgasemissionen entfällt auf Immobilien – damit gehört die Branche zu den größten Emittenten. Klar ist: Ohne eine erfolgreiche Transformation des Gebäudebestands sind die deutschen Klimaziele nicht erreichbar.
ESG im Neubau
Im Neubau sind bereits Fortschritte sichtbar. Nachhaltigkeit im Sinne von KfW-Effizienzhausstandards und Zertifizierungen sind für Finanzierung, Vermietung und Verkauf vorteilhaft. Energetische Effizienz wird daher bei modernen Gebäuden von professionellen Marktakteuren von Anfang an mitgedacht. Wohnimmobilien werden oft bereits als Nullemissionsgebäude gebaut. Mit der überarbeiteten europäischen Gebäuderichtlinie – der Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) – wird dieser Trend weiter verstärkt. Sie sieht vor, dass alle neuen Gebäude ab 2030 als Nullemissionsgebäude zu errichten sind.
Ein Thema mit Zukunftspotential ist zudem das zirkuläre Bauen. Ziel ist es, Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten, Ressourcen zu schonen und Emissionen zu reduzieren. Bauteile werden dabei so geplant, dass sie später wiederverwendet werden können. Studien zeigen, dass solche Ansätze nicht nur ökologisch sinnvoll sind, sondern langfristig auch Baukosten senken können.
Die große Herausforderung liegt im Bestand
Der eigentliche Hebel zur Erreichung der Klimaziele liegt jedoch im Gebäudebestand. Deutschland verfügt über rund 22 Millionen Gebäude, davon etwa 19 Millionen Wohn- und 2,7 Millionen Nichtwohngebäude. Rund 70 % sind dabei weiterhin von fossilen Energieträgern wie Öl oder Gas abhängig - nicht nur klimapolitisch auch im Umfeld geopolitscher Spannungen ein unhaltbarer Zustand. Bessere Dämmung, effizientere Heizsysteme und der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien sind daher essentiell und muss staatlich mit Förderprogrammen und Investitionen unterstützt werden.
Das hier nicht genug getan wird, ist offensichtlich: Die energetische Sanierung kommt zu langsam voran. Die jährliche Sanierungsrate liegt deutlich unter einem Prozent. Um die Klimaziele zu erreichen, müsste sie mindestens zwei- bis dreimal so hoch sein.
Die Rolle der Banken – Finanzierung und Risikomanagement
Seitens der Finanzbranche gilt es Förderprogramme und Kredite auf Basis von Sanierungsfahrplänen zu tragfähigen Finanzierungslösungen zu verknüpfen. Da Gebäude mit schlechter Energieeffizienz langfristig an Wert verlieren können und höhere Investitionen erfordern, sollte die Transformation des eigenen Kreditportfolios für alle Banken und Sparkassen höchste Priorität haben. Nachhaltigkeits- und Energieeffizienzfaktoren sind zwingend in die Kredit- und Risikobewertung zu integrieren.
Als regionales Kreditinstitut haben auch wir als Berliner Sparkasse unsere Risikostrategie und Geschäftsauswahl konsequent an energetischen Faktoren neu ausgerichtet. Wir unterstützen durch finanzielle Anreize in Form eines Bonussystems bei den Kreditkonditionen energieeffiziente Immobilien im Neubau wie auch bei der Transformation. Zugleich würdigen wir aber auch den potentiellen Konflikt zwischen Sanierungskosten und bezahlbaren Mieten und sind für sozialgerechte Projekte stets gesprächsbereit.
Zum Abschluss sei noch angemerkt, dass sich jeder auch im eigenen Tun und Handeln hinterfragen sollte. Neben der Finanzierung der Transformation richtet die Berliner Sparkasse daher ihren eigenen Geschäftsbetrieb CO2-freundlich aus. Dazu gehört unter anderem die regelmäßige Klimabilanzierung der eigenen Gebäude und Standorte sowie das Ziel, den eigenen Geschäftsbetrieb schrittweise bis 2035 CO2-neutral zu gestalten.
Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Berliner Sparkasse
Erstveröffentlichung: The Property Post, März 2026