14.08.2026

Mehr Verlässlichkeit

Über die Auswirkungen der Berliner Mietenpolitik auf Investitionstätigkeit und Wohnungsbau

Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin, ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.
Aygül Özkan

Wie schaut die deutsche Immobilienwirtschaft auf die Berliner Wohnungspolitik?
Ich nehme in der Branche derzeit vor allem eines wahr: eine große Verunsicherung. Und Unsicherheit ist Gift für Investitionen. Viele Unternehmen sind sich nicht mehr sicher, welche politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen in fünf, zehn oder zwanzig Jahren gelten werden. Wer Wohnungen baut, investiert mit einem sehr langen Zeithorizont. Dafür brauchen Investoren, Banken und Projektentwickler Verlässlichkeit. 

Die ständigen Absichtserklärungen für weitere Verschärfungen im Mietrecht sind dabei das eine – das andere ist mit Blick auf Berlin die Debatte über Vergesellschaftung von Wohnraum, die hier extrem schädlich ist. Durch eine Vergesellschaftung würde nicht eine einzige Wohnung mehr geschaffen – aber das Vertrauen für Investoren in die Rechtssicherheit unseres Wirtschaftsstandorts zerstört werden. Es freut mich, dass sich die Bundesregierung mittlerweile klar dazu positioniert hat. Jetzt kommt es darauf an, dass aus dem Beschluss des Koalitionsausschusses schnell ein konkretes Gesetz wird.[SK1.1]

Wie erleben Sie die Situation in Berlin?
Was wir aus unserem Mitgliederkreis hören: Unternehmen erhalten bisweilen für neue Projekte keine und nur noch unter schlechteren Bedingungen eine Anschlussfinanzierung für ihre Berliner Bestandsportfolien.

Es geht deshalb um sehr viel mehr als “nur” um eine politische Diskussion. Das Ergebnis ist, dass Kapital zwar grundsätzlich vorhanden ist, aber nicht mehr unbedingt nach Berlin fließt. 

Was halten Sie vom geltenden Vergesellschaftungsrahmengesetz?
Das Vergesellschaftungsrahmengesetz selbst ist nicht der eigentliche Kern des Problems. Es schafft noch keine Vergesellschaftung und regelt auch nicht unmittelbar den Zugriff auf Wohnungsbestände. Entscheidend ist vielmehr die politische Grundsatzfrage, ob private Wohnungsunternehmen künftig überhaupt noch auf verlässliche Eigentums- und Investitionsbedingungen vertrauen können. Schon die anhaltende Debatte über eine mögliche Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände beschädigt dieses Vertrauen erheblich. Wer über Jahrzehnte in Neubau, Bestand und Klimaschutz investieren soll, braucht Rechtssicherheit – nicht die permanente Sorge, dass Eigentum politisch zur Disposition gestellt wird.

Was muss sich ändern, damit die Branche wieder Vertrauen in Berlin fasst und was würde das für den Wohnungsbau und die Mietentwicklung bringen?
Was die Branche am meisten braucht, ist Verlässlichkeit – und zwar über Legislaturperioden hinaus. Investoren müssen wissen, dass sich Förderprogramme, gesetzliche Vorgaben und Zielpfade nicht ständig ändern. Die größte Verunsicherung herrscht derzeit genau dort: bei der Frage, welche Regeln langfristig gelten und ob sich Investitionen von heute auch morgen noch rechnen. 

In Teilen der Berliner Politik sollte sich stärker darauf konzentriert werden, die Lösung der Wohnungsknappheit gemeinsam mit der Immobilienwirtschaft zu erreichen und nicht, Politik gegen sie zu machen. Wenn das Vertrauen zurückkehrt, würden wieder mehr Investitionen ausgelöst, mehr Projekte gestartet und letztlich mehr Wohnungen gebaut werden. 

Man sollte allerdings ehrlich sein: Mehr Neubau wird den Druck auf dem Wohnungsmarkt spürbar reduzieren, allerdings nicht sofort. Es wird nicht über Nacht gehen. Aber je mehr Wohnungen entstehen, desto stärker lässt sich der Mietanstieg bremsen. Kurz gesagt: Berlin ist noch ein hochattraktiver Wohnungsmarkt. Aber wenn die Stadt mehr Neubau will, muss sie Investitionssicherheit schaffen. Und zwar JETZT. Nur dann werden private und öffentliche Investitionen in dem Umfang mobilisiert, der notwendig ist, um den Wohnungsmangel nachhaltig zu überwinden.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Zentraler Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA)
Erstveröffentlichung: The Property Post, August 2026

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