Welche politischen Weichenstellungen 2027 für institutionelle Investoren entscheidend werden
Aygül Özkan über das politische Zeitfenster 2027, Investitionsanreize und die Frage, wie aus staatlichen Initiativen tragfähige Investments werden.
Frau Özkan, auf welche politischen Entscheidungen sollten institutionelle Investoren mit Blick auf 2027 besonders achten?
2027 wird politisch ein wichtiges Jahr, weil die Bundesregierung dann ungefähr in der Mitte der Legislaturperiode steht. Was bis zum Frühjahr oder Sommer nicht zumindest auf den Weg gebracht ist, wird erfahrungsgemäß nur noch schwer umzusetzen sein. Deshalb sollten wir sehr genau auf das geplante Steuerpaket und auf die Reform der Altersvorsorge schauen. Die entscheidende Frage ist doch: Entstehen daraus tatsächlich bessere Bedingungen für Investitionen in Deutschland? Wenn Unternehmen den Standort verlassen, betrifft das nicht nur Arbeitsplätze, sondern unmittelbar auch Produktionsstätten, Unternehmensimmobilien und ganze Regionen. Gleichzeitig kann eine stärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge zusätzliches langfristiges Kapital mobilisieren. Dann muss aber auch geklärt werden, wie Versicherungen, Pensionskassen und andere institutionelle Anleger dieses Kapital sinnvoll investieren können.
Welche Rolle können KfW, Deutschlandfonds, also das 500 Mrd. Euro umfassende Sondervermögen für Infrastruktur – und andere staatliche Akteure dabei spielen?
Zunächst muss man sich anschauen, was diese Instrumente genau leisten sollen. Wenn die KfW oder der Deutschlandfonds privates Kapital für Mittelstand, Infrastruktur oder Transformation mobilisieren wollen, kann das eine sinnvolle Ergänzung sein. Es darf aber nicht bei einer politischen Überschrift bleiben. Für Investoren braucht es klare Strukturen, ein nachvollziehbares Rendite-Risiko-Profil und eine saubere Abgrenzung zu bestehenden Finanzierungsangeboten der Banken. Ebenso wichtig ist die Frage, ob neue Programme zulasten bewährter Förderung für Wohnungsneubau oder Bestandssanierung gehen. Auch beim staatlichen Atomfonds KENFO wird spannend sein, ob eine neue Führung Veränderungen in der Anlagestrategie anstößt. Im Kern geht es immer darum, staatliche Ziele so zu übersetzen, dass daraus investierbare und langfristig verlässliche Strukturen entstehen.
Was sollte daraus auf der INVESTMENTexpo 2027 diskutiert werden?
Ich würde die politische Debatte eng mit der Investorenperspektive verbinden. Gerade bei Steuerpolitik, Altersvorsorge und Mietenregulierung sollten politische Vertreter nicht allein ihre Vorhaben erläutern, sondern sich auch den praktischen Fragen der Investoren stellen. Interessant fände ich dabei auch die Sicht jüngerer Abgeordneter. Sie sollten erklären, welche Vorstellung sie von Deutschland in zwanzig oder dreißig Jahren haben und welche Rolle langfristiges Kapital dabei spielen soll. Das wäre keine abstrakte Generationendebatte, sondern ein sehr konkretes Gespräch darüber, welche Rahmenbedingungen Investitionen hier halten – und was Investoren brauchen, damit sie diese Verantwortung auch übernehmen können.
Frau Özkan ist Beiratsmitglied der INVESTMENTexpo und unterstützt diese bei der inhaltlichen Gestaltung. Sie bringt die politische und regulatorische Perspektive in den Beirat ein.
INVESTMENTexpo - DER KONGRESS FÜR IMMOBILIEN UND INFRASTRUKTUR-INVESTMENTS findet vom 2.-3. Juni 2027 im Zoo Palast Berlin statt.
Anmeldung und nähere Infos unter https://www.investmentexpo.de
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Erstveröffentlichung: The Property Post, September 2026