Andreas Tied, Bereichsleiter Immobilien- und Stadtentwicklung bei der Investitionsbank Berlin (IBB), spricht über wichtige Förderinstrumente für eine gezielte Wohnungsförderung
Herr Tied, das knappe Wohnungsangebot gilt in Berlin inzwischen als eines der größten Wachstumshindernisse und Mitarbeiterwohnen als Lösungsmöglichkeit. Welche Branchen verdienen aus Ihrer Sicht besondere Unterstützung?
Wohnraum wird grundsätzlich für Beschäftige aller Branchen benötigt, aber insbesondere für solche Branchen in denen vergleichsweise niedrige Anfangs- und Durchschnittsgehälter gezahlt werden. Dies bestätigte auch eine Umfrage bei Berliner Wohnungsmarktexpert:innen im Rahmen des „IBB Wohnungsmarktbarometers 2025“, bei welcher die deutlich höchste Relevanz des Mitarbeiterwohnens für die Wirtschaftsbereiche Gesundheit & Soziales gefolgt von Produktion & Fertigung (inkl. Handwerk), sowie Wissenschaft & Forschung festgestellt wurde.
Welche Impulse können Sie als Investitionsbank für Mitarbeiterwohnen geben? Welche Mittel stehen Ihnen zur Verfügung?
Ganz konkret kann Unterstützung über Förderprogramme erfolgen. Zum Beispiel über das Programm „IBB Junges Wohnen“ welches explizit die Entstehung von Wohnraum für Auszubildende im Fokus hat. Des Weiteren kann mit der Sozialen Wohnraumförderung im Rahmen des „IBB Wohnungsneubaufonds“ kostengünstiger Wohnraum für Berliner Beschäftigte entstehen, solange sich deren Gehälter innerhalb der entsprechenden Einkommensgrenzen befinden. Zukünftig sind im Rahmen der EU-Initiative „Bezahlbares Wohnen“ – bei entsprechendem politischen Willen- auch Förderungen für weitere Einkommensschichten denkbar. Indirekt setzt die IBB auch Impulse durch Teilnahme an verschiedenen Austauschrunden und der Betrachtung des Themas in unseren Publikationen zum Wohnungsmarkt.
Wird der öffentliche Sektor von Ihnen besonders berücksichtigt?
Es gibt keine bevorzugte Behandlung des öffentlichen Sektors. Unsere Förderprogramme sind für alle gleichermaßen zugänglich. Die landeseigenen Wohnungsgesellschaften sind aber geschätzter Partner der IBB – zum Beispiel in der sozialen Wohnraumförderung. Der öffentliche Sektor ist zudem selbstständig aktiv im Bereich des Mitarbeiterwohnens sei es durch die Berlinovo oder auch die „Koordinierungsstelle für Beschäftigtenwohnen“.
Welche Perspektiven für den Mietwohnungsbau und das Mitarbeiterwohnen sehen Sie in Berlin?
Es muss weiterhin daran gearbeitet werden, dass Bauen schneller und günstiger wird. Der Bauturbo, das Schneller-Bauen-Gesetz und das Einfach-Bauen-Berlin-Gesetz beinhalten gute Ansätze, um attraktivere Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau zu gestalten. Zusätzlich bedarf es, wie schon in der Vergangenheit geschehen, aber auch der Eigeninitiative der Unternehmen Wohnraum für ihre Beschäftigte bereitzustellen. Hier sind verschiedene Modelle denkbar: von Bauen in Eigenregie bis zu Kooperationen mit Wohnungsunternehmen und Subventionen durch Einbringung firmeneigener Grundstücke oder auch Mietsubventionen.
Was befürchten Sie, wenn es nicht gelingt, den Wohnungsmarkt für dringend benötige Fach- und Nachwuchskräfte zu öffnen?
Die Auswirkungen des demografischen Wandels werden auch mehr und mehr auf dem Berliner Arbeitsmarkt sichtbar. In den kommenden zehn Jahren kann mit einer ansteigenden branchenübergreifenden Fachkräftelücke gerechnet werden. Der eigentlich benötigte, aber aufgrund der Wohnraumknappheit, ausbleibende Zuzug kann zu einem Wachstumshindernis werden, wenn wir es nicht schaffen, neue Fachkräfte für Berliner Unternehmen anzuwerben und mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen.
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Erstveröffentlichung: The Property Post, September 2026