28.09.2026

Staatsfinanzen im Fokus

„Wir werden uns sehr viel ernster mit den Staatsfinanzen beschäftigen müssen“

Prof. Dr. Steffen Sebastian, Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung, IREBS International Real Estate Business School
Prof. Dr. Steffen Sebastian

Steffen Sebastian über enger werdende politische Spielräume, neue Finanzierungswege und KI als Werkzeug für bessere – nicht nur schnellere – Entscheidungen. 

Herr Professor Sebastian, welcher übergeordnete Rahmen wird institutionelle Investoren in den kommenden Jahren besonders beschäftigen? 
Wir werden uns sehr viel ernster mit den Staatsfinanzen beschäftigen müssen. Verteidigung, Zinsausgaben und soziale Leistungen binden einen wachsenden Teil der Mittel. Gleichzeitig bleiben Investitionen in Infrastruktur, Transformation und Wachstum notwendig. Weil Zins, Inflation und staatliche Finanzierung unmittelbar auf die Kapitalmärkte wirken, ist das keine abstrakte Haushaltsdebatte. Ich würde das gern offen und kontrovers diskutieren. Es gibt nicht die eine politisch neutrale Lösung. Deshalb wäre es sinnvoll, zwei Ökonomen mit unterschiedlichen Ansätzen gegenüberzustellen: Wo braucht es Prioritäten und Strukturreformen, wo zusätzliche Investitionen, und welche Folgen haben die jeweiligen Wege für langfristiges Kapital? 

Wie verändert sich parallel die Finanzierung von Immobilien? 
Die Finanzierung wird zu einem deutlich größeren Teil der Investmententscheidung. Banken müssen Kredite unter veränderten regulatorischen und eigenkapitalseitigen Bedingungen darstellen. Dadurch können Debt-Fonds und direkte Finanzierungen durch institutionelle Anleger an Bedeutung gewinnen. Das ist aber nicht automatisch die bessere oder günstigere Lösung. Man muss sehr genau auf Struktur, Sicherheiten, Laufzeit und Interessengleichlauf schauen. Für Immobilien kommt das Regulierungsänderungsrisiko hinzu. Wer über viele Jahre investiert, kalkuliert mit bestimmten Mieten, Kosten und Nutzungsmöglichkeiten. Politische Eingriffe können diese Rechnung nachträglich verändern. Die Themen Finanzierung, Projektentwicklung und Bestand greifen in der Praxis ineinander, und genau so sollte man sie auch auf der INVESTMENTexpo diskutieren. 

Was erwarten Sie von der Debatte über Künstliche Intelligenz? 
Wir sollten weg von allgemeinen Zukunftsbildern und hin zu konkreten institutionellen Prozessen. KI kann Unterlagen strukturieren, Informationen vergleichen, Annahmen hinterfragen und alternative Sichtweisen liefern. In meiner eigenen Arbeit merke ich, dass sie mich nicht zwingend schneller, aber oft gründlicher macht. Ich prüfe mehr Gegenargumente und kontrolliere Aussagen bewusster. Genau das kann auch in Due Diligence, Bewertung, Transaktion und Risikomanagement einen Mehrwert bringen. Die Verantwortung bleibt allerdings beim Menschen. Datenqualität, Nachvollziehbarkeit und Kontrolle müssen geklärt sein. Ebenso gehören Datenschutz, Mitbestimmung und interne Governance dazu. Und wenn Fondsmanager oder Dienstleister durch KI produktiver werden, ist die Frage nach den Gebühren legitim. Ein gutes Panel sollte deshalb einen realen Prozess vorher und nachher zeigen: Was wurde besser, was wurde günstiger und an welcher Stelle bleibt menschliches Urteil unverzichtbar? 

 

Prof. Dr. Steffen Sebastian ist Vorsitzender des Beirats der INVESTMENTexpo. der INVESTMENTexpo und unterstützt diese bei der inhaltlichen Gestaltung. 

INVESTMENTexpo - DER KONGRESS FÜR IMMOBILIEN UND INFRASTRUKTUR-INVESTMENTS findet vom 2.-3. Juni 2027 im Zoo Palast Berlin statt.
Anmeldung und nähere Infos unter https://www.investmentexpo.de

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von The Property Post
Erstveröffentlichung: The Property Post, September 2026

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