Entscheidungen müssen robuster und besser erklärbar werden
Sascha Pinger erläutert, wie das WPV den Dialog mit seinen Mitgliedern vertieft, sein Portfolio gezielt weiterentwickelt und prüft, wo KI bei der Managerauswahl belastbar unterstützen kann.
Herr Pinger, warum ist die Kommunikation über Kapitalanlage für Sie wichtiger geworden?
Unsere Mitglieder verfolgen Nachrichten heute sehr aufmerksam. Wenn irgendwo über eine Krise, einen Manager oder eine Anlageklasse berichtet wird, kommen schnell konkrete Fragen: Betrifft uns das auch? Wie sicher ist das Portfolio? Warum haben wir uns für dieses Investment entschieden? Diese Fragen sind berechtigt. Deshalb suchen wir den direkten Austausch, bei Bedarf auch persönlich am Telefon. Ergänzend nutzen wir zum Informationstransport unter anderem das Magazin der Wirtschaftsprüferkammer sowie den geschützten Bereich unser Internetseite. Transparenz schafft Vertrauen, braucht aber Kontext und Einordnung. Ein komplexes Portfolio lässt sich nicht mit einer einzelnen Zahl erklären, und eine Information ohne Einordnung kann mehr verunsichern als helfen. Deshalb machen wir Entscheidungen und ihre Rolle im Gesamtportfolio verständlich. Dieser Anspruch wirkt auch intern. Wenn wir eine Anlageentscheidung unseren Mitgliedern nicht plausibel erklären können, hinterfragen wir sie selbst noch einmal kritisch. Verständliche Kommunikation ist damit nicht nur eine Frage der Außendarstellung, sondern auch ein wichtiger Teil unseres Entscheidungsprozesses.
Wie entwickelt das WPV sein Portfolio in diesem Umfeld weiter?
Das Versorgungswerk wächst weiter und investiert fortlaufend neues Kapital. Bei Immobilien gehen wir heute trotzdem deutlich selektiver vor als früher. Im Fokus stehen vor allem Wohninvestments in Deutschland und Europa. Engagements in den USA beurteilen wir wegen der Währungs- und geopolitischen Risiken zurückhaltend. Gleichzeitig suchen wir Wege, bestehende Strukturen flexibler aufzustellen. Bei Immobilien ohne bestehende Finanzierung kann ein moderater Einsatz von Fremdkapital Liquidität für eine breitere Diversifikation schaffen. In anderen Fällen kann es sinnvoll sein, weitere institutionelle Investoren in eine bislang allein gehaltene Struktur aufzunehmen. Beides ist kein Selbstzweck und keine bloße Renditeoptimierung. Im Mittelpunkt steht die Risikosteuerung: Risiken breiter verteilen, Handlungsspielraum gewinnen und zugleich genau prüfen, welche neuen Mitanlegerrisiken oder Abhängigkeiten dadurch entstehen könnten.
Wo kann KI diesen Entscheidungsprozess heute schon sinnvoll unterstützen?
Wir haben einen konkreten Anwendungsfall getestet. Ausgangspunkt war eine kritische Nachricht über einen Manager. Die KI sollte nicht nur den Sachverhalt einordnen, sondern auch verfügbare Informationen zum Track Record strukturiert auswerten, Alternativen identifizieren und eine begründete Auswahl vorbereiten. Darin liegt heute der konkrete Nutzen. KI kann den Suchraum vergrößern, Gegenargumente liefern und blinde Flecken sichtbar machen. Die Entscheidung selbst bleibt bei uns. Quellen, Datenqualität und Schlussfolgerungen müssen von Menschen geprüft werden.
Herr Pinger ist Beiratsmitglied der INVESTMENTexpo und unterstützt diese bei der inhaltlichen Gestaltung.
INVESTMENTexpo - DER KONGRESS FÜR IMMOBILIEN UND INFRASTRUKTUR-INVESTMENTS findet vom 2.-3. Juni 2027 im Zoo Palast Berlin statt.
Anmeldung und nähere Infos unter https://www.investmentexpo.de
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Erstveröffentlichung: The Property Post, September 2026