Nachfrage aus China als Chance für Investoren
Unternehmen chinesischer Herkunft mieten zunehmend Logistik- und Industrieimmobilien in Deutschland. Dahinter steht ein grundlegender Strukturwandel der Lieferketten: Statt Waren überwiegend per Luftfracht oder Direktversand nach Europa zu bringen, bauen viele Unternehmen europäische Flächenbestände auf. Der frühere „Paketabwurf“ über einzelne Umschlagpunkte weicht damit einer europäischen Bestandshaltung.
Treiber dieser Entwicklung sind der wachsende Onlinehandel, die zunehmende Bedeutung von Marktnähe und resilienten Lieferketten sowie regulatorische Veränderungen, die europäische Fulfillment-Strukturen wirtschaftlich attraktiver machen. Die Folge ist zusätzlicher Flächenbedarf – sowohl durch eigene Distributionszentren als auch über Logistikdienstleister (meist sogenannte Third-Party-Logistics/3PL). Im zweiten Fall ist die tatsächliche Herkunft der Nachfrage allerdings häufig nicht unmittelbar erkennbar, weil ein europäischer Betreiber als Mieter auftritt.
Neben den genannten Entwicklungen entsteht ein weiterer, langfristiger Nachfrageimpuls durch die zunehmende lokale Wertschöpfung chinesischer Produzenten in Europa. Statt ausschließlich in China zu produzieren und nach Europa zu verschiffen, bauen Unternehmen ihre Präsenz vor Ort aus. Damit wächst auch der Bedarf an Produktions-, Logistik- und After-Sales-Flächen.
Für Eigentümer und Investoren ist dabei vor allem entscheidend, dass chinesische Unternehmen nicht nur Fläche, sondern Betriebsfähigkeit mieten. Gefragt sind Immobilien, die einen reibungslosen Betrieb und komplexe Fulfillment-Prozesse zuverlässig ermöglichen. Entsprechend gewinnen Faktoren wie Stromverfügbarkeit, Genehmigungsgeschwindigkeit, Hallengeometrie, ausreichend Tore und Stellplätze sowie funktionierende Betriebsabläufe an Bedeutung. Nicht die Immobilie als Hülle steht im Vordergrund, sondern ihre Eignung für einen effizienten Betrieb.
So attraktiv der zusätzliche Nachfrageimpuls ist: Für Investoren zählt am Ende, ob und unter welchen Voraussetzungen er investierbar ist. Typische Vorbehalte im Zusammenhang mit chinesischen Mietern betreffen etwa Bonität und Transparenz, Compliance-Anforderungen, operative Besonderheiten oder mögliche Reputationsrisiken. Diese Aspekte sind im Rahmen der Due Diligence sorgfältig zu prüfen. Maßgeblich für die Investitionsentscheidung sind jedoch Betriebsfähigkeit, Vertragspartner-Setup und Portfolio-Balance – nicht die Herkunft eines Mieters. Mit geeigneten Sicherheiten, klaren Vertragsregelungen und einer professionellen Portfoliosteuerung lassen sich diese Risiken adressieren. So wird die steigende Flächennachfrage chinesischer Unternehmen vom vermeintlichen Sonderrisiko zu einer zusätzlichen Wachstums- und Diversifizierungschance für Investoren.
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Erstveröffentlichung: Jahrbuch der deutschen Anlageberatung 2026, 17.08.2026